Köbi Kuhn, weshalb haben Sie Vogel nicht aufgeboten?

  • Publiziert: 08.03.2007, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Aufzeichnung: Max kern

MURI BE – «Ich habe den Captain der Nati nicht aufgeboten.» Köbi Kuhn (63) sagte diesen Satz zu Beginn der gestrigen Medienkonferenz. Der Nati-Coach wirkte übernächtigt, als er gestern um 11 Uhr im Haus des Fussballs die Ausbootung von Johann Vogel erklärte.

Weshalb haben Sie Johann Vogel für den USA-Trip nicht aufgeboten?
KÖBI KUHN «Nach der WM, vor allem aber nach dem Deutschland-Spiel, bin ich in einer Lagebeurteilung zum Schluss gekommen, dass die Chemie nicht mehr stimmt. Nicht nur ausserhalb des Platzes, sondern auch auf dem Platz. Wenn wir keine Einheit mehr sind, und das ist die einzige Stärke, mit der wir gegen die Grossen den Unterschied ausmachen können, schwächen wir uns selber. Wir sind nicht besser als unsere Gegner in der WM-Qualifikation oder unsere Gruppengegner an der WM. Wenn wir uns Streitigkeiten leisten, sind wir nur noch ein kleines, banales Team.»

Was werfen Sie Johann konkret vor?
«Es war nicht nur seine Leistung auf dem Platz, die nicht berauschend war. Es war die Kombination der Leistung auf dem Feld – und dem Einfluss, den er als Captain auf unser Spiel nahm. Und die Leistung auf dem Platz war nicht derart befriedigend, dass ich jetzt eine andere Entscheidung hätte fällen müssen. Das Allerwichtigste ist der Teamgeist – er kommt vor der Qualität der Spieler.»

Welche Reaktion erwarten Sie von den restlichen Spielern?
«Ich erwarte eine Truppe, die den Ernst der Lage erkannt hat. Bis jetzt gabs Hahnenkämpfe, auch in der Öffentlichkeit, die ich nicht akzeptieren kann. Ich erwarte von allen 22, dass sie eine Einstellung an den Tag legen, wie sie das die letzten Jahre vor der WM getan haben. Das ist jetzt für mich ein Neubeginn! Wer nicht mitziehen will oder kann, muss sich bei mir verständlich machen. Wenn einer müde ist, kann er aussteigen.»

Glauben Sie, dass Patrick Müller, seit Kindsbeinen Vogels Kumpel, nun nicht mehr für die Nati spielen wird?
«Das ist sicher möglich. Wie gesagt: Wenn einer nicht mehr will, dann... Platini (der neue Uefa-Präsident, die Red.) will das zwar ändern und per Dekret verlangen, dass die Spieler zur Nati einrücken. Aber man kann nicht per Dekret verlangen, dass sie mit Herz einrücken.»

Spüren Sie, dass Sie nun unter Druck stehen?
«Selbstverständlich stehe ich nach drei Niederlagen unter Druck, ich bin ein Teil dieser Mannschaft. Nicht nur die Resultate, sondern die Art und Weise, wie wir zuletzt vorgeführt wurden, gefällt mir nicht.»