Teamkollege wusste von Enkes Krankheit

HANNOVER - Robert Enkes Krankheit war entgegen ersten Meldungen auch innerhalb des Teams bekannt.

  • Publiziert: 17.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Hans-Jörg Gasser

Heute vor einer Woche nahm sich der deutsche National-Goalie Robert Enke das Leben. Am Sonntag wurde er im Stadion von Hannover 96 in einer bewegenden Feier verabschiedet.

Noch immer können viele nicht begreifen, dass sich ein so erfolgreicher Fussballer vor einen Zug stürzt, weil er das Leben nicht mehr aushält.

Entgegen bisherigen Meldungen war nicht nur sein engstes Umfeld in seine Krankheit eingeweiht. Bislang ging man davon aus, dass der 32-jährige Enke seine Depressionen und seine Angst innerhalb des Teams überspielt hatte.

Jetzt hat sein Hannover-Teamkollege Hanno Balitsch erklärt, er habe von Enkes Depressionen gewusst. «Es gab Leute im Team, die von Roberts Problemen wussten. Das waren ich und unsere beiden Physiotherapeuten. Wir haben versucht, ihm eine Stütze zu sein, ohne sein Vertrauen zu missbrauchen.»

Balitsch glaubt, dass für die anderen Mitspieler, wie etwa den Schweizer Nati-Verteidiger Mario Eggimann, Enkes Depressionen nicht zu erkennen gewesen seien.

Und weiter sagte Balitsch: «Robert war nicht alleine im Team. Aber er hat sich zuletzt immer mehr zurückgezogen.»

Deutschland spielt mit Trauerbinde

Nachdem Deutschland wegen Enkes Tod das Testspiel vom letzten Samstag gegen Chile abgesagt hat, wird das Team von Jogi Löw morgen gegen die Elfenbeinküste (20.45 Uhr, ARD, live) wieder spielen. Die Spieler werden eine Trauerbinde tragen. Auf der Bank werden sie ihrem verstorbenen Teamkollegen mit einem Enke-Trikot gedenken. Nächstes Jahr will der Deutsche Fussballbund ein Benefiz-Spiel zu Ehren von Enke austragen. Ein Teil der Einnahmen soll laut DFB-Boss Theo Zwanziger dazu verwendet werden, das Thema Depression in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren.
play Hannovers Hanno Balitsch (l., hier im Duell gegen Franck Ribéry) wusste von Enkes Depressionen. (Keystone)