Nati-Star Eggimann erhielt Anruf von Unbekanntem

  • Publiziert: 21.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Andreas Böni und Heiko Ostendorp

Der neue Wettskandal. Auch Nati-Spieler Mario Eggimann wurde schon mal angeworben.

Der Vorgang liegt knapp fünf Jahre zurück und ist dennoch exemplarisch für den aktuellen Wettskandal. Er zeigt, wie skrupellos die Drahtzieher mögliche Täter rekrutieren. Mario Eggimann ist damals 23 Jahre alt, spielt in der zweiten Bundesliga beim Karlsruher SC. Beim Innenverteidiger klingelt das Handy, unterdrückte Nummer. Eggimann geht ran, der Anrufer nennt keinen Namen. Eggimann gestern zu SonntagsBlick: «Der Anrufer fragte: ‹Kannst du mir sagen, wie viele Tore bei eurem Spiel ungefähr fallen?›»Eggimann legt nach kurzem Gespräch auf, sagt: «Ich habe es dann schnell vergessen, bis das mit der Manipulation aufkam.» Eggimann meint den Fall Robert Hoyzer. In den Medien kommt raus: Vom Café King in Berlin aus wurden gezielt Spieler und Schiedsrichter zur Manipulation von Spielen angeworben. Eggimann konnte damals nicht einschätzen, ob die Anfrage ernst gemeint war. Trotzdem wird er nervös.Denn das Landeskriminalamt Wiesbaden, das für Karlsruhe zuständig ist, verhaftet vier Männer. Sie sollen versucht haben, Spieler für Manipulationen anzuwerben. Der Deutsche Fussball-Bund fordert daraufhin Spieler auf, alle Versuche zu melden. Auch Eggimann alarmiert den Verband. Er erinnert sich: «Ich wollte mich schützen. Ich weiss ja bis heute nicht, wer mich angerufen hat. Wenn dann die verhafteten möglichen Drahtzieher plötzlich meine Nummer in ihrer Telefonabrechnung haben, und ich nichts gesagt habe, hätte es Probleme geben können.» Auch Eggimanns Teamkollegen Sean Dundee und Edmond Kapllani vom Karlsruher SC haben Anwerbeversuche angezeigt.Und nun der neue Wettskandal! 22 Challenge-League-Partien und sechs Testspiele wurden offenbar manipuliert. Eggimann: «Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas nochmals passieren kann.» Ein Super-League-Präsident sagte gestern zu SonntagsBlick: «Ich habe schon vor einem Monat gehört, dass die ganze Sache rauskommen wird. Tessiner Klubs aus der Challenge League sowie Schweizer Schiedsrichter sollen involviert sein.» Schiedsrichter-Boss Urs Meier widerspricht: «Für meine Schiedsrichter lege ich die Hand ins Feuer.»Beschiss auch in der Champions League?Spekulationen gibt es aber nicht nur um die Challenge League – sondern auch um die Champions League. Gemäss Uefa stehen dort drei Spiele unter Verdacht. Auch die Qualifikations-Partie Ventspils gegen Zürich? Der «Kicker» spekulierte über Ungereimtheiten. Grund: Der Klub aus Lettland soll laut dem deutschen Fachmagazin seinen Angreifer Vits Rimkus suspendiert haben. Die Mutmassung: Der Stürmer habe eine grosse Summe auf das Ausscheiden seines Klubs in den Playoffs zur Champions-League-Gruppenphase gegen den FCZ (0:3, 1:2) gewettet. 50 Hausdurchsuchungen, 17 Festnahmen. 200 Spiele in 9 Ländern sollen manipuliert worden sein. Auch ein Spiel von Osnabrück in Augsburg (0:3).Basel-Goalie geschocktBasel-Goalie Stefan Wessels stand letzte Saison beim deutschen Zweitligisten VfL Osnabrück unter Vertrag. Zu SonntagsBlick sagt er: «Als ich davon erfahren habe, bin ich aus allen Wolken gefallen. Das sind ungeheuerliche Vorwürfe. Ich hoffe, dass sie sich nicht als wahr herausstellen. Ich kann und will nicht glauben, dass so etwas passiert sein soll.»Er erinnert sich ans Augsburg-Spiel: «Da waren schon unglückliche Tore dabei. Ich bin froh, dass ich nur auf der Bank sass. Sonst wäre man jetzt plötzlich auch in diesem Strudel drin, ohne dass man etwas wusste oder getan hat.»Einer der verdächtigten Osnabrück-Profis, Thomas Cichon, unterschätzte vor einem Gegentor laut «Kicker» einen Diagonalball von links. Wessels: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass da was krumm gelaufen ist. Ich kann mir auch nicht erklären, wie das hätte funktionieren sollen. Allerdings kommen die Vorwürfe ja kaum aus heiterem Himmel.» Es werden wohl noch viele weitere folgen.