Vogel und Müller: Wer will diese Ladenhüter?

  • Publiziert: 14.35 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Max Kern und Michael Wegmann

In fünf Tagen ist Transferschluss. Schweizer Schnäppchen wären zu haben. Wer beisst an?

Bei diesem Stellen-Inserat müsste jeder Schweizer Sportchef sofort den Hörer in die Hand nehmen:

«Schweizer Fussball-Internationaler, 94 Länderspiele, Berufserfahrung in England, Spanien, Italien, Holland und der Schweiz, sucht neues Betätigungsfeld. Bescheidene Lohnvorstellungen. Kleines Handgeld erwünscht. Anfragen an Headhunter A. S. Telefon-Nr. 079 --- -- --.»

Hinter dem Inserat steckt kein Geringerer als der ehemalige Nati-Captain Johann Vogel.

Der 32-Jährige, der unter anderem für die AC Milan, Betis Sevilla und den PSV Eindhoven spielte, ist seit Anfang April ohne Arbeitgeber. Damals wurde sein Vertrag mit den Blackburn Rovers nach nur sechs Einsätzen aufgelöst.

Finanziell ausgesorgt aber ein Kribbeln in den Füssen

Finanziell hat das ehemalige Wunderkind schon längst ausgesorgt. Aber es kribbelt immer noch in den Füssen. Wohin ziehts Vogel? Sein Berater Angelo Semeraro sagt: «Johanns Zukunft steht noch in den Sternen.»

Vogel ist kein Einzelfall. Auch sein Genfer Jugendfreund Patrick Müller (32) ist kurz vor Ladenschluss noch auf Klubsuche. Der 81-fache Internationale, der unter anderem sechs (!) Meistertitel mit Olympique Lyon vorzuweisen hat, besitzt zwar mit der AS Monaco einen Arbeitsvertrag bis Juni 2010. Doch beim neuen Trainer Guy Lacombe ist der Verteidiger nicht mehr erwünscht.

Müller, an der Euro 08 Schweizer Abwehrchef, muss im Fürstentum mit dem Nachwuchs trainieren. Möglich, dass Müller ausbezahlt wird. Irgendwann wird er laut eigenen Angaben bei Servette Genf landen. Oder doch zuerst noch beim FC Zürich?

Jakupovic: «Langsam wird es eng»

Auf gepackten Koffern sitzt in Moskau seit einem Monat Nationalmannschafts-Goalie Eldin Jakupovic (24). Trotz Vertrag bei Lokomotive bis 2011. Der Glarner, der letzte Saison an GC ausgeliehen war, liebäugelt mit einem Transfer zu Tottenham.

Jakupovic: «Es gibt auch Interessenten in Deutschland und Italien. Aber langsam wirds eng.» Der Klub wollte ihn zu Feyenoord Rotterdam oder zum russischen Klub FK Rostow ausleihen. Jakupovic winkte ab. Bei Lok ist er nur einer von sechs (!) Torhütern. Sein Schmerzensgeld ist aber nicht ohne: 1,2 Millionen Franken Jahresgehalt.

Dzemaili zu Palermo?

Der vierte Schweizer Ladenhüter mit klingendem Namen ist Blerim Dzemaili (23), Ende Saison mit Torino FC in die Serie B abgestiegen. Palermos Trainer Walter Zenga, Italiens ehemaliger Nati-Goalie, würde den Svizzero mit Handkuss nehmen.

Gestern kam wider Erwarten doch wieder Bewegung in die Causa Dzemaili. Torinos Präsident Urbano Cairo, der ein 13-Millionen-Franken-Angebot abgelehnt hatte, signalisierte, dass er sich möglicherweise auf ein Leihgeschäft einlassen könnte.

play Johan Vogel war lange Zeit Captain der Schweizer Nationalmannschaft. Während der Ära Kuhn musste er weichen. (Keystone)