Fabio Coltorti zum Saison-Start in Spanien «Hitzfeld kann mich jederzeit anrufen»

  • Publiziert: 27.08.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Dominik Steinmann

SANTANDER (SP) - Am Wochenende beginnt als letzte der europäischen Ligen auch im Land des Weltmeisters Spanien die neue Saison. Blick.ch sprach mit Racing-Santander-Goalie Fabio Coltorti (29).

Fabio Coltorti, wurmt es Sie noch, dass Sie nicht an die WM gefahren sind?
Nein. Ich habe mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter fast zwei Monate Ferien verbracht und in Südspanien ein paradiesisches Haus gekauft. Meine Fitnesswerte sind aber besser denn je.

Ottmar Hitzfeld hat gesagt, sie seien zu gut, um als Nummer 3 nach Südafrika zu reisen. Waren Sie mit ihm einverstanden?
Ach, einerseits ist das natürlich ein Kompliment, andererseits war ich natürlich sehr enttäuscht, nicht dabei zu sein. Aber ich habe in Spanien etwas gelernt: Der Chef ist der Trainer. Es bringt nichts, die beleidigte Leberwurst zu spielen. In Santander hatte ich in drei Jahren unter vier Trainern kein einziges Einzelgespräch.

Ist die Schweizer Nati für Sie noch ein Thema?
Ich bin im besten Alter und zähle mich zu den besten Schweizer Goalies. Wenn Hitzfeld will, kann er mich jederzeit anrufen. Die Nati war immer eine grosse Ehre für mich.

Sie standen diesen Sommer vor einem Wechsel zum HSV, Transferschluss ist am 31. August. Wollen Sie weg aus Spanien?
Ich bin für alles offen. Deutschland, Italien oder England würden mich sehr reizen. Das Interesse aus Hamburg war konkret, aber sie haben den ablösefreien Drobny geholt. Einen Wechsel zu einem Top-Team hätte ich eigentlich verdient. Doch zu 99 Prozent bleibe ich. Ich habe mich in meine spanische Frau und das Land verliebt. Zudem habe ich noch ein Jahr Vertrag und profitiere noch vom Beckham-Gesetz (siehe Box rechts).

Sie sind der einzige Schweizer in der Primera Division. Macht Sie das stolz?
Mehr die Tatsache, dass ich letzte Saison auf 28 Einsätze kam und mich Fanklubs zum besten Spieler der Saison gewählt haben. Ich spüre von vielen Seiten Respekt, aber die Voraussetzungen waren hier wirklich sehr hart. Ich habe mich durchgesetzt.

Hat der Sieg der Schweiz gegen Spanien an der WM etwas an unserem Stellenwert geändert?
Überhaupt nicht. Kein Spanier weiss heute noch, wer das Tor zum 1:0 geschossen hat. Ich habe mich daran gewöhnt, dass mich die Leute fragen: «Du bist Schweizer, kommst du aus Stockholm

Stehen Sie am Sonntag zum Liga-Start gegen Barcelona im Tor?
Ich weiss es nicht. Ich war die gesamte Rückrunde die Nummer 1, die letzten beiden Spiele sass ich plötzlich wieder auf der Bank. Trainer Portugal hat kein Wort zu mir gesagt. Hier weisst du erst am Spieltag, ob du eingesetzt wirst.

Gegen Messi und Co. kassierten Sie im Winter vier Buden, jetzt spielt auch noch Villa bei Barça. Haben Sie ein Gegenmittel?
Nun, das war auswärts und ich zeigte dennoch etliche Paraden. Aber die haben ja im Schnitt 15 Chancen pro Spiel. Ich gehe jetzt gleich ins Training, vielleicht lerne ich ja noch, wie man Barça stoppt (lacht).

Jungstar Sergio Canales ist von Racing zu Real gegangen. Ist er der zukünftige Super-Star, als der er gilt?
Canales hat eine Gabe, die man nicht lernen kann: Kreativität. Er ist in Madrid schon der neue Teenie-Schwarm, mal schauen, wie er damit klar kommt.

Schätzen Sie Barça stärker ein als Mourinhos Real?
Ganz klar ja. Die Katalanen sind einfach eingespielt und haben eine klare Philosophie: das Tiki-Taka.

Verfolgen Sie als Ex-Hopper und ehemaliger Thuner auch die Super League?
Ich halte mich via Blick.ch auf dem neusten Stand. Der Höhenflug von Thun erinnert mich stark an meine Zeit, als wir einen ähnlichen Lauf hatten. Besonders Murat Yakin als jungem Trainer gönne ich den Erfolg.

Die 1. Runde in Spanien

Samstag, 28. August:
Alicante – Athletic Bilbao
Malaga – Valencia
Levante – Sevilla
Sonntag, 29. August:
Espanyol – Getafe
La Coruña – Saragossa
Osasuna – Almeria
Real Sociedad – Villarreal
Santander – Barcelona
Mallorca – Real Madrid
Montag, 30. August:
Atletico Madrid – Gijon

Das Beckham-Gesetz

Die spanische Regierung hat dieses Jahr das sogenannte Beckham-Gesetz aus dem Jahr 2004 ausser Kraft gesetzt. Ausländische Spieler, die im Zeitraum von 2004 bis 2010 einen Vertrag bei einem spanischen Verein abgeschlossen haben, müssen nur 24 Prozent des Brutto-Lohns versteuern. Dies entspricht dem niedrigsten Steuersatz.

Nach den neuen Bestimmungen wendet der Fiskus bei neuverpflichteten Söldnern, welche mehr als 600 000 Euro pro Jahr verdienen, den maximalen Steuersatz an, was 43 Prozent des Gehalts gleichkommt. Damit entfällt vor allem für die Top-Klubs Real und Barça gegenüber Vereinen aus z.B. der Premier League ein erheblicher Wettbewerbsvorteil im Kampf um Super-Stars.

David Beckham war der erste Mega-Star, der in den Genuss des Steuer-
Geschenkes kam, Cristiano Ronaldo und Kaka profitieren ebenfalls noch vom alten Gesetz, weil ihre Transfers 2009 erfolgten. (ds)