Skandal-Spiel in Düsseldorf Hertha-Spieler hatten Todesangst

Otto Rehhagel steigt mit Hertha BSC Berlin in die 2. Bundesliga ab. Oder doch nicht? Nach dem Skandalspiel gegen Fortuna Düsseldorf erwägen die Berliner, Protest einzulegen.

  • Publiziert: 15.05.2012, Aktualisiert: 16.05.2012

Wer gehört in die Bundesliga?»

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Die deutsche Karneval-Hochburg Düsseldorf ist wieder erstklassig. Und das Relegations-Rückspiel zwischen der Fortuna und Hertha Berlin, das zu seinem Skandalspiel verkommt, zeigt: Die Fortuna-Fans sind schlicht närrisch. Wie sonst lässt sich erklären, was sich in der 97. Minute (!) abspielt?

Beim Stand von 2:2 stürmen hunderte Anhänger das Spielfeld. Nach 15 Jahren Abwesenheit aus der Bundesliga wollen sie den lange ersehnten Aufstieg feiern. Dumm nur, dass noch 90 Sekunden zu spielen sind. Die eigenen Fans bringen den Aufstieg in Gefahr!

Die Bilder aus der «EspritArena» sind unfassbar. Ein Anhänger reisst sogar den Elfmeterpunkt als Andenken raus! An ein Weiterspielen ist nicht zu denken. Die Fortuna-Spieler versuchen, die eigenen Fans vom Platz zu bringen. Der Abbruch droht, die Spieler verschwinden in den Katakomben.

Nach rund 30 Minuten ruft Schiedsrichter Wolfgang Stark die Teams zurück auf den Platz (die Polizei soll ihn gemäss «Bild» darum gebeten haben, um eine Eskalation zu verhindern). Die Fans wurden entweder abgeführt oder sind zurück auf die Tribünen geklettert. Das Feld ist wieder bespielbar. Doch Hertha lässt sich Zeit, berät, wie es weitergehen soll. Dann stehen die Berliner ihren Mann und spielen die Partie zu Ende.

Genau eine Minute und 30 Sekunden lässt der Schiedsrichter nochmals spielen – dann ist das Spiel aus. Fortuna Düsseldorf kehrt nach dem Abstieg 1997 in die Bundesliga zurück. Sicher ist die Rückkehr ins Fussball-Oberhaus aber noch lange nicht.  Das erklärte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt. «Wir entscheiden am Mittwoch - und werden unsere Rechte abwägen», sagte Schickhardt bei Sky Sport News HD. Die wahrscheinlichste Möglichkeit wäre, sollte ein Protest gutgeheissen werden, eine Neuansetzung der Partie.

Schickhardt sagt: «Die Spieler sassen mit Todesangst leichenblass in der Kabine.» Denn: Auch die Hertha-Fans sind keine Unschuldslämmer. Schon nach Jovanovics 2:1 muss der Schiedsrichter das Spiel mehrere Minuten unterbrechen, weil aus dem Gästesektor zahlreiche Pyrofackeln und Böller gezündet werden und aufs Spielfeld fliegen. Banden fangen Feuer. Die Spieler entsorgen die Fackeln teilweise mit der Hand.

Im Anschluss äusserte sich DFL-Schiedsrichterexperte Helmut Krug in der «ARD» äusserst positiv über Starks Verhalten: «Man muss Wolfgang Stark ein grosses Lob aussprechen, dass er mit soviel Ruhe und Gelassenheit diese kritischen Situationen gemeistert hat. Er hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die er hatte, und es war am Ende genau richtig, zu sagen, das Spielfeld müsse vollständig geräumt werden, bevor er wieder anpfeifen würde. Es muss jede Gefährdung ausgeschlossen werden.»

Kurz bevor Berlins Captain Christian Lell von Herthas Pressesprecher in die Kabine beordert wurde, konnte ihm die «ARD» noch ein paar Worte entlocken: «Ich tue mich schwer, Worte zu finden. Wir sind alle masslos enttäuscht, das ist gar keine Frage.»

Die Freude der Düsseldorfer fiel aufgrund der Tumulte gedämpft aus. «Das ist einfach nicht schön. Ich hatte mir das anders vorgestellt», sagte Abwehrspieler Jens Langeneke. «Ich weiss nicht, ob ich nach diesen Bildern froh sein soll. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns möglich wäre», sagte der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, Peter Frymuth.

Und auch Fortuna-Manager Wolf Werner sagt: «Ich bin erschüttert, was in den letzten Minuten abgelaufen ist. Der Schiedsrichter hat super reagiert.» Von einer Wiederholung hält er nichts. «Der Schiedsrichter hat das Spiel wieder angepfiffen und dann korrekt abgepfiffen. Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden.»

