Benaglio: «Ich helfe Magath als Übersetzer»

  • Publiziert: 04.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Heiko Ostendorp aus Wolfsburg
play Strahlend: Diego Benaglio ist die ­Zufriedenheit nach dem klaren Sieg ­anzusehen. (Kathi Bettels)

Als Benaglio sich nach dem Sieg mit SonntagsBlick zum Interview trifft, stösst er mit Wasser an. Dabei hätte er Grund, Schampus zu trinken.

Haben Sie so ein irres Spiel schon mal erlebt?

Im Fussball erlebt man verrückte Sachen, aber das war schon speziell. Auch, weil es gegen Bayern war.

Dazu noch Ihre Auswechslung. Was haben Sie da gedacht?

Ich war etwas überrascht, als ich plötzlich André Lenz an der Seitenlinie sah. Aber im Nachhinein war es eine überragende Geste von unserem Trainer, die zeigt, was für eine Einheit wir sind, und dass jeder zu unserem Erfolg beiträgt.

Wer Bayern 5:1 schlägt, kann auch Meister werden, oder?

Moment! Es sind noch acht Spiele. Deshalb macht es keinen Sinn, dass wir uns darüber Gedanken machen. Wir haben vor der Saison gesagt, wir wollen in den Uefa-Cup. Alles andere ist Zusatz.

Lieber Meister mit Wolfsburg oder mit der Schweiz zur WM?

Da gibt es kein oder! Zum Titel habe ich schon was gesagt. Dass wir zur WM wollen, ist doch klar. Wir sind zurück in der Spur und haben jetzt eine hervorragende Ausgangsposition.

Kann man Hitzfeld und Magath vergleichen?

Ich denke, dass jeder Trainer anders ist. Die beiden haben aber gemeinsam, dass sie wirklich alles für den Erfolg machen. Ich bin froh, mit zwei solchen Trainern arbeiten zu dürfen.

Magath gilt als Schleifer. Merkt man das auch als Goalie?

Natürlich, vor allem in der Vorbereitung muss man ja die ganzen Läufe und Kraftübungen mitmachen. Man kann schon sagen, dass ich auch ziemlich fit bin.

Zuletzt hatten Sie aber Verletzungsprobleme. Bis Sie zu einem Wunderheiler gingen.

Ich glaube nicht, dass diese Bezeichnung richtig ist. Fakt ist, dass er Fähigkeiten hat, den Körper dabei zu unterstützen, schneller zu regenerieren. Bei mir hat er den Druck von der Patellasehne genommen, ich hatte von Tag zu Tag weniger Schmerzen. Aber er war nur ein Faktor neben den Physios und dem Konditionstrainer.

Am Abend vor dem Spiel geht die Mannschaft immer ins Kino. Was haben Sie am Freitag gesehen?

«The Fast and the Furios». Vielleicht haben wir die Geschwindigkeit heute mitgenommen (lacht). Im Ernst: Ich finde das eine super Sache. Es ist ein fester Bestandteil geworden. Eine schöne Abwechslung, statt im Hotel zu sitzen.

Fühlen Sie sich auch privat wohl im beschaulichen Wolfsburg?

Absolut. Ich wohne mit meiner Verlobten in einem Vorort. Es passt alles.

Ihrer Verlobten?

Ja, aber bevor Sie fragen – wir haben das Hochzeitsdatum noch nicht festgelegt. Es ist mir wichtig, dass Nadin da ist. Sie gibt mir den Halt, den ich brauche. Irgendwann wird es soweit sein, wir machen uns keinen Stress.

Vielleicht am 23. Mai, nach dem letzten Spiel?

Ich glaube, da habe ich was anderes vor...

Sind Sie aufgrund Ihrer Portugiesisch-Kenntnisse auch als Übersetzer für die Brasilianer tätig?

Ja, ich bekam in der Halbzeit vom Trainer den Auftrag, für Grafite zu übersetzen. Danach hat er zwei Tore gemacht. Er scheint es also verstanden zu haben.

Lesen Sie die Reportage über Banaglios Erfolgswoche im Sonntagsblick!

play Rückhalt: Wolfsburg-Goalie Diego Benaglio will noch nicht an den Meister­titel denken. (ZVG)