Ballack fordert Respekt und Loyalität

  • Publiziert: 22.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

Sportlich läuft es dem deutschen Nationalteam prima. Doch atmosphärisch gibt es seit Wochen Störungen. Für den neusten Ärger sorgte Michael Ballack. Er forderte von DFB-Coach Joachim Löw «mehr Respekt und Loyalität für verdiente Nationalspieler.»

Deutschland stand im Juni im EM-Final und führt seine Gruppe in der WM-Qualifikation vor EM-Halbfinalist Russland an. Doch die Nationalmannschaft ist nur sportlich auf Kurs.

Denn die Stimmung bei Löw, Ballack und Co. ist seit Wochen im Herbsttief; es ist die Zeit der Stürme in der DFB-Auswahl: erst der Zwist zwischen Captain Michael Ballack und Teamchef Oliver Bierhoff (August), dann die Abreise und spätere Ausbootung von Stürmer Kevin Kuranyi (vor zehn Tagen) und nun die verbale Attacke von Ballack im Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gegen Coach Joachim Löw.

Konkurrenzkampf als Auslöser

Ballacks Kritik zielte auf die aus seiner Sicht ungerechte Behandlung, die seinen Nati-Kollege Torsten Frings vor dem WM- Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1) durch den Trainerstaff erfahren hatte.

Ballack ist offenbar mit der Art des Konkurrenzkampfes, dem einzelne Spieler ausgesetzt sind, nicht einverstanden. «Frings befindet sich aktuell vielleicht nicht in Topform, aber er spielt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Ich habe deshalb das ungute Gefühl, dass er diesen Konkurrenzkampf nicht gewinnen kann», sagte der Capitain Ballack.

Der Mittelfeldspieler von Chelsea zog sogar Vergleiche zu ähnlichen Fällen der Vergangenheit, bei denen ebenfalls verdiente Nationalspieler auf der Strecke blieben. «Zum Beispiel Oliver Kahn. Es war ein Konkurrenzkampf mit Jens Lehmann ausgegeben worden, den er nicht gewinnen konnte. (...) Wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen.»

Löw kontert

Coach Joachim Löw liess die Vorwürfe wie erwartet nicht auf sich sitzen. Er forderte Ballack umgehend zu einem Gespräch auf. «Ich bestehe darauf. Es gibt einige Dinge zu klären.» Dass Ballack den Weg über die Medien gewählt habe, enttäusche ihn masslos, so Löw. «Auch inhaltlich ist einiges nicht akzeptabel.» Mangelnden Respekt lassen sich er und sein Trainerteam niemals vorwerfen.

«Offenbar hat sich in unseren Reihen eine Stimmung breitgemacht, dass man Respekt automatisch mit einer Stammplatzgarantie verbindet.»

Und wo die Kompetenzen von Captain Michael Ballack enden, stellte Löw auch klar: «Es hat kein Spieler, auch nicht der Captain das Recht, in Sachen Aufstellungen oder Personalpolitik den Trainer zu kritisieren oder sogar öffentlich Stimmung gegen das Trainerteam zu machen.» (Si/gwy)

play Sorgen für viel Diskussionsstoff. Michael Ballack (l.) und Joachim Löw (Keystone)