Aufrüttelnde Rede gegen Rassismus Fussball-Trainer schlägt Alarm

Bundesliga-Trainer Christian Streich ist auf dem Platz ein brodelnder Vulkan, daneben ein besonnener Analytiker und besorgter Vater: «Ich habe grosse Angst.»

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Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 Bayern 16 38:9 39
2 RB Leipzig 16 31:15 36
3 Hertha BSC 16 24:16 30
4 Frankfurt 16 22:12 29
5 Hoffenheim 16 28:17 28
6 Dortmund 16 35:19 27
7 1. FC Köln 16 21:15 25
8 Freiburg 16 21:27 23
9 Leverkusen 16 23:24 21
10 Mainz 16 26:30 20
11 Schalke 16 20:19 18
12 Augsburg 16 13:17 18
13 Wolfsburg 16 15:24 16
14 Gladbach 16 15:25 16
15 Bremen 16 20:34 16
16 Hamburg 16 14:31 13
17 FC Ingolstadt 16 14:27 12
18 SV Darmstadt 98 16 11:30 8
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Christian Streich ist anders als die andern. Der 51-jährige Trainer vom SC Freiburg fällt auf: Wie er cholerisch leidet am Spielfeldrand. Wie er emotionsgeladen entlang der Linie rumpelstilzt. Wie er seine Spieler umarmt, herzt, auf den Kopf küsst. Wie er Spiele und Tabellenlage in purem südbadischen Dialekt analysiert. Das klingt dann beispielsweise so: «Am beschte: Machsch' de Fernseher aus, schausch' de Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch'! Übsch'!»

Streich, Sohn eines Metzgers, hat eine ungewöhnliche Karriere gemacht: Hauptschule, Lehre zum Industriekaufmann, Matur im zweiten Bildungsweg, Fussballprofi, dann Studium der Germanistik und Geschichte, jetzt Kult-Trainer. Einer, der gern motzt, selten lacht, das Glas eher halb leer als halb voll sieht, der sich mal nüchtern, mal ironisch, immer unverblümt gibt, ein Gerechtigkeitsfanatiker.

Und einer, der über den Spielfeldrand hinausblickt. So hat er sich für Kollege Roger Schmidt eingesetzt. Leverkusens Trainer hatte während des Spiels einen anderen Trainer vor Mikrofons und Kamera «Idiot» beschimpft. Zur Strafe kassierte Schmidt zwei Spielsperren und eine Busse. Die Reaktion von Streich: Wer Trainern in der Extremsituation während des Spiels, beobachtet von Kameras und abgehört von Richtmikrofonen, nicht mehr verbale Emotionen zugestehe, habe vom Sport Grundsätzliches nicht begriffen.

Streich hat sich kürzlich auch zum Thema Umgang mit dem Internet geäussert. Zu Facebook und Fussballern, die ohne Handy nicht mehr können und damit ein dringendes Problem angesprochen. Es gipfelte in der Forderung, dass der Umgang mit den Neuen Medien Schulfach werden müsse – «und zwar ab der Grundschule». Er wolle weiter in einer Demokratie leben und sich mit mündigen Bürgern unterhalten.

An der Pressekonferenz am Donnerstag äusserte er sich zum Mord an einer Freiburger Studentin, der mutmasslich von einem 17 Jahre alten Afghanen begangen wurde. «Die Generalverurteilung von Menschen gibt es solange, wie es Menschen gibt. Wir kennen das aus diesem Land sehr gut. Damals waren es die Juden. Und jetzt gibt es einen Bub, der was ganz Schlimmes gemacht hat, aus Afghanistan. Und jetzt sind es die Afghanen oder Ausländer. Ich habe nicht gedacht, dass es innerhalb so kurzer Zeit da hinkommt, wo es ist.»

Wenn er höre, was Leute heute alles ungestraft sagen dürfen - und dafür noch ein Nicken ernten: «Diese Leute wären vor einigen Jahren gesellschaftlich degradiert gewesen.» Er habe grosse Angst, wenn er diese gesellschaftliche Entwicklung betrachte. «Ich habe meine Kinder. Ich habe besonders Angst um die.» Wer sich dem jetzt nicht widersetzte, der trage eine Mitverantwortung, wenn es in die falsche Richtung gehe.

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 10.12.2016

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11 Kommentare
  • Mad  Piccard 10.12.2016
    Sogenannter Fremdenhass.. entsteht nicht einfach so... sondern ist das Resultat von jahrzehtelanger völlig verfehlter Zuwanderungs- und Asylploitik. Es sind die Merkels und Sommarugas, welche durch ihre selbstherrliche Politik völlig an Volkswillen vorbei politisieren und die Tolleranz der Bürger seit Jahre überstrapaziert haben. Diese Politiker sind es die fatal und naive und initial verantwortlich sind für die Fremdenfeindlichkeit!
  • Wolfgang  Gallin aus Berlin
    10.12.2016
    anders als in der ch wurde den medien verboten, die nationale herkunft des kriminellen zu nennen. der täter ist z.b. immer ein berliner, obwohl er erst zwei tage hier ist. wäre d ein rechtsstaat, würde es folglich wie in der ch gehandhabt werden. nur zur information, herr neidhart.
    • Marcel  Stierli aus Mérida, México
      11.12.2016
      Deutschland hat ein Verfassungsgericht, und die Schweiz? Soviel zum Rechtsstaat Herr Gallin
  • Andi  Herzog aus Basel
    10.12.2016
    Streich ist ein positiver "Spinner". Die Hauptchuld fürdie Angst tragen die Politiker. Insbesondere Frau Merkel. 90 Prozent sind gegen ihre Flüchtlingspolitik...Dazu haben die Politiker ihre Arbeit schlicht nicht getan!Die ganze Flüchtlingswelle war vorhersehbar und nicht von heute auf morgen. Die CH das die MEI nicht umsetzen, da sie sonst Bilaterale Vertäge bricht....was machen dann die EU Mitglieder zur Zeit....Dublin,- Schengenabkommen etc...werden gebrochen!!!
  • R.  H. 10.12.2016
    wenn er mit seiner Mannschaft in einem gegnerischen Stadion steht, darf er ja nicht erwarten, dass diese fans ihm und seinen leuten zujubeln werden. sind diese fans deshalb alle "fremdenfeindlich"? nach der Logik dieses Trainers dann wohl schon. vielleicht könnte man den begriff ausländerfeindlich durch innländerfreundlich austauschen. wäre mal ein anderer Ansatz.
  • reto  schweizer 10.12.2016
    Finde ich super das Streich den Mut hat gegen Rassismus einzustehen.
    Es ist beängstigend dass man mit Parolen gegen Ausländer und viel Geld sogar schon amerikanischer President werden kann.