So lief der Gross-Deal

  • Publiziert: 13.12.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Heiko Ostendorp

Stuttgart liess Christian Gross schon lange beobachten. Jetzt soll der Zürcher den VfB vor dem Abstieg retten

Am Sonntag um 15.30 Uhr nimmt Gross am Mainzer Bruchweg erstmals als Bundesliga-Coach auf der Trainerbank Platz. Vor 28 Jahren kam er das letzte Mal als Spieler in der höchsten deutschen Spielklasse zum Einsatz. Beim 1:2 seines VfL Bochum bei Fortuna Düsseldorf wurde Gross nach 13 Minuten eingewechselt.

1981 nahm davon kaum jemand Notiz – heute sieht das ganz anders aus. Die ganze Bundesliga ist gespannt, ob der Zürcher den VfB aus dem Keller führen kann. Innerhalb weniger Tage ist die Skepsis gegenüber dem Schweizer Erfolgscoach gewichen.

Nach seiner Vertragsunterschrift am vergangenen Sonntag wurde Gross als «Yeti» bezeichnet. «Jeder kennt ihn, keiner hat ihn gesehen.» Zudem schrieb die Presse: «Aus der Schweiz ist noch wenig Gutes gekommen.» Nach dem 3:1 in der Champions League gegen Urziceni wurde Gross plötzlich als «Magier» gefeiert – so schnell kanns gehen.

Aber wie kam der VfB eigentlich auf den Höngger Polizistensohn? SonntagsBlick hörte sich bei den Schwaben um. Anscheinend hatte der Klub Gross bereits im vergangenen Jahr auf dem Zettel, als Meister-Coach Armin Veh wackelte. Manager Horst Heldt bestätigt: «Wir haben ihn zwei Wochen beobachten und bewerten lassen. Er hat ein sehr, sehr gutes Zeugnis bekommen.»

Vor allem VfB-Präsident Erwin Staudt gilt als Gross-Fan, er boxte den Entscheid beim Vorstand durch. Heldt: «Wir wollten nach Markus Babbel einen erfahrenen Trainer. Gross hat Erfahrung in der Champions League und im Abstiegskampf.» In Stuttgart hat er einen Vertrag bis 2011, soll rund 3 Millionen Franken verdienen. Mit dem Einzug in den Achtelfinal der Königsklasse hat Gross seinem neuen Klub gleich mal 9 Millionen Franken in die Kasse gespült.

Heldt lobt: «Er hat den Schalter gefunden, damit die Mannschaft zu einer solchen Leistung fähig war. Er war vom ersten Tag an sehr klar in seinen Ansagen.» Kann Gross den Tabellen-16. retten? Bei einer Umfrage des Internet-Portals «transfermarkt.de» glauben 66,3 Prozent daran. Ein Sieg reichte aus, damit aus Skepsis in Deutschland Euphorie wurde.

Schon in der Schweiz hasste Gross diese schwarz-weiss Malerei. Kommt er mit den deutschen Medien klar? «Er beobachtet uns, will sich ein objektives Bild machen. Bisher ist er sehr zurückhaltend mit seinen Aussagen. Ich glaube, dass er dem Medienrummel gewachsen ist», sagt Hannes Kern von der «Esslinger Zeitung». Damit Gross in Ruhe arbeiten kann, muss er in Mainz gewinnen. Falls nicht, kommen die Kritiker schnell wieder aus dem Busch – garantiert.

Gross will Doumbia

Der Wunschstürmer von Christian Gross ist YB-Topskorer Seydou Doumbia (17 Saisontreffer). Das bestätigt VfB-Manager Horst Heldt: «Wir haben ihn mehrfach beobachtet, er ist ein sehr interessanter Mann. Allerdings weiss Heldt auch, dass es nicht einfach wird, den Ivorer nach Stuttgart zu holen: «Er hat einen Vertrag bis 2014 und soll 8 bis 12 Millionen Euro kosten. Er wird überall gehandelt. Neben dem VfB sind unter anderen auch Hoffenheim und Tottenham auf der Jagd nach Doumbia.