Was hat Klinsmann mit dem DSF-Phrasenschwein gemein?

  • Publiziert: 28.05.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Raphael Fiore

MÜNCHEN – Günther Jauch nennt Jürgen Klinsmann den «Obama des deutschen Fussballs», Bayern-Manager Hoeness sagte dazu: «Ist er Obama, bin ich Mutter Teresa.» Für viele ist Klinsi aber wegen seiner zahlreichen Fehler das «Phrasenschwein».

Jeder Bundesligafan kennt es – das Phrasenschwein. In der Sendung «Doppelpass» des Deutschen Sportfernsehens (DSF) wird es von den Studiogästen bei jeder Phrasendrescherei mit 3 Euro gefüttert. Stammgast Udo Lattek hat das putzige Tierchen beinahe schon überfüttert, Jürgen Klinsmann hätte das knuffige Tier zum Platzen gebracht.

Denn seine Fehlerliste ist lang (siehe Extrakasten). Trotzdem hat der Göppinger bis zuletzt sein Dauergrinsen nicht abgesetzt – lediglich beim Rauswurf am 27. April 2009 verschlug es Klinsmann kurz die Sprache. 23 Tage später sprach Klinsmann in «stern tv» mit Günther Jauch erstmals über die vorzeitige Vertragsauflösung. Hier kritisierte er den Verein, die Spieler und Kritiker. Der geneigte Zuschauer merkte trotz dem fröhlichen Auftreten von Klinsmann, dass seine Entlassung noch an ihm nagt und dass sich der Deutsche hoffnungslos überschätzt.

Man nannte ihn «Hi, Hi»

Wegen seines fröhlichen Gemüts bekam Jürgen Klinsmann von seinen Spielern einen spöttischen Spitznamen verpasst. Laut «SportBild» nannten ihn Toni und Co. wegen des Dauerlächelns und seiner stets gleichen Grussfloskel nur noch «Hi, Hi» – alles andere als ein respektvoller Übername. Viel passender wäre aber wohl – besonders auch nach den neuerlichen Ausreden bei Günther Jauch – «Phrasenschwein» gewesen.

<b>Klinsmanns Fehler über Fehler</b>

Bereits im Juni 2008 leistete sich Klinsmann den ersten Bock. Er wollte die Spieler zu Bücherwürmern umfunktionieren. Doch die riesige Spieler-Bibliothek wurde kaum genutzt, Ribéry besuchte die Bildungsstätte höchstens, um ein Nickerchen abzuhalten!

Italo-Bomber Luca Toni ärgerte sich auch über Jürgen Klinsmanns ständige Lobeshymnen auf seinen Wunschstürmer Landon Donovan. Für den Italiener war der US-Boy lediglich «il disastro» – «Desaster Donovan» war geboren, und nach 6 Spielen ohne Tor war der Kurzauftritt des Amis bei den Bayern bereits Geschichte.

Klinsmann spielt mit dem FCB-Captain

Auch die Reibereien mit Captain Mark van Bommel kamen nicht gut an. Der holländische Lautsprecher forderte immer wieder taktische Anweisungen von Klinsmann. Der Ex-Bayern-Coach konterte beispielsweise so: «Mit deiner Fitness überrennst du den Gegner doch sowieso!» Als der Holländer sich mit dieser Aussage nicht zufrieden gab, landete er auf der Ersatzbank.

Fall Rensing brachte das Fass zum Überlaufen

Richtig übel nahmen die Bayern-Supporter Klinsmann die Demütigung von Michael Rensing. Der 25-Jährige war nach Oliver Kahns Rücktritt eigentlich die unumstrittene Nummer 1. Doch Klinsmann hielt nur kurz an Rensing fest und setzte auf Goalie-Oldie Butt. Nach heftigen Protesten sollte Rensing wieder nach dem Barcelona-Debakel (0:4) eingesetzt werden. Klinsmann teilte dies auch beiden Goalies mit, doch kurzfristig änderte der ehemalige Topstürmer seine Meinung und beorderte wieder Butt in den Kasten – damit war Klinsmann auch bei den Goalie unten durch, die Glaubwürdigkeit fiel ins Bodenlose.
play Das Lachen war Klinsmann bei den Bayern schnell vergangen. (Keystone)