Maradona: Vom Fussballgott zum Trainerclown

  • Publiziert: 25.09.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gianni Wyler

Maradona feierte mit Argentinien als Spieler 1986 den Weltmeistertitel. Doch als Coach läuft es ihm gar nicht. Diese Situation mussten auch viele andere Ex-Superspieler bitter erfahren.

Die einstige geniale Nummer 10 von Argentinien ist als Nationalcoach überfordert. Nach den letzten Misserfolgen mit den «Gauchos» ist die Qualifikation zur WM in Gefahr.

Das Denkmal Maradona wackelt, ausgerechnet in seiner Heimat. Seine Flucht nach Italien, angeblich für eine Kur, gibt in seinem Heimatland viel zu reden. Statt sich um die Krise seiner Mannschaft zu kümmern, nimmt Maradona in Italien ein paar Pfunde ab.

Doch er ist nicht der erste Fussballheld, der als Trainer versagt: Im Jahr 1999 übernimmt Kevin Keegan das Traineramt Englands. Mit mässigem Erfolg. Im letzten Spiel im ehrfürchtigen Wembley-Stadion verlieren Keegan und sein Team ausgerechnet gegen Erzfeind Deutschland – das Aus für Keegan.

Noch kürzer als Keegan war der rumänische Karpaten-Maradona Gheorghe Hagi im Amt. Gerade mal fünf Monate hielt er 2001 das Zepter der Nationalmannschaft in seiner Hand. Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2002 entschied sich Hagi nach nur vier Spielen zum Rücktritt. Der siebenfache rumänische Spieler des Jahres ist als Trainer gescheitert.

Auch Polens Nationalheld Zbigniew Boniek scheiterte als Trainer seines Landes. Als polnisches Aushängeschild kickte er in Italien bei Juventus Turin und der AS Rom. Dort feierte er Meisterschaften und Pokalsiege.

Doch als Natitrainer war sein Erfolg nur mässig. «Ich glaubte immer, ich sei der schlechteste Natitrainer Polens. Zum Glück war aber Leo Beenhakker noch ein bisschen schlechter.», sagte Boniek über seine Leistung.

Die Liste der «Versager» ist lang: Von Keegan und Boniek über Platini bis hin zu Hugo Sanchez. Alles Weltstars, die den Trainerjob besser einem anderen überlassen hätten.

Franz Beckenbauer bewies 1990, dass auch ehemalige Topspieler erfolgreiche Trainer sein können: Im WM-Final gegen Argentinien sicherten sich die Deutschen dank dem Penalty-Tor von Andreas Brehme den WM-Titel.

Nach Rückkehr gibt sich Maradona kämpferisch

«Hier entscheide ich. Alle werden angehört, aber die letzte Entscheidung liegt bei mir», betonte der bisher glücklose frühere Weltklassespieler in Buenos Aires. «Bevor ich nicht angekommen bin, weiss niemand, welche Spieler gegen Ghana antreten werden», betonte Maradona selbstbewusst. «Mir schreibt niemand etwas vor», forderte er seine zahlreichen Kritiker heraus.

Die hatten ihn nach mehreren Niederlagen der Nationalelf in den Qualifikationsspielen für die WM 2010 in Südafrika und seiner überraschenden Reise nach Italien schon fast abgeschrieben. Für das Freundschaftsspiel kommenden Mittwoch gegen Ghana in Cordoba (Arg) berief Maradona 19 Spieler aus der nationalen Liga, darunter die Veteranen Ariel Ortega und Martín Palermo.

Am Freitag werde er die Aufstellung für die beiden entscheidenden nächsten Qualifikationsspiele für die WM gegen Peru am 10. Oktober und gegen Angstgegner Uruguay am 14. Oktober bekanntgeben. Maradona bekräftigte jedoch sein grundsätzliches Vertrauen in die Mannschaft. «Sie sind alle sehr gut. Ich bin mir sicher, dass sie plötzlich zeigen werden, wozu sie fähig sind», sagte der Weltmeister von 1986. Zwei Spieltage vor Ende der Qualifikation belegt das Team um Superstar Lionel Messi in Südamerika den fünften Tabellenplatz, der am Ende nur zu Barragespielen gegen ein Team aus Nord- und Mittelamerika berechtigt. (Si/raf)