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Wie lange Uli Hoeness dem Verlieren noch zusehen will ist fraglich. (Keystone)
Wenn sich Bayern-Manager Uli Hoeness ärgert, bekommt er einen knallroten Kopf. Mindestens so rot wie das FCB-Trikot. Oft haut er dann mächtig auf die Pauke, keiner ist mehr sicher vor seiner Kritik. Wenn Hoeness gar nichts mehr sagt, wird es gefährlich – vor allem für seinen wichtigsten Angestellten. Das ahnt, nein, das weiss Jürgen Klinsmann (44). Und wenn sich auch noch Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge ein Interview-Verbot bis zum nächsten Bundesliga-Spiel am Sonntag in Bremen auferlegt hat, dann läuten die Alarmglocken.
Auf dem Weg zum Champions- League-Achtelfinal bei Sporting Lissabon (heute, 20.45 Uhr) liess sich Klinsi nichts anmerken. Er verteilte am Münchner Flughafen freundlich Autogramme und diktierte den Reportern die üblichen Floskeln auf die Blöcke: «Wir müssen kratzen und beissen.»
Bayern muss wieder auf die beine kommen
Dass mehr als das notwendig sein wird, damit wieder Ruhe einkehrt, ist allen klar. Denn das Programm des FCB in den nächsten Wochen hat es in sich: sieben Spiele in 21 Tagen, darunter die Achtelfinalspiele in der Königsklasse und der Pokal-Viertelfinal nächsten Mittwoch in Leverkusen. Dazwischen muss Bayern in der Liga wieder auf die Beine kommen. Denn nach dem 1:2 gegen Aufsteiger Köln dümpelt der FCB nur noch auf Platz 4. Zu allem Überfluss flimmerte genau diese Pleite gestern auch noch im Lufthansa-Flieger über die Bildschirme.
An der Säbener Strasse brennt der Baum. Die Fans pfeifen ihre Profis aus, die Spieler entfachen eine Taktik-Diskussion. Für viele ist Klinsis Ausrichtung zu offensiv – sogar Stürmer Miroslav Klose warnt davor: «In Lissabon nach vorne zu rennen. Das wäre falsch.»
30 Gegentore hat der FCB nach 21 Spielen auf dem Konto. Unter Ottmar Hitzfeld waren es letzte Saison 21 – nach 34 Spieltagen. In der gesamten Saison, die mit dem Double-Gewinn endete, kassierte Bayern nur zwei Pleiten. Allein 2009 gab es jetzt schon drei in vier Partien! Nach 21 Runden hatte Hitzfeld sechs Punkte mehr auf dem Konto. Damit wäre Klinsi heute souverän Leader.
Viele Patzer darf es nicht mehr geben
Kein Wunder, dass sich der Boulevard auf den ohnehin ungeliebten Klinsmann einschiesst und «Klinsis K.o.-Kalender» und «Wackel-Klinsi» titelt. Die üblichen Kritiker wie Udo Lattek oder Stefan Effenberg erteilen Ratschläge. Hitzfeld hingegen sagte zu BLICK: «Kein Kommentar zu Bayern.» Dafür warnt Kaiser Franz Beckenbauer: «Klinsmann ist auf einem guten Weg, aber er braucht auch gute Ergebnisse.»
Wie oft Klinsi wirklich noch verlieren darf, ist schwer zu sagen. Klar ist: Viele Patzer darf er sich nicht mehr erlauben. Auch wenn Rummenigge erst «im Sommer ein Zeugnis erteilen» will. Im Winter sagte er noch: «Wir wollten mit Klinsmann eine neue Zeitrechnung einläuten. Das ist uns gelungen.» In der Tat krempelte Klinsi, der mit der deutschen Nationalelf ein Sommermärchen schaffte und sie bei der WM im eigenen Land auf Platz 3 führte, beim FCB so ziemlich alles um.
Er brachte aus den USA Trainingsmethoden mit, die selbst Weltstars wie Luca Toni oder Franck Ribéry noch nie gesehen hatten. Er füllte seinen Trainerstab mit Experten aus sämtlichen Bereichen auf. Er liess ein feudales Trainingszentrum inklusive Dachterasse, Kino, Chillout-Lounge und Buddha-Figuren bauen. Doch Klinsis Wohlfühl-Oase bröckelt. Längst gibt es laute Kritik aus der Mannschaft. Am Training, das zu sehr auf Fitness ausgerichtet sei, am diktatorischen Führungsstil, an seinen einseitigen Ansprachen.
Super-Talente wie Marcell Jansen (mittlerweile beim HSV) oder Lukas Podolski (wechselt im Sommer nach Köln) brachte Klinsmann nicht voran. Ob der Rest des Kaders, das erstmals komplett zum Champions-League-Match mitflog, noch hinter Klinsi steht, wird sich zeigen. Heute in Lissabon und in den entscheidenden nächsten Wochen.