DFB-Boss Zwanziger tritt gegen Journalisten nach

  • Publiziert: 20.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Sabine Klapper
play DFB-Boss Zwanziger ignoriert die Spielregeln (Reuters)

Theo Zwanziger, Boss des Deutschen Fussball-Bunds (DFB), führt Krieg gegen einen Journalisten - und damit gegen eine ganze Branche.

Die Geschichte handelt von zwei völlig unterschiedlichen Männern. Von Theo Zwanziger, DFB-Boss, einem Machtmenschen. Und dem Brandenburger Jens Weinreich, einem kritischen Geist, dem investigativen Sportjournalismus verpflichtet.

Weinreich hat Zwanziger als einen «unglaublichen Demagogen» bezeichnet – in Zeitungsberichten, auf Websites und in Blogs. Ein Begriff, der in der Politik üblich ist.

Zwanziger aber reagierte empfindlich, sah sich in die Nähe von Joseph Goebbels, dem Propagandaminister von Adolf Hitler, gerückt. In einem Interview mit «direkter-freistoss.de» drückte der DFB-Präsident auf die Tränendrüse: «Ich bin 1945 geboren und habe meinen Vater im Krieg verloren. Ich bitte um Verständnis, dass meine Empfindlichkeit, was die Nazi-Zeit angeht, grösser ist, als das vielleicht bei andern Leuten oder Jüngeren der Fall ist.»

Im gleichen Interview aber betont Zwanziger, dass ihm die «Kommunikationsherrschaft» im DFB wichtig sei. Er meint damit einen «sauberen» Auftritt nach aussen. Gesteht aber im selben Interview ein, dass das Wort «Kommunikationsherrschaft» falsch gewählt sei.

Zwanzigers Blutgrätsche

Der gelernte Jurist Zwanziger zog gegen Weinreich vor das Land- und Kammergericht – und verlor zweimal. Der DFB-Boss drohte ein weiteres Gerichtsverfahren in Koblenz an, hier war er einmal Richter. Doch es blieb bei einer Drohung. Am 14. November gab der Deutsche Fussball-Bund eine ungeheuerliche Pressemitteilung heraus, die in letzter Konsequenz die Existenz des ungeliebten Journalisten hätte zerstören können.

In dieser Mitteilung hiess es, Weinreich habe sich entschuldigt. Das war ein Lüge. In der Mitteilung stand überdies, dass die Grenzen der Meinungsfreiheit eindeutig überschritten worden seien, dass Weinreich eine Kampagne gegen Theo Zwanziger führe. Weinreich nannte den Text ein Lügengebilde.

Besonders infam war, dass der DFB die Mitteilung an Bundestagsabgeordnete und hochstehende Funktionäre mailte. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach forderte die Empfänger sogar auf, die Mitteilung «argumentativ» zu verwenden. Der Name Weinreich sollte offensichtlich verunglimpft werden. «Es geht um den Versuch, meine wirtschaftliche Existenz und meine Reputation als Journalist zu vernichten», so Weinreich.

So nicht Herr Zwanziger!

Der Deutsche Journalisten Verband und der Verband Deutscher Sportjournalisten verurteilten am Mittwoch das Vorgehen des DFB. Es gehe nicht an, dass Weinreich öffentlich so angeprangert werde. Es sei an der Zeit, die Schärfe aus der Auseinandersetzung heraus zu nehmen.» Und der europäische Journalistenverband (EFJ) spricht von einer unfairen Lügen-Kampagne gegen Weinreich. «Es ist ein schockierendes Beispiel für die Einschüchterung eines Journalisten, der Dinge von öffentlichem Interesse anspricht», so der Generalsekretär des internationales Verbandes Aidan White.

Es scheint, als habe Zwanziger, der im März 2009 in den Exekutivrat der Uefa gewählt werden will, ein «Riesen-Eigentor» geschossen hat, wie Weinreich gestern sagte. Es scheint, der Journalist hat gegen die Maschinerie DFB gewonnen. Ein unfassbarer Vorgang.