«Ballboys mogelten schon vor 20 Jahren»

HANNOVER - Jens Lehmann wird in der Bundesliga von einem Balljungen veräppelt. Solche Szenen gab es in der Schweiz schon vor 20 Jahren.

  • Publiziert: 25.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Sam Urech

Der VfB Stuttgart verliert in Hannover mit 0:1 und schlittert immer tiefer in die Krise. Und nun auch das noch: Es läuft die 81. Minute im Krisenspiel gegen Hannover 96. Stuttgart liegt mit 0:1 zurück. Der Ball geht ins Aus, Goalie Lehmann will das Spiel schnell machen, fordert vom Balljunge das runde Leder.

Doch dieser wirft ihm den Ball nicht zu. Lehmann rennt wie von einer Tarantel gestochen auf das Ballkind zu. Dieser bleibt cool stehen und streckt dem Keeper den Ball hin. Als dieser das Leder schnappen will, wirft ihn der unverschämte Bengel in die Höhe, über Lehmann hinweg.

Balljunge: «Ich habe nur meinen Job gemacht»

So etwas hat der 39-Jährige wohl in seiner langen Karriere noch nie erlebt. Der freche Balljunge ist sich aber keiner Schuld bewusst: «Ich habe nur meinen Job gemacht. Ich habe ihm den Ball hoch zugeworfen und er kam dann auf seinem Kopf runter», betont der 14-Jährige zu Bild.

Klar, dass Lehmann die Situation anders erlebt hat. Der Torhüter, der ohnehin nicht als friedlichster seiner Zunft gilt, stürmt nach dem Spiel wütend in die Kabine und streitet sich auf dem Weg noch mit Hannover-Sportchef Schmadtke.

Lehmann will Kinder besser erziehen

Kurze Zeit später äussert er sich bissig: «Die Balljungen spielen auf Zeit. Damit muss man in der Bundesliga leben!» Und fügt genervt hinzu: «Ich muss jetzt gehen. Ich muss nach Hause, meine Kinder gut erziehen, damit die sich korrekt verhalten…»

Ehemalige Balljungen packen aus

Zwei ehemalige Balljungen aus der Blick.ch-Sportredaktion melden sich zu Wort. Sportchef Micha Zbinden (31) spielte jahrelang bei den Interjunioren der Young Boys. Als 12-Jähriger stand Zbinden während einer Saison auch als Balljunge im Einsatz. Blick.ch-Volontär Gianni Wyler (28), ehemaliger FCZ-Junior, präsentierte sich gleich während vier Saisons als leidenschaftliches Ballkind im Letzigrund.

Zbinden: «Schon vor zwanzig Jahren hat man uns Ballboys eingetrichtert, dass bei einer YB-Führung der Ball möglichst lange zurückgehalten werden soll. So konnten wir dem Gegner wertvolle Sekunden rauben. Nach den Spielen wurden die langsamen Balljungen gelobt, die anderen kritisiert.»

Wyler: «Es gab eine ganz klare Vorgabe, der eigenen Mannschaft zu helfen. Wenn der FCZ führte, habe ich den Ball möglichst langsam geholt und dem gegnerischen Spieler ungenau zugeworfen. Wir wurden so instruiert.»

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Ballkind zu reden gibt: Bei einem UEFA-Cup-Spiel zwischen den Tottenham Hotspurs und Anorthosis Famagusta schiesst der freche Londoner Balljunge Famagusta-Spieler Konstantinos Loumpoutis das Spielgerät mit Wucht dorthin, wos besonders schmerzt. (siehe Video)