Nedved: «Milan wird es schwer haben»

  • Publiziert: 21.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Interview von Sébastian Lavoyer

Milan kann in Madrid kaum gewinnen. Pavel Nedved (37) sagt, warum.

BLICK: Pavel Nedved, wurde Ihnen während ihrer langen Karriere nie Doping angeboten?

Nedved: Das ist nie passiert. Die Leute sprechen zwar viel über Doping, wenn es um Fussball geht. Ich bin aber der Meinung, dass es im Fussball grössere Probleme gibt. Ich wurde hunderte von Malen Anti-Doping-Kontrollen unterzogen. Zudem bin ich der Überzeugung, dass es weder Doping noch Medikamente braucht, um es im Sport an die Spitze zu schaffen.

Speziell wenn man so fit ist, wie sie.

Ich wurde nicht als Spitzen-Athlet geboren. Das habe ich mir hart erarbeitet, ich habe meinen Körper geformt, zu dem gemacht, was er ist.

Liegt es daran, dass sie während ihrer langen Karriere keine einzige Muskelverletzung erlitten?

Ja, das liegt an der physischen Verfassung, an der Qualität des Trainings und der individuellen Vorbereitung. Insbesondere der Tag vor dem Spiel ist zentral. Es ist wichtig, dann noch einmal gut zu trainieren. Zudem habe ich mindestens eine halbe Stunde vor dem Spiel begonnen, mich warmzulaufen. Das ist fundamental.

Wie wichtig ist der Lebensstil?

Für einen Profi ist der absolut zentral. Natürlich sagt fast jeder Fussballer, dass er sich professionell verhält – aber letztlich gibt es sehr wenige, die wirklich wissen, was es bedeutet. Was heisst also professionelles Verhalten, wie ich es verstehe? Man geht auf den Fussballplatz, dann nach Hause zur Familie und das ist es.

Cristiano Ronaldo hat sich innert kürzester Zeit zwei Mal verletzt. Liegt das an seinem Lebensstil?

Cristiano Ronaldo ist ein Phänomen, ein Meister des Fussballs. Er hat dem Fussball sehr viel gegeben. Aber ich bin überzeugt, dass er mehr hätte erreichen könnte. Doch eigentlich möchte ich mich nicht in seine privaten Angelegenheiten einmischen.

Wenn Sie heute ein junger Spieler wären. Würde es sie reizen, Teil des Real Madrid Projektes zu sein?

Ich habe immer klein angefangen. Und das Projekt von Florentino Perez ist gigantisch. Da steckt sehr viel Geld drin. Ich bin jedoch der Meinung, dass man nicht so viel Geld investieren muss, um Fussballspiele zu gewinnen.

Sie haben also das Gefühl, dass Geld zu wichtig geworden ist im Fussball?

Mir würde es gefallen, wenn wir das Rad der Zeit zurückdrehen könnten. Zu den Zeiten Platinis oder sogar noch ein bisschen weiter zurück. Das war der wahre Fussball. Diesen Fussball habe ich immer geliebt. Die für heutige Verhältnisse befremdlichen Bälle – das war schön, ja.

Was wird Milan gegen Real ausrichten können?

Milan ist schlecht in die Saison gestartet, aber sie haben so viele Champions im Team, dass sie es zurück an die Spitze schaffen werden. Die Saison dauert noch lange. Real dagegen ist trotz der Niederlage gegen Sevilla sehr stark in die Saison gestartet, hat ein sehr starkes Team. Es dürfte also schwierig werden für Milan, gerade weil sie auswärts ran müssen.

Haben Sie das Gefühl, dass Leonardo der richtige Mann ist?

Ja, genauso wie Ferrara (Trainer von Juventus Turin). Auch wenn es für sie als junge Trainer sehr schwierig ist, mit so starken Teams anzufangen. Es würde vielleicht Sinn machen, in einer tieferen Liga zu starten und dann erst zu einer so grossen Mannschaft zu stossen. Sie sind zuoberst eingestiegen. Wo können sie noch hinkommen? Was können sie noch erreichen?

Sie können nur fallen.

Genau. Sie stehen unter enormem Druck, da ist es äusserst schwierig zu bestehen.

Möchten Sie selbst gerne Trainer werden?

Ja, aber ich möchte nicht Erwachsene trainieren. Viel lieber würde ich mit Kindern arbeiten, das würde mir wesentlich mehr geben. Aber jetzt bin ich noch am Ausspannen. Es noch nicht lange her, dass ich aufgehört habe.

Das haben Sie gemacht, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Geniessen Sie es?

Ja, sehr. Ich habe ein Leben als Profi-Fussballer geführt und das für viele Jahre. Nun wollte ich mehr Zeit haben für meine Kinder, meine Frau, die für zwanzig Jahre toleriert hat, dass ich nur Fussball im Kopf hatte. Ich habe eine schöne Karriere gehabt. Jetzt ist es an der Zeit, neue Ziele zu finden.

Mitarbeit: Enrico de Angelis