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Die schrecklichen Bilder aus Angola erschüttern die ganze (Fussball-)Welt. Spieler weinen, schreien, liegen sich in den Armen. Andere bluten, werden medizinisch versorgt, abtransportiert. Togos Coach Hubert Velud sagt: «Das war Krieg!»
Beim Anschlag von angolanischen Rebellen auf Togos Teamcar sterben Assistenztrainer Abolo Amelete, Pressesprecher Stanislas Ocloo sowie der Fahrer eines Gepäckbusses. Auch mehrere Spieler werden im Kugelhagel verletzt.
Thomas Dossevi vom französischen Erstligisten Nantes schildert den Vorfall, der sich an der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Exklave Cabinda zutrug: «Wir wurden beschossen wie Hunde. Die Angreifer waren bis an die Zähne bewaffnet. Wir versteckten uns 20 Minuten lang unter den Sitzen. Es war schrecklich.»
Obilale und Akakpo noch im Spital
Seine Teamkollegen Kodjovi Obilale (Pontivy/Frankreich) und Serge Akakpo (Vaslui/Rumänien) liegen noch im Spital. Der Zustand von Obilales soll sehr kritisch sein. Die beiden bekannstesten Spieler Emmanuel Adebayor von Manchester City und Assimiou Touré, Mitspieler von Derdiyok und Barnetta in Leverkusen, blieben dagegen unverletzt.
Adebayor wird mit seinem Team nicht am Afrika-Cup, der heute wie geplant startet, spielen. Der Captain unseres WM-Gegners von 2006 reiste schon gestern nach England ab: «Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Wir haben gesehen, wie ein Mitspieler mit einer Kugel im Körper schrie, dann bewusstlos wurde und das alles. Ich glaube, dass viele Spieler nach Hause wollen. Ich bin froh, dass ich noch lebe.»
Goalie Kossi Agassa (Istres/Frankreich): «Kein Spieler ist bereit anzutreten. Wir sind für ein Fussball-Fest gekommen, aber jetzt ist es, als würde man in den Krieg ziehen.»
Fussball-Welt steht unter Schock
Die WM-Generalprobe auf dem schwarzen Kontinent ist schon vor dem ersten Anpfiff versaut. Togo-Trainer Velud, der selbst von einer Kugel am Arm getroffen wurde, forderte sogar, das komplette Turnier abzusagen: «Die Organisatoren scheinen das nicht ernst zu nehmen. Es ist ein Akt der Barbarei, während wir hier eigentlich den afrikanischen Fussball feiern wollten.»
Die togolesischen Spieler wollen die anderen Teams zu einem Turnier-Boykott überreden, der Verband CAF schliesst eine Absage aus. Der Veranstalter hatte den Anschlag noch am Freitagabend falsch eingeschätzt und in einer Mitteilung von einem «Reifenplatzer» geschrieben, der die Togo-Kicker verängstigt habe. Heute soll der Cup mit der Partie Angola gegen Mali eröffnet werden.
Statt Beileidsbekundungen gibt es von Seiten des Organisationskomitees sogar schwere Vorwürfe gegen die togolesische Delegation: «Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiss nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun. In der Stadt hätte es diesen Vorfall nie gegeben», sagt ein Mitglied des Komitees. «Wir wussten nicht, dass Togo mit dem Bus anreisen würde.»
Sorgen um Sicherheit auch bei der WM?
Was bedeutet der Terroranschlag für die WM, die am 11. Juni in Südafrika beginnt? Müssen sich Spieler, Fans und Touristen jetzt auch Sorgen um die Sicherheit machen? Ottmar Hitzfeld warnt jedenfalls davor, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. SonntagsBlick erreicht den Nationaltrainer in seiner Ferienwohnung in Engelberg.
Hitzfeld geschockt: «Ich habe das Ganze gelesen. Wir werden das sicher untersuchen. Auch die Fifa wird die Sache verfolgen. Die haben Erfahrung mit solchen Dingen und werden die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Der Afrika-Cup ist für die Afrikaner aber viel emotionaler als die WM im Sommer. Beim Afrika-Cup sind sie viel fanatischer. Aber man sollte diese Vorfälle sicher nicht verharmlosen.»
Sepp Blatter fordert sofort einen ausführlichen Bericht und spricht den Angehörigen seine «allerhöchste Anteilnahme» aus. Der Fifa-Präsident: «Es ist ein Schlag gegen den Fussball. Es ist das erste Mal in meiner Amtszeit, dass eine Mannschaft bewusst angegriffen wird. Das schmerzt und zeigt, dass wir gewarnt sein müssen: Es gibt nirgendwo die totale Sicherheit.» l