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Das Interview von Bayern-Verteidiger Philipp Lahm in der «Süddeutschen Zeitung» erschüttert die ganze Bundesliga. Und auch über die deutschen Grenzen hinaus könnte Lahms Rundumschlag die Situation nicht klarer beschreiben: Beim deutschen Rekordmeister ist die Hölle los.
Wenn auch der Zeitpunkt des Interviews vor dem brutal wichtigen Spiel gegen Schalke sehr ungünstig gewählt war, so sind Lahms kritische Äusserungen bei genauerer Betrachtung mehr als gerechtfertigt. Hinter seinem Interview steckt viel mehr, als nur ein verzweifelter Hilfeschrei.
Lahm umgeht vereinsinterne Zensur
Philipp Lahm verlängerte im Mai 2008 bei München bis 2012, obwohl konkrete Angebote von Barcelona und Manchester United vorlagen. Die Bayern-Bosse konnten ihn mit dem Versprechen halten, das Team so zu verstärken, dass das Finale der Champions League bald ein realistisches Ziel sein wird. Was daraus wurde, wissen wir. Selbst die einheimische Liga stellt den FC Hollywood vor beinah unlösbare Aufgaben.
Darum hat Lahm jetzt genug. Er geht sogar so weit, dass auch die vereinsinterne Zensur für ihn kein Hindernis darstellt. Die Münchner verlangen nämlich von ihren Stars, jedes Interview zum «Korrigieren» vorzulegen. Da Lahm seine kritischen Bedenken aber unverfälscht wiedergeben will, umgeht er diese Zensur und gibt das Interview plötzlich frei.
Ausser Lahm hat niemand die Eier
Mit dieser Aktion beweist Lahm, dass zumindest noch ein Bayern-Spieler Eier in der Hose hat. Denn laut Informationen von «Bild» ist ein Grossteil der Mannschaft der gleichen Meinung wie Lahm. Aber es ist ausgerechnet der 170 cm kleine Verteidiger, der Klartext mit den grossen Bayern-Bossen spricht.
Während dies die meisten in der Vereinsleitung zur Weissglut bringt, macht sich wenigstens einer den Gedanken, dass Lahm eigentlich nur helfen will. Und das ist der Präsident Franz Beckenbauer persönlich.
Beckenbauer: «Man will mündige Spieler»
«Einerseits hat er den Kodex verletzt. Andererseits will man mündige Spieler. Ich würde mit dem Spieler reden, um zu erfahren, was er damit erreichen wollte. Die sportlich Verantwortlichen müssen versuchen, die Ursachen zu finden, warum das Spiel der Bayern oft so freudlos ist», so Kaiser Franz gegenüber «Bild».
Es ist also an der Zeit, dass sich die Männer auf ihren hohen Rössern am beherzten Philipp Lahm ein Beispiel nehmen und sich nicht mehr auf die Bestrafung eigener Spieler konzentrieren, sondern dafür sorgen, sportlich wieder auf Touren zu kommen.
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Bayern-Präsident Franz Beckenbauer gibt Lahm Rückendeckung. (Keystone)