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Völlig unvorbereitet wie alle trifft mich diese Nachricht.Für eine Sekunde denke ich, es sei ein schlechter Witz, doch dann wird mir schnell klar: Über so etwas macht niemand Witze.
Sofort kommen Erinnerungen hoch. An die Zeit, in der Enke seine Tochter Lara verlor. An die Interviews, die ich davor und danach mit ihm führte. An die sehr persönlichen Gespräche im Trainingslager, an diverse Feiern. An sein Lachen, seine Paraden, seinen tollen Charakter. Und immer wieder die Frage nach dem Warum?
Die Frage nach dem Warum
Warum nimmt sich ein Mensch das Leben, der so lange, so oft gegen Widerstände, Verletzungen und Schicksalsschläge gekämpft hat? Gestern gab es erste (offizielle) Antworten: Robert war krank, geplagt von Depressionen. Ausser seiner Frau und seinem Vertrauensarzt wusste niemand davon.
Ich durfte Enke während meiner Zeit als Reporter der «BILD»-Zeitung in Hannover erleben. Im täglichen Training, in diversen Begegnungen auf und neben dem Platz.
Der Eindruck ist immer derselbe: Enke ist sensibel, charmant. Er ist Profi durch und durch. Nicht der typische Fussballer. Gebildet, eher zurückhaltend. Aber offen, auch wenn es um heikle Themen geht.
Ich gebe nicht auf!
Ich spreche mit Enke, als die schlimme Krankheit seiner Tochter bekannt wird. Er ist traurig, aber gefasst – so scheint es. Genau wie im Gespräch nach dem tragischen Tod der kleinen Lara. Enke lässt seine Gefühle erahnen, aber er zeigt sie nicht. Nur eines lässt er immer wieder durchblicken: Ich gebe nicht auf!
Enke ist ein Kämpfer, das habe ich zumindest bis Montag gedacht und bin mir eigentlich immer noch sicher. Selbstbewusst, aber kein Selbstdarsteller. Deshalb war er so beliebt bei Mitspielern, bei Fans, bei den Medien. Ich kenne wirklich keinen Menschen, der je über Enke gelästert hat. Und das kommt in dieser Branche nicht oft vor.
Enke hatte ein Herz für Tiere
Enke engagierte sich für den Tierschutz, nahm sieben Strassenhunde bei sich zu Hause auf. Er lebte auf einem alten Bauernhof, nicht in einer Villa. Er fuhr einen Geländewagen, keinen Sportflitzer. Er trug Wollpullis, keine Designer-Klamotten. Bodenständig war er, nie abgehoben.
Und er war stets freundlich, aber durchaus bestimmt. Er machte klar, wenn er zu einem Thema nichts sagen wollte. Zum Beispiel äusserte er sich nie, wenn andere ihn als Deutschlands Nummer 1 forderten. «Ich mache meinen Job. Alles andere kommt von alleine», sagte er in solchen Momenten.
Enke ging immer als letzter in die Kabine
Er wurde selten laut, war unwahrscheinlich geduldig. Ich habe stets bewundert, wie lange er sich nach dem Training Zeit nahm, um Kindern Autogramme zu geben. Ob bei Sonne, Regen oder Schnee, ob da zehn, zwanzig oder hundert Kinder standen, Enke ging fast immer als Letzter in die Kabine.
Ich sprach mit ihm am Pool im Trainingslager auf Teneriffa. Da hatte er sich gerade den Namen von Töchterchen Lara aufs Handgelenk tätowieren lassen – genau wie seine Frau. Enke sprach über die Gründe, wollte daraus aber keine grosse Sache machen. Typisch.
Ich dachte, dass ich Robert kenne. Natürlich nicht so gut wie seine Familie oder seine Freunde. Aber vielleicht besser, als viele andere. Seit Montag weiss ich: Ich kannte Robert Enke nicht. Aber ich bin mir trotzdem ganz sicher: Er war ein grossartiger Mensch.