Obama will WM und schreibt Blatter

  • Publiziert: 16.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH - Grosse Ehre für Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der mächtigste Mann im Fussball erhielt Post vom mächtigsten Mann der Welt, US-Präsident Barack Obama, der eine WM in sein Land holen will.

Dicke Post für Sepp Blatter. Kein Geringerer als US-Präsident Barack Obama meldete sich via Briefpost beim Fussball-Oberhaupt.

Obama sucht in Blatter nicht etwa einen Brieffreund. Nein, das Schreiben an den Fifa-Präsidenten war höchst offiziell. Obama wirbt im Brief für die Austragung der Fussball-WM 2018 oder 2022.

«Da die WM freundschaftlichen Wettbewerb auf der ganzen Welt fördere», wolle die USA die Welt zu sich einladen, um die «gemeinsamen Hoffnungen und Träume zu feiern», schreibt der mächtigste Mann der Welt.

Auch Obama weiss mit dem Ball umzugehen

Ausserdem verweist er auf seinen persönlichen Bezug zum runden Leder. Als Kind habe er in Jakarta auf einer Schotterstrasse Fussball gespielt, so Obama, «und das Spiel hat die Kinder der Nachbarschaft zusammengebracht.»

Ob Obamas Bewerbungsschreiben bei Blatter Früchte trägt, entscheidet sich im Dezember 2010. Dann entscheidet die Fifa über die Austragungs-Nationen der beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

Für 2018 geht die USA als Aussenseiter ins Rennen. England oder Spanien/Portugal gelten als Favorit. Für 2022 werden den USA hingegen gute Chancen eingeräumt. (Si/sme)

Fussball in den USA

Soccer (so wird Fussball in den USA genannt) hat in Amerika einen schweren Stand. Bei den sportbegeisterten Amerikanern sind Baseball, Football und Basketball die Favoriten. Obwohl der Fussball-Verband bereits 1862 gegründet wurde, hatte der Sport bis in die Neunzigerjahre kaum Anhänger. Das begann sich 1994 zu ändern. In dem Jahr richtete die USA bereits die Weltmeisterschaft aus – mit durchschlagendem Erfolg. Die WM war ein Fest, und der Fussball-Boom hatte auch die Amerikaner erfasst. Im Jahre 1996 erfolgte die Gründung der Major League Soccer (auf Druck der Fifa). Bis 2004 musste die Liga zwar noch erhebliche Verluste hinnehmen (350 Millionen US-Dollar), doch die Liga überlebte. Dies war beinahe ein Wunder: Denn bereits Pelé und Franz Beckenbauer sollten bei New York Cosmos die Amerikaner für Fussball begeistern, was nur kurzfristig gelang. Beim zweiten grossen Versuch hat es trotz der finanziellen Verluste bis heute funktioniert, und der Zuschauerdurchschnitt stieg seit 2004 kontinuierlich. 2008 besuchten durchschnittlich gut 16000 Zuschauer die Spiele der MLS. Begünstigt wird dieser Aufschwung durch die Erfolge der Nationalmannschaft (Viertelfinale WM 2002) und die sehr starke Frauennationalmannschaft (Weltmeister 1991, 1999; Olympia-Gold 1996). Ausserdem präsentiert die Liga mittlerweile Top-Stars wie David Beckham (LA Galaxy) oder Freddie Ljungberg (Seattle Sounders FC). Mit Alain Sutter und Raphael Wicky wagten auch schon zwei Schweizer den Sprung über den grossen Teich.

Das war die Fussball-WM 1994

Eine gewichtige Rolle an der Fussball-WM spielte die Schweiz. Die Nati eröffnete das Turnier gegen den Gastgeber (1:1) – unvergessen dabei Georges Bregys sensationeller Freistoss-Treffer. Der Match fand im Detroiter Silverdome statt, erstmals wurde ein WM-Spiel in einem voll überdachten Stadion ausgetragen. Die Schweiz qualifizierte sich dank eines grandiosen 4:1-Erfolgs über Rumänien für den Achtelfinal, wo Spanien Endstation bedeutete (0:3).

Die WM war aber auch von vielen anderen Geschichten geprägt. Diego Maradona etwa sorgte für Aufregung. Er wurde positiv auf Drogen getestet und vom Turnier ausgeschlossen.

Eine Tragödie ereignete sich nach der WM in Kolumbien. Der frühere YB-Verteidiger Andrés Escobar hatte mit einem Eigentor gegen die USA das Ausscheiden seiner Mannschaft mitverschuldet. Wenige Tage später wurde er beim Verlassen einer Bar in Medellin erschossen – vermutlich wegen dieses Eigentors.

Historisch war auch das Finale, das erstmals an einer WM im Elfmeterschiessen entschieden wurde. Nach 120 torlosen Minuten sicherte sich Brasilien den Sieg gegen Italien mit 3:2. Roberto Baggio verschoss den letzten Elfmeter für die Italiener. (sme)