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fussball-Bundes hat mittlerweile Ermittlungen aufgenommen. (rib/sme)

Fortuna Düsseldorf - Hertha Berlin 2:2 (1:1)

ESPRIT arena - 51'000 Zuschauer (ausverkauft).

Tore: 1. Beister 1:0. 23. Ben-Hatira 1:1. 59. Jovanovich 2:1. 85. Raffael 2:2.

Bemerkungen: 54. Gelb-Rot Ben-Hatira (wiederholtes Foulspiel). Spiel musste in der 96. Minute für 30 Minuten abgebrochen werden, weil Fans bereits vor Ablauf der Nachspielzeit das Feld stürmten.

Beliebteste Kommentare

  • Grimo  Steiner , via Facebook
    Todesangst? Gehts noch dramatischer? Huiuiui, als Spieler des Absteigers hätte ich aber auch echt Schiss vor den feiernden Fans des Aufsteigers ... 90 Sekunden später und das Ereignis wäre keine Schlagzeile mehr wert gewesen.
    • 16.05.2012
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Alle Kommentare (37)

  • Grimo  Steiner , via Facebook
    Todesangst? Gehts noch dramatischer? Huiuiui, als Spieler des Absteigers hätte ich aber auch echt Schiss vor den feiernden Fans des Aufsteigers ... 90 Sekunden später und das Ereignis wäre keine Schlagzeile mehr wert gewesen.
    • 16.05.2012
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  •   d.m. aus bern , bern
    Es kann nicht sein, das der höchstverdiente Aufstieg der Fortuna durch Provokation der Herthafans und die übertriebene Nachspielzeit verursacht durch Herthafans, wegen läppischen 60 Sekunden in Frage gestellt wird, der Schiri musste nicht die vollen 7 Minuten nachspielen.
    Hertha mit diesen Spielern gehört eher in die 2. BL.
    • 16.05.2012
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  • Roman  Payer
    Natürlich gibt es nur eine wirkungsvolle Massnahme ps: auch Fortunafans haben nach dem 2-1 Pyros gezündet

    ein Absteiger aus der 1. Liga Herta
    kein Aufstieg für Fortuna

    und der 4. der 2. Liga steigt direkt auf.

    Dann ist auch dem hintersten und letzten klar was passiert und es herrscht Ruhe!

    .. ich weiss ich träum weiter
    • 16.05.2012
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  •   d.m. aus bern , bern
    Das Spiel hätte abgebrochen werden sollen, nachdem die Hertha Fans Pyros warfen, 3:0 forfait für Fortuna
    • 16.05.2012
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    • Daniel  Stirnimann , via Facebook
      Im Nachhinein ist man sicher schlauer und in der Schweiz wäre wohl nach den Vorfällen in Zürich nach solchen Pyrowürfen der Hertha Fans gegen die eigenen Spieler abgebrochen worden. SR Stark hat diesbezüglich seine Linie beibehalten und das Spiel trotz der beiden Unterbrüche über die Zeit gebracht. Ich denke auch, dass der Protest von Hertha abgewiesen werden müsste und sogar aufgrund der Vorfälle 3:0 für Fortuna gewertet werden müsste um ein klares Zeichen zu setzen. Klare Zeichen im übrigen, die hier in der Schweiz auch gerade an die Verantwortlichen bei Verband und Führungsetagen von FCZ, GC oder Basel gesandt werden müsste. Dass dort Diskussionen um eine mögliche Legalisierung von Pryros in Stadien überhaupt geführt wird, gibt einem zu denken. Haben wir es nun neben den schon hirnamputierten Pyrowerfern auch noch mit solchen in der Führungsetage zu tun?
      • 16.05.2012
      • als Kommentar auf   d.m. aus bern , bern
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  • A.  Meier , Basel
    Todesangst?? Und hatten dann noch die Zeit, mit Gegenspielern und Schiris herumzuzoffen? Lächerlich!
    • 16.05.2012
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Bundesliga

Platz Mannschaft SP Tore Punkte
1 Bayern 34 98:18 91
2 Dortmund 34 81:42 66
3 Leverkusen 34 65:39 65
4 Schalke 34 58:50 55
5 Freiburg 34 45:40 51
6 Frankfurt 34 49:46 51
7 Hamburg 34 42:53 48
8 Gladbach 34 45:49 47
9 Hannover 34 60:62 45
10 Nürnberg 34 39:47 44
11 Wolfsburg 34 47:52 43
12 Stuttgart 34 37:55 43
13 Mainz 34 42:44 42
14 Bremen 34 50:66 34
15 Augsburg 34 33:51 33
16 Hoffenheim 34 42:67 31
17 Düsseldorf 34 39:57 30
18 Fürth 34 26:60 21

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