
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Ein kleines Seitensträsschen in Nürnberg Südstadt. Weil es in Strömen regnet, wirkt die Gegend noch trister als sonst. Und hier wohnt ein Bundesliga-Star?
Auch wer die Hausnummer nicht kennt, findet das richtige Einfamilienhaus rasch: Nur bei den Bunjakus stehen ein Porsche Cayenne GTS (ca. Fr. 150 000.-) und ein Audi A4 (ca. Fr. 55 000.-) vor der Tür.
«Sorry, aber fürs Wetter bin ich nicht verantwortlich», scherzt Albert Bunjaku (25), als er Sonntags-Blick die Tür öffnet. «Herzlich willkommen in Nürnberg.» Vom oberen Stock kommt seine Frau Arijeta (27) herunter, auf dem Arm trägt sie Söhnchen Dion (2). Sie führt uns in die Küche, serviert Kaffee und feine Torten.
Arijeta und Albert nennen sich gegenseitig «Schatz». Dass das hübsche Paar perfekt zusammenpasst, merkten A&A schon vor elf Jahren. «Wir sassen in der Realschule in der gleichen Klasse», erzählt die schöne Arijeta. Da funkte es.
Dem charismatischen Blick und dem Lächeln Alberts konnte sie ebenso wenig widerstehen wie er Arijetas engelhafter Erscheinung. Die Mütter der beiden kennen sich noch länger. «Sie arbeiteten schon früher gemeinsam.»
Über dem Fernseher steht ein Bilderrahmen mit dem Hochzeitsfoto. Beide in Weiss. Albert: «Wir heirateten am äääh... am 4. Juni 2005.» Arijeta lacht verschmitzt, Albert atmet auf – Test bestanden.
Albert kam am 29. November 1983 in Gjilan, Kosovo, zur Welt. Als Siebenjähriger zog er in die Schweiz, wo sein Vater schon seit längerem arbeitete. Die Bunjakus wohnen in Fahrweid ZH, Alberts Eltern leben heute noch da. Hier absolviert Albert die Schule, schliesst die Lehre als Betriebspraktiker ab.
Bis er 14-jährig ist, kickt Albert nur unter Kollegen. «Auf dem roten Platz bei uns.» Dann tritt er dem FC Schlieren bei. «Weil sie bei Dietikon keinen Platz für mich hatten.»
Albert spielt Aussenverteidiger. Nach einer 0:9-Pleite gegen GC fragt ihn der Hoppers-Trainer: «Willst du nicht zu uns kommen?» Das Talent wechselt zu GC. Nach drei Saisons vergeht ihm die Lust am Fussball, Albert hängt die Schuhe an den Nagel.
Nur für ein halbes Jahr. Dann bittet ihn der Junioren-Trainer von YF Juventus, wieder mitzukicken. Bei YF wird Albert zum Stürmer umfunktioniert, wechselt später zum FC Schaffhausen, gibt der Profi-Karriere eine Chance.
Mit den Munotstädtern steigt Bunjaku 2004 in die Super League auf. Da schiesst er in 39 Partien gerade mal drei Treffer. Mangels besserer Angebote wechselt der Stürmer mit Ladehemmung in die deutsche Regionalliga (3. Liga) zum FC Paderborn. Auch da kommt er nicht in Fahrt, ist oft verletzt. «Ich hatte schon sieben oder acht Meniskus-Operationen und einige weitere Verletzungen.» Das Karriere-Ende droht.
Zum Retter der fussballerischen Laufbahn wird seine Frau: Arijeta arbeitet in einer Boutique, wo die Frau des Trainers von Rot-Weiss Erfurt (2. Bundesliga) regelmässig einkauft. «Mein Mann spielt bei Paderborn, kommt aber nicht vom Fleck», gesteht Arijeta in leiser Hoffnung auf einen neuen Job für Albert. «Das trifft sich gut», antwortet die Trainer-Frau, «mein Mann sucht gerade einen Stürmer.»
In Erfurt kommt Schwung in die Karriere. Im Pokal gegen die Bayern wird Bunjaku eingewechselt, schiesst zwei Tore. Albert: «Danach sind die Angebote nur so reingeflattert.» Bunjaku geht zu Nürnberg und schnappt sich die Nummer 10. Er steigt mit dem «Club» in 1. Bundesliga auf, trifft beim Debüt.
Jetzt steht er bei vier Treffern. Hätten ihm die Schiris zwei reguläre Tore nicht aberkannt, stünde er in der Torjäger-Liste an zweiter Stelle. Und er wird urplötzlich ein Fall für Hitzfeld und die Nati.
«Es ist alles unglaublich schnell gegangen», sagt Albert kopfschüttelnd. «Wahnsinn, dass ich jetzt im Nati-Aufgebot stehe.» Am Samstag gegen Norwegen in Genf könnte er zum Debüt kommen. Frau Arijeta und Sohn Dion sorgen dafür, dass Albert mit den Füssen auf dem Boden bleibt. «Wenn ich nach Hause komme und den Kleinen sehe, bin ich in einer anderen Welt.»
Nächstes Jahr soll Dion in den Kindergarten, bis dahin bleibt Arijeta mit ihm zu Hause. «Ich bin gelernte Krankenschwester», sagt Arijeta. «Aber in Deutschland ist es für mich enorm schwierig, einen Job zu finden.» Sie will nächstes Jahr wieder arbeiten. «Nicht zwingend als Krankenschwester.»
A&A sind sich einig: Nach der Karriere kehren sie in die Schweiz zurück. Albert: «Ich möchte mir in der Schweiz ein Häuschen kaufen.» Arijeta: «Ich möchte dann wieder als Krankenschwester arbeiten.»
Bevor es so weit ist, will Albert noch viele Tore schiessen. Für Nürnberg, für die Schweizer Nati und später am liebsten für den FC Barcelona.