Der Schweizer Meisterkampf

Heute knallt es in der Bundesliga — es geht um alles. Und gleich drei Schweizer greifen nach dem deutschen Titel.

  • Publiziert: 09.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Andreas Böni
play Lucien Favre: «Noch ist alles möglich.» (Keystone)

Ludovic Magnin fährt gerade Auto, als er mit BLICK telefoniert. Es ist Freitagnachmittag, 13.36 Uhr. «Ich gehe einkaufen», sagt er. «Ich brauche Lebensmittel fürs Wochenende. Vielleicht ein bisschen Fleisch für den Grill.»

Für die Party nach dem Sieg? Magnin (30) ist einer von drei Schweizern im heissen deutschen Titelkampf. Er trifft heute mit Stuttgart (4.) auf Leader Wolfsburg, bei dem Nati-Kollege Diego Benaglio (25) im Tor steht. Lucien Favre lauert mit seiner Hertha auf Platz drei und muss heute Marcel Kollers Bochum schlagen. Und die Bayern (2.) müssen mit Trainer-Opa Heynckes in Cottbus ran.

Magnin geniesst das Zusammensein mit Chantale

«Es ist unsere letzte Chance. Wir haben fünf Punkte Rückstand auf Wolfsburg», sagt Magnin. «Wir müssen gewinnen, wenn wir ganz Grosses erreichen wollen.»

Der Linksverteidiger ist in Stuttgart in aller Munde. Spielt eine unglaublich starke Rückrunde. Hier verrät er die Gründe dafür: Seine Frau Chantale (29) ist vor sechs Monaten mit den Söhnen Nikos (7) und Thierry (3) wieder zu Ludo nach Stuttgart gezogen. Davor lebten die beiden die Liebe auf Distanz, da das Paar in Trübbach SG ein Haus gebaut hat.

Magnin: «Ich musste erkennen, dass ich kein Mensch für eine Fernbeziehung bin. Andere Leute können das vielleicht, ich nicht.Darum spiele ich in der Rückrunde wieder viel besser. Es geht mir einfach gut.» Mit Liebes-Doping zum Meister-Titel? «Ich war schon mit Bremen und Stuttgart Meister», sagt Magnin. «Warum jetzt nicht ein drittes Mal?»

Bayern-Interesse an Benaglio

Klar ist: Dafür muss Magnin heute Benaglio schlagen. Bei den Wolfsburgern knallte es vergangene Woche. Trainer Felix Magath gab seinen Wechsel zu Schalke 04 bekannt. Als Nachfolger sind Frank Rijkaard, Marco van Basten, Michael Laudrup, Armin Veh und Mirko Slomka im Gespräch.

Und: Ein Wechsel von Diego Benaglio zu Bayern München wird immer heisser diskutiert. 15 Millionen Franken will der deutsche Rekordmeister angeblich bezahlen. Benaglio: «Über solche Sachen zerbreche ich mir nicht den Kopf, lebe im Jetzt und konzentriere mich nur auf den VfL. Das Einzige, was ich beeinflussen kann, ist meine Leistung. Alles andere wird kommen.»

Favre: «Alles ist möglich»

Lucien Favre (51) wird eher auf einen Ausrutscher Benaglios hoffen. Er liegt mit Hertha BSC vier Punkte hinter der Spitze, empfängt heute Marcel Koller und Bochum.

Favre zu BLICK: «Ein ganz schwieriges Spiel. Denn Bochum hat in den letzten sechs Auswärtsspielen nur einmal verloren. Beim 2:3 in Bremen.» Understatement à la Favre. Er fügt an: «Sechs Mannschaften kämpfen um etwas. Es wäre schon fantastisch, unser Ziel Uefa-Cup zu erreichen.» Rang 5 würde dafür reichen.

Ein bisschen mutiger wird Favre dann doch noch: «Es sind noch vier Partien zu spielen. Alles ist möglich. Nach oben – aber auch nach unten.»

Ausgerechnet sein Schweizer Landsmann Marcel Koller könnte den Romand heute also ärgern. Favre erinnert sich an frühere Duelle und sagt: «Als Spieler standen wir uns oft gegenüber. In der Nati haben wir zusammen gespielt.» Und als Trainer? «Auch da trafen wir aufeinander. Ich war bei Yverdon, er wurde mit St. Gallen Meister. Ich war bei Servette, er wurde mit GC Meister.»

Zeit den Spiess mal umzudrehen: Koller bei Bochum, Favre mit Hertha Meister? Der Hertha- Coach lacht. Antworten mag er darauf nicht. Noch nicht.