Xhaka träumt von England – aber nicht wegen der Kohle «Ich komme aus keiner geldgierigen Familie»

Granit Xhaka spricht im Interview über seine Platzverweise, einen Transfer in die Premier League und auf das Aufeinandertreffen der Schweiz gegen Albanien und seinen Bruder Taulant.

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Wenn Granit Xhaka auf dem Platz flucht, kommt niemand mit. 36 Buchstaben gibt es im albanischen Alphabet. Der Schweizer, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, beherrscht die Familiensprache. Das hat den Kapitän von Borussia Mönchengladbach aber nicht davor bewahrt, in der Hinrunde gleich dreimal des Feldes verwiesen zu werden. «Aber ich ändere meine Spielweise nicht», sagt Xhaka im Interview mit Funke Sport in Essen. Heute bei Borussias Bundesliga-Treffen mit Werder Bremen muss er letztmalig seine Sperre aus dem Darmstadt-Spiel absitzen. Beim Hamburger SV am 14. Februar ist der 23-jährige Schweiz-Albaner im defensiven Mittelfeld wieder dabei.

Herr Xhaka, auf der Tribüne sitzen und tatenlos einem Spiel der eigenen Mannschaft zuschauen zu müssen, ...
Xhaka:
... ist ein Scheissgefühl. Das habe ich Trainer Andre Schubert auch schon mehrmals gesagt. Das Spiel gegen Bremen muss ich noch hinter mich bringen, dann darf ich wieder – wenn der Trainer mich aufstellt.

Der ehemalige Gladbach-Trainer Norbert Meier hat mal gesagt, man fühle sich unter Adrenalin auf dem Platz zehn Sekunden im Recht, wenn man sich eine Tätlichkeit leistet. Es würde aber höchstens weitere zehn Sekunden dauern, bis man merkt, dass man doch ein Idiot gewesen ist. Würden Sie das nach Ihrem Revanchetritt ins Hinterteil von Darmstadts Peter Niemeyer auch so sehen?
Idiot ist vielleicht das falsche Wort. Der Tritt war ein Reflex, eine Sache von Sekunden. Und eine falsche Entscheidung. Niemeyer hätte wegen des Fouls zuvor aber auch Rot sehen müssen. Dass er nur Gelb bekommen hat, ärgert mich.

Nach Ihrer dritten Roten Karte in der Hinrunde gab es auch eine Menge Kritik. Können Sie versprechen, ohne Platzverweis durch die restlichen Saisonpartien zu kommen?
Es gab keine Kritik mir gegenüber. Ich kritisiere mich nur selber. Die Gelb-Rote Karte in Bremen war unglücklich, die gegen Ingolstadt kann man geben, die gegen Darmstadt muss man geben.

Wars das mit Platzverweisen in dieser Spielzeit?
Verspreche werde ich nur meiner Familie etwas, aber nichts öffentlich. Und ich ändere auch nicht meine Spielweise. Die baut auf Emotionen und Energie auf. Das muss so sein. Für den Verein muss man immer an seine Grenzen gehen. Als Profifussballer kann man nicht ohne Emotionen spielen. Wer das behauptet, der lügt. Und ein klares Ziel, auf das man hinarbeitet, muss man auch immer haben.

Das lautet?
Nächste Saison wieder in Europa mitzumischen. Wir spielen auf hohem Niveau, brauchen uns in der Bundesliga vor niemandem zu verstecken. Borussia hat die Qualität für Europa, muss aber auch die Mentalität haben, sich hohe Ziele zu stecken.

Sportdirektor Max Eberl spricht immer «nur» vom einstelligen Tabellenplatz.
Das ist kein Fehler. Ich würde jetzt auch nicht Platz eins oder zwei als Ziel ausgeben. Ziele müssen realisierbar sein, sollten aber dennoch hoch gewählt werden. Mit Platz Neun gebe ich mich jedenfalls nicht zufrieden.

Ihr Ziel ist es auch, irgendwann einmal in England zu spielen. Nervt die mediale Diskussion um mögliche Angebote aus der Premier League, die nahezu einmal pro Woche losgetreten wird, obwohl Sie ja bis Sommer 2019 in Gladbach unter Vertrag stehen?
Nein, das ist für mich eine Motivation, weil es meine Leistung auszeichnet. England ist mein Traum. Den verstecke ich auch nicht. Ob er erfüllt wird, weiss derzeit nur der liebe Gott.

Verdrehen einem die unvorstellbaren Summen, die in der Premier League bereits gezahlt werden, nicht den Kopf?
Nein, für mich spielt Geld keine grosse Rolle. Sonst wäre ich 2012 von Basel nicht nach Mönchengladbach gewechselt. Es geht um eine grosse Herausforderung für mich als Fussballer.

