Otto Rehhagel steigt mit Hertha BSC Berlin in die 2. Bundesliga ab. Oder doch nicht? Nach dem Skandalspiel gegen Fortuna Düsseldorf erwägen die Berliner, Protest einzulegen.
Die deutsche Karneval-Hochburg Düsseldorf ist wieder erstklassig. Und das Relegations-Rückspiel zwischen der Fortuna und Hertha Berlin, das zu seinem Skandalspiel verkommt, zeigt: Die Fortuna-Fans sind schlicht närrisch. Wie sonst lässt sich erklären, was sich in der 97. Minute (!) abspielt?
Beim Stand von 2:2 stürmen hunderte Anhänger das Spielfeld. Nach 15 Jahren Abwesenheit aus der Bundesliga wollen sie den lange ersehnten Aufstieg feiern. Dumm nur, dass noch 90 Sekunden zu spielen sind. Die eigenen Fans bringen den Aufstieg in Gefahr!
Die Bilder aus der «EspritArena» sind unfassbar. Ein Anhänger reisst sogar den Elfmeterpunkt als Andenken raus! An ein Weiterspielen ist nicht zu denken. Die Fortuna-Spieler versuchen, die eigenen Fans vom Platz zu bringen. Der Abbruch droht, die Spieler verschwinden in den Katakomben.
Nach rund 30 Minuten ruft Schiedsrichter Wolfgang Stark die Teams zurück auf den Platz (die Polizei soll ihn gemäss «Bild» darum gebeten haben, um eine Eskalation zu verhindern). Die Fans wurden entweder abgeführt oder sind zurück auf die Tribünen geklettert. Das Feld ist wieder bespielbar. Doch Hertha lässt sich Zeit, berät, wie es weitergehen soll. Dann stehen die Berliner ihren Mann und spielen die Partie zu Ende.
Genau eine Minute und 30 Sekunden lässt der Schiedsrichter nochmals spielen – dann ist das Spiel aus. Fortuna Düsseldorf kehrt nach dem Abstieg 1997 in die Bundesliga zurück. Sicher ist die Rückkehr ins Fussball-Oberhaus aber noch lange nicht. Das erklärte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt. «Wir entscheiden am Mittwoch - und werden unsere Rechte abwägen», sagte Schickhardt bei Sky Sport News HD. Die wahrscheinlichste Möglichkeit wäre, sollte ein Protest gutgeheissen werden, eine Neuansetzung der Partie.
Schickhardt sagt: «Die Spieler sassen mit Todesangst leichenblass in der Kabine.» Denn: Auch die Hertha-Fans sind keine Unschuldslämmer. Schon nach Jovanovics 2:1 muss der Schiedsrichter das Spiel mehrere Minuten unterbrechen, weil aus dem Gästesektor zahlreiche Pyrofackeln und Böller gezündet werden und aufs Spielfeld fliegen. Banden fangen Feuer. Die Spieler entsorgen die Fackeln teilweise mit der Hand.
Im Anschluss äusserte sich DFL-Schiedsrichterexperte Helmut Krug in der «ARD» äusserst positiv über Starks Verhalten: «Man muss Wolfgang Stark ein grosses Lob aussprechen, dass er mit soviel Ruhe und Gelassenheit diese kritischen Situationen gemeistert hat. Er hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die er hatte, und es war am Ende genau richtig, zu sagen, das Spielfeld müsse vollständig geräumt werden, bevor er wieder anpfeifen würde. Es muss jede Gefährdung ausgeschlossen werden.»
Kurz bevor Berlins Captain Christian Lell von Herthas Pressesprecher in die Kabine beordert wurde, konnte ihm die «ARD» noch ein paar Worte entlocken: «Ich tue mich schwer, Worte zu finden. Wir sind alle masslos enttäuscht, das ist gar keine Frage.»
Die Freude der Düsseldorfer fiel aufgrund der Tumulte gedämpft aus. «Das ist einfach nicht schön. Ich hatte mir das anders vorgestellt», sagte Abwehrspieler Jens Langeneke. «Ich weiss nicht, ob ich nach diesen Bildern froh sein soll. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei uns möglich wäre», sagte der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, Peter Frymuth.
Und auch Fortuna-Manager Wolf Werner sagt: «Ich bin erschüttert, was in den letzten Minuten abgelaufen ist. Der Schiedsrichter hat super reagiert.» Von einer Wiederholung hält er nichts. «Der Schiedsrichter hat das Spiel wieder angepfiffen und dann korrekt abgepfiffen. Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden.»
Der Kontrollausschuss des Deutschen Fussball-Bundes hat mittlerweile Ermittlungen aufgenommen. (rib/sme)
ESPRIT arena - 51'000 Zuschauer (ausverkauft).
Tore: 1. Beister 1:0. 23. Ben-Hatira 1:1. 59. Jovanovich 2:1. 85. Raffael 2:2.
Bemerkungen: 54. Gelb-Rot Ben-Hatira (wiederholtes Foulspiel). Spiel musste in der 96. Minute für 30 Minuten abgebrochen werden, weil Fans bereits vor Ablauf der Nachspielzeit das Feld stürmten.
| Platz | Mannschaft | SP | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bayern | 34 | 98:18 | 91 |
| 2 | Dortmund | 34 | 81:42 | 66 |
| 3 | Leverkusen | 34 | 65:39 | 65 |
| 4 | Schalke | 34 | 58:50 | 55 |
| 5 | Freiburg | 34 | 45:40 | 51 |
| 6 | Frankfurt | 34 | 49:46 | 51 |
| 7 | Hamburg | 34 | 42:53 | 48 |
| 8 | Gladbach | 34 | 45:49 | 47 |
| 9 | Hannover | 34 | 60:62 | 45 |
| 10 | Nürnberg | 34 | 39:47 | 44 |
| 11 | Wolfsburg | 34 | 47:52 | 43 |
| 12 | Stuttgart | 34 | 37:55 | 43 |
| 13 | Mainz | 34 | 42:44 | 42 |
| 14 | Bremen | 34 | 50:66 | 34 |
| 15 | Augsburg | 34 | 33:51 | 33 |
| 16 | Hoffenheim | 34 | 42:67 | 31 |
| 17 | Düsseldorf | 34 | 39:57 | 30 |
| 18 | Fürth | 34 | 26:60 | 21 |
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