Kolumne vom 19. Oktober
Fussball erzählt Geschichten. Fussball hat Geschichte. Beides ist vielen, die Geld in den Fussball stecken, wurstegal. Geschichte oder Geschichten, damit können Buchhalter und Geldsäcke nichts anfangen. Deswegen wurde auch kaum ein Sponsor verlegen, als der Schweizer Cup vor einigen Jahren kurzfristig den Namen eines Telefonanbieters erhielt.
Im Augenblick heisst der Schweizer Cup wieder Schweizer Cup, aber nicht aus Einsicht, sondern weil noch kein neuer Sponsor gefunden wurde. Wer weiss, vielleicht reden wir bald schon vom Salami-Soundso-Cup oder vom Energy-Drink-Light-Cup.
Die schönsten Geschichten des Cups wurden in der Provinz geschrieben. Besuche grosser Mannschaften bei Dorf- oder Quartiervereinen haben manchen Spieler oder Fan für immer geprägt. Besonders schön hören sich alle Geschichten von Amateuren an, die einer Profimannschaft ein Bein stellen konnten.
«Cup auf dem Land war ein Jahreshöhepunkt»
Brachte der Cup ein grosses Los, kam der Dorfmetzger kaum nach mit Wursten und der Gipsermeister stellte alle seine Gerüstelemente für eine Zusatztribüne zur Verfügung. Cup auf dem Land war ein Jahreshöhepunkt für Verkehrskadetten, Blasmusik und Lokalreporter.
Dass manche Klubs inzwischen aus finanziellen Überlegungen auf ihr Heimrecht verzichten, ist nur der bislang letzte Schritt einer Entwicklung, die den Cup immer fragwürdiger erscheinen lässt. Doch schon bevor die Klubs für dreissig Silberlinge Seele und Heimrecht verkauften, war der Geist verdorben.
Fliegende Papierschnitzel an der Cup-Übergabe sind kein Ersatz für fehlendes Geschichtsbewusstsein. Animation und Moderation, wie wir es neuerdings an Cupfinals erleben, finden nur die cool, die ein Fussballspiel nicht von einer Werbefahrt unterscheiden können. Der Cup ist faul geworden, er stinkt nach Geld.