Ein Wechsel, sagen wir mal nach Sunderland, Stoke oder Norwich, würden Sie also ausschliessen?
Ich will, wenn ich wechseln würde, einen sportlichen Schritt nach vorn machen. Würde ich in Sunderland unterschreiben, wüssten doch die Menschen, dass es nur ums Geld ginge. Und ich komme aus keiner geldgierigen Familie, sondern aus einer charakterfesten.

Geben Sie Ihr monatliches Honorar immer noch bei den Eltern zu Hause ab?
Ja, so bin ich erzogen worden. Ich bin ein Familienmensch. Es ist mir mit 19 Jahren unheimlich schwer gefallen, Familie und Freunde in der Schweiz zu lassen und nach Gladbach zu gehen. Zu Hause war schliesslich immer Jemand da für mich.

Sie hatten sogar eine Ausbildung zum Büroassistenten in der Schweiz angefangen, falls es im Profifussball schiefgeht.
Im Leben hat man nie eine Garantie. Ich habe früher mal gesagt, ich will nicht unter der Brücke schlafen. Der Satz gilt immer noch. Mit 16 hatte ich einen Kreuzbandriss im Knie. Da sah es eine zeitlang schlecht aus für mich, überhaupt Fussballprofi zu werden. Ein zweites Standbein für angehende Profisportler ist wichtig.

Als es in Gladbach anfangs nicht rund lief, war Ihr ein Jahr älterer Bruder Taulant, der mit dem FC Basel dreimal Schweizer Meister geworden ist, eine mentale Stütze.
Taulant kannte eine solche Situation aus Basel. Da sass er unter Trainer Thorsten Fink anfangs auch auf der Bank. Mein Bruder ist nicht nur Stütze, sondern auch mein Vorbild.

Wie schwer wird es werden, gegen ihn bei der Europameisterschaft anzutreten? Am 11. Juni spielt Ihre Schweiz in der Gruppenphase in Lens ja gegen Albanien, für das Taulant auflaufen wird.
Wer in ähnlicher Situation behauptet, das wäre kein spezielles Spiel, der lügt. 90 Minuten werden wir das Brüder-Sein professionell ausbleden. Der Bessere soll gewinnen.

Für wen werden Ihre Eltern halten?
Ganz einfach: Die eine Hand klatscht für die Schweiz, die andere für Albanien.

Publiziert am 05.02.2016 | Aktualisiert am 18.02.2016

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25 Kommentare
  • Thomas  Kuhndt 05.02.2016
    Wenn er aus keiner geldgeilen Familie kommt, warum erzählt er uns das denn da?
    • Felix A.  Eberwein , via Facebook 06.02.2016
      ....weil er gefragt wurde!
    • Thomas  Kuhndt 06.02.2016
      Hätten Sie mit Ja geantwortet, @Eberwein?
    • Thomas  Kuhndt 06.02.2016
      ...zudem: Wo wird er danach gefragt?
  • Fabian  Schlinger 05.02.2016
    Ich finde es lustig, wie alle über Fussballer und ihre Geldgier motzen. Wenn sie einen neuen Arbeitgeber finden, welcher 100.- monatlich zahlt, wechseln sie auch sofort, auch wenn der Arbeitsweg jetzt 200.- mehr kostet.
  • Markus  Meier aus Zürich
    05.02.2016
    Tja, als die Familie in die CH kam sah die Sache wohl noch etwas anders aus. Betreffend Verletzung hat Er jedoch Recht, wieviele Sportler finden Ihren Weg einfach nicht im Leben wenn mal der Traum des Fussball-Profis nicht mehr möglich ist, das gleiche gilt bei Skirennfahrern etc...Man spricht nur von den erfolgreichen, die anderen Personen sind nicht interessant, das wahre Leben eben!!!!
  • Mike  Müller aus Zürich
    05.02.2016
    Xhaka hält sich in Gladbach für unantastbar. Er sollte aufhören, seine Kartenflut weiterhin zu heroisieren und unverhohlen von der Premier League zu fabulieren. Das kommt bei den Fans und den deutschen Medien gar nicht gut an. Als Ausländer hat man von Deutschland und nur der BL zu schwärmen. Verliert Gladbach noch weitere Spiele, so wird der Trainer dem Druck nachgeben und einen Sündenböcke präsentieren. Er wird den Xhaka auf die Bank setzen, der Ende Saison ohnehin auf die Insel wechseln wird.
    • Mike  Müller aus Zürich
      05.02.2016
      ........ und das meint ausgerechnet der alles andere als «originelle #Lionel Werren» aus «Nirgendwo»......... ;-///////
    • Felix A.  Eberwein , via Facebook 06.02.2016
      @Mike Müller "Er wird den Xhaka auf die Bank setzen", - Klar wenn sie sich selbst schwächen wollen!
  • Concolor  Shalako 05.02.2016
    Fast alle Daumen gehen nach unten...Dabei liegt es doch auf der Hand, dass die erste Frage, nicht nur bei Fussballer,immer lautet...Was zahlt ihr?
    Alles andere ist Scheinheiligkeit und Verlogenheit.