Robert Enke hat sich am Dienstag in der Region um Hannover vor den Zug gestürzt. Der Selbstmord des deutschen Nationaltorhüters schockt (nicht nur) die Fussballwelt.
In seinem Abschiedsbrief entschuldigt sich der mit 32 Jahren verstorbene Goalie bei seiner Frau Teresa und seinen Angehörigen. Niemand hat mit diesem Selbstmord gerechnet, denn Enke hatte am Todestag seine Behandlung wegen Depressionen abgebrochen, stationäre Hilfe lehnte er bis zuletzt ab.
Enke scheint seine Todesstelle bewusst ausgewählt zu haben. Denn die Unfallstelle in Neustadt am Rübenberge ist unbewohnt, Zeugen gibt es keine. Die Autotüren macht Enke zu, schliesst aber nicht ab, seine Brieftasche lässt er zurück. Eine Kurzschlusshandlung kann ausgeschlossen werden, wann aber hat sich Enke für den Freitod entschieden? (raf)
BILD zeichnet die letzten drei Tage von Enke auf:
Sonntag, 17.27 Uhr:
BILD-Reporter Heiko Niedderer spricht mit Enke über die Nichtnominierung fürs deutsche Nationalteam: «Dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Das war vorher abgesprochen.» Wo werden Sie die Länderspiele sehen? Enke: «Ganz entspannt zu Hause auf dem Sofa.» Er lacht wieder, verschwindet im Kabinentrakt.
18.50 Uhr: Enke und sein Freund und Berater Jörg Neblung, der mit Enke- Frau Teresa das Spiel gesehen hat, verabschieden sich mit einer Umarmung. Die Enkes fahren zu ihrem Haus nach Empede, Stadtteil von Neustadt am Rübenberge, 39 km vom Stadion entfernt.
Montag, 8.40 Uhr: Nach dem Frühstück macht sich Enke auf den Weg nach Hannover.
Um 10.08 Uhr startet er mit Trainer Andreas Bergmann, Konditions-Trainer Edward Kowalczuk und den Spielern Constant Djakpa, Sergio Pinto und Hanno Balitsch zu einer Laufrunde um den Maschsee (6,2 km).
Anschliessend geht Enke in den Kraftraum im Stadion, bespricht mit Kowalczuk den Trainingsplan für die Woche.
Um 12.35 Uhr verlässt er das Gelände von Hannover 96.
13 Uhr: Teresa Enke holt in der Reinigung „Moldenhauer“ in Neustadt am Rübenberge eine Bluse ab. Die Angestellte: „Sie war – wie immer – freundlich und höflich. Eine ganz nette Frau.“
Enke besuchte mit seiner Familie eine Leichenschau
18.05 Uhr: Enke besucht die Leichenschau „Echte Körper“ auf dem Expo- Gelände bei Hannover. Er bleibt etwa eine Stunde, hat Töchterchen Leila auf dem Arm. Teresa schiebt den Kinderwagen.
Schülerin Anna S. (18), die mit einer Gruppe gleichzeitig in der Ausstellung ist: „Ich habe ihn gar nicht erkannt. Einer sagte: ,Ey, das ist doch der Enke.‘ Einige wollten sich ein Autogramm holen, haben sich aber nicht getraut.“
Dienstag: Mittags gegen 14 Uhr telefoniert BILD-Reporter Florian Krebs mit Berater Neblung. Der sagt: „Robert trainiert heute zweimal.“ Was er zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Enke hat gar keinen Termin bei 96, weder bei Fitnesstrainer Kowalczuk noch bei Torwart-Trainer Jörg Sievers. Das erfährt Neblung wenig später, als er bei 96 anruft.
15.30 Uhr: Neblung alarmiert Enkes Frau und die Polizei. Keiner weiß, wo Enke steckt. Nachmittags tankt er in Neustadt-Hagen an der Tankstelle Diepholz.
Erst um 18.07 Uhr wird er wieder gesehen. Kneipenwirt Fritz Schrader (57) vom „Gasthaus zum Bahnhof“ an der Strasse Am Hüttenkrug in Neustadt-Eilvese: „Ich wollte zum Abendessen. Da habe ich ihn in seinem Mercedes-Geländewagen vorbeifahren sehen.“
Enke biegt in eine dunkle Stichstrasse direkt neben den Gleisen, stellt den Wagen ab, steigt aus. Er lässt seine Geldbörse auf dem Beifahrersitz liegen, schliesst das Auto nicht ab.
18.17 Uhr: Der Regionalexpress 4427 von Bremen nach Hannover rauscht mit 160 km/h heran. Der Zugführer sagt später, dass er eine Person auf den Gleisen gesehen habe. Ein weiterer im Führerhaus anwesender Zugführer leitet eine Notbremsung ein.
Zu spät. Enke stirbt zweieinhalb Kilometer entfernt vom Grab seiner Tochter.