Bayern-Manager Hoeness: «Nur Lahm meint, dass er ein guter rechter Verteidiger ist»

MÜNCHEN - Zwischen Bayern München und Philipp Lahm herrscht momentan Frieden. Trotz Waffenstillstand rumort es bei den Bayern gewaltig.

  • Publiziert: 10.11.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Beim FC Bayern kracht es wieder einmal richtig. Philipp Lahm sorgt mit öffentlicher Kritik an den Transfers und der Spielphilosophie für Aufregung – und wird von den Vereinsoberen zum Rapport zitiert.

Manager Uli Hoeness, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und auch Sportdirektor Christian Nerlinger wollen von Lahm eine Entschuldigung – und sie bekommen eine. Allerdings tut Lahm nur die «Art und Weise» seiner Kritik leid, nicht aber der Inhalt.

Wer denkt, dass die Geschichte mit dieser halbherzigen Entschuldigung und der Rekordstrafe gegen Lahm (25000 Euro) erledigt ist, der irrt.

Nach Lahms Kritik rumort es im Hintergrund gewaltig. Folgende Brandherde sind nicht gelöscht:

1. Die Mitspieler: Lahm hat seine Mitspieler kritisiert, sogar seine Kollegen aus dem Mittelfeld. Für Ex-Bayer Stefan Effenberg eine sehr bedenkliche Kritik. «Das geht gar nicht! Damit hat er gegen einen Ehrenkodex verstossen», so Effenberg in seiner Kolumne auf «stern.de». Effe weiter: «Die Mitspieler werden ihm jetzt eher distanziert gegenübertreten. Sein Ansehen im Team wird dadurch leiden.»

2. Druck auf Lahm: Der Kritiker in den eigenen Reihen muss jetzt dafür sorgen, dass seine Leistung auf dem Platz stimmt. Ansonsten verliert er an Ansehen, wenn das nicht schon geschehen ist. «Philipp muss sich an die eigene Nase fassen. Er spielt selbst gerade nicht dieses Niveau, das ihn lange ausgezeichnet hat», gibt etwa Franz Beckenbauer auf sportbild.de zu Protokoll. Uli Hoeness setzt sogar noch einen drauf: «Die Meinung, dass er ein guter rechter Verteidiger ist, hat er ziemlich exklusiv.»

Rumms! Das sitzt – und verringert den Druck auf Lahm nicht. Für Stefan Effenberg ist klar: «Das wird brutal für Lahm. Seine Leistung wird nach jedem Spiel geradezu seziert werden.»

3. Kritik wird ignoriert: Dass Philipp Lahms Kritik nicht völlig grundlos ist, dürfte jedem klar sein. Doch sie interessiert die Bayern anscheinend nicht. Egal, ob die fehlende Philosophie im Spiel der Bayern oder die falsche Transfer-Strategie: Der FC Bayern schweigt zu den Vorwürfen, anstatt aus den Fehlern zu lernen.

Immerhin ist Lahm kein rotes Tuch für die Bayern-Bosse: In der «TZ» sagt Rummenigge, dass Lahm keinesfalls als Vize-Captain entmachtet werde. Der Vorstandsboss geht plötzlich auf Kuschelkurs: «Ich bin überzeugt davon, dass er irgendwann auch Kapitän des FC Bayern sein wird.» (sme)

Am 27.11. geht es wieder rund

Wie lange schweigen die Verantwortlichen von Bayern München noch über die Vorwürfe von Philipp Lahm? Am 27. November dürfte mit dem Versteckspiel Schluss sein, denn dann findet die Jahreshauptversammlung statt. Für Unterhaltung dürfte da gesorgt sein, wie Uli Hoeness Wutrede aus dem Jahr 2007 zeigt.