Schwuler Schiri suspendiert!

  • Publiziert: 19.06.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Raphael Fiore

Sind schwule Männer krank? Ja, findet der türkische Fussballverband. Nachdem Schiri Dincdag sich als Schwuler outet, wird er sofort gefeuert!

Eine unglaubliche Geschichte, die zeigt, dass Schwule in der Türkei kaum Rechte haben. Auch in anderen Ländern ist es zwar immer noch problematisch, sich beim Macho-Sport Fussball als Schwuler zu outen, aber eine sofortige Entlassung aus diesem Grund ist bis dato noch nicht vorgekommen.

Doch in der Türkei wirft der Fall von Schiedsrichter Halil Ibrahim Dincdag hohe Wellen. Der 33-Jährige wurde gefeuert, nachdem er sich outete. Der Schiri ist entsetzt: «Ich habe kein Verbrechen begangen. Ich habe nur erklärt, dass ich homosexuell bin.» Das reicht dem türkischen Fussballverband aber für eine sofortige Entlassung!

Die Begründung: Entzug der Lizenz wegen mangelnder Fitness. Ausserdem gelten in der Türkei homosexuelle Männer als krank (!) und dürfen keinen Militärdienst leisten (das galt im Übrigen auch lange in der Schweiz). Der Militärdienst ist in der Türkei jedoch Pflicht, damit man überhaupt als Schiedsrichter arbeiten darf. Somit ist klar, Dincdag muss die Pfeife abgeben!

Nach einer Welle der Entrüstung rechtfertig sich Verbands-Vizepräsident Lufti gegenüber «Bild.de»: Er sei «nur ein zweitklassiger Schiedsrichter ohne Talent.»

Dincdag lässt sich diese Diskriminierung nicht gefallen und will weiter pfeifen: «Mein Leben ist zur Hölle geworden. Wenn es nötig ist, werde ich bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.»

Der tragische Fall in England

In England bekannte sich Justin Fashanu als erster Fussballprofi 1990 zu seiner Homosexualität. Für das öffentliche Outing erhielt der Engländer mit nigerianischen Wurzeln 200000 Franken. Doch das Geld machte das grosse Talent nicht glücklich. Im Gegenteil: Fashanu wurde in einer medialen Hetzkampagne richtiggehend fertiggemacht und erhielt unzählige Morddrohungen. Fashanu flüchtete in die USA und wurde Jugendtrainer. Am 25. März 1998 beschuldigte ihn ein 17-Jähriger, ihn im betrunkenen Zustand vergewaltigt zu haben. Fashanu wurde verhört, nicht in Gewahrsam genommen, jedoch von der Presse vorverurteilt. Am Ende der zweiten beispiellosen Hetzjagd erhängte sich der Fussballer als 37-Jähriger in einer Garage. (Quelle: Wikipedia)