Im Irak von Auto-Bombe zerfetzt GC-Sherko trauert um Nati-Kollegen

Aufgewachsen im Kriegsgebiet, kämpft der irakische GC-Spieler Sherko Gubari (20) in der Idylle von Niederhasli ZH täglich gegen traurige Erinnerungen.

Tod durch Autobombe im Irak: GC-Sherko trauert um Nati-Kollegen play
«CR7 Sherko» Sherko Gubari auf dem GC/Campus. Sportlich hat der hoch begabte Techniker bei den Hoppers noch zu beissen. Valeriano Di Domenico

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Die «Washington Post» titelt: «Explosion einer Autobombe tötet irakischen Fussball-Nachwuchs-Internationalen». Und «IraqiProPlayers», die Vereinigung der irakischen Profi-Fussballer, twittert: «Traurige News: Der irakische Verteidiger Mahdi Abdul-Zahra ist gestorben. Als Märtyrer. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.»

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Die Explosion einer Autobombe tötet den irakischen Verteidiger Mahdi Abdul-Zahra. ZVG

Das Attentat, bei dem der 19-jährige Iraker auf dem Weg ins Training in Ost-Bagdad sein Leben lassen muss, geschieht am 23. März 2015. Nur drei Wochen zuvor hat Abdul-Zahras Teamkollege Sherko Gubari den Kriegsherd verlassen und ist in die sichere Schweiz gewechselt. Das heutige Nachwuchs-Talent von GC spielte mit dem Bomben-Opfer in der irakischen U23-Nati.

Sherko trauert, auch 20 Monate danach noch. Auf BLICK-Anfrage lässt er gestern ausrichten, er könne nicht über den Tod seines Freundes sprechen. Allein in diesem Jahr sind in Sherkos Heimat 14'886 Menschen dem Krieg zum Opfer gefallen. Täglich telefoniert der Iraker mit seiner Familie.

Sherko kommt am 25. Mai 1996 im nordirakischen Kirkuk zur Welt. Als Kurde. Seine Familie gehört den Sunniten an, einer Glaubensgemeinschaft, die im Irak mit gut 30 % der Bevölkerung (gegenüber 60 % Schiiten) in der Minderheit ist. Kirkuk, das Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie, gilt als die heimliche Hauptstadt der Kurden. Die Mehrheit von Sherkos Glaubensbrüdern wünscht sich einen Anschluss an Kurdistan. Mit Massendeportationen und Massakern unter Kurden sorgte der 2006 zum Tode verurteilte Diktator Saddam Hussein, dass die Mehrheit von Sherkos Heimatstadt wieder arabisch ist.

Vor einem Monat startet die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einmal mehr einen Angriff auf Kirkuk. 20 Menschen sterben an einem Tag.

Mit 15 Jahren wechselt Sherko von Kirkuk in die Hauptstadt Bagdad. Drei Jahre spielt er für den Top-Klub Al-Shorta. Ein Onkel zieht mit ihm in die 5,5-Millionen-Metropole am Tigris. Und ein arabischer Jugendfreund. Sherko zum Fussball-Magazin «Zwölf»: «Manchmal braucht man einen arabischen Freund. Als Kurde ist es schwierig, in Bagdad zu leben. Es ist eine gefährliche Stadt, ich hatte oft Angst.»

Auf Youtube existiert ein Video-Film, auf dem die genialsten Dribblings von Sherko auf irakischen Fussball-Feldern zu sehen sind. Sie nennen ihn daheim den «neuen Cristiano Ronaldo». Doch «CR 7 Sherko» hat in der neuen Heimat sportlich zu beissen. Auch in seiner zweiten Saison. Er in diesem Herbst in der Super League erst zu drei Kurzeinsätzen.

Kein Wunder: Im Irak konnten Sherko & Co. oft nicht trainieren, die Meisterschaft wurde unterbrochen. Oder, wie 2014, gar vorzeitig beendet. Sherkos Klub Al-Shorta wurde Wochen später zum Meister erklärt.

In «Zwölf» sagt Sherko: «Der Krieg mit dem IS behindert den Fussball.» All der Kriegswirren zum trotz spielt der Kurde für die irakische Nati. Und sagt: «Wenn ich fürs Nationalteam spiele, küsse ich die irakische Flagge. Die Leute sollen realisieren, dass ich den Irak liebe.»

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 25.11.2016

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4 Kommentare
  • Karin  Schwegler 25.11.2016
    Ist schrecklich und traurig. Trotzdem sehe ich nicht ein wieso nach Beendigung des Krieges die Menschen nicht wieder heimgeschickt werden. Wir sind ein Temp. Auffanglager für die ganze Welt, aber alle die Menschen gehören nach Hause, nicht alle zu uns. Auch im Irak wird es wieder Frieden geben und da werden diese jungen Leute dort gebraucht.
    • Chris  Maier 25.11.2016
      Wenn doch die Welt so einfach wäre, wie sie sie sich denken.
    • Roger  Huber 25.11.2016
      Das wäre toll. Dann hätte wir endlich eine richtige Schweizer Nati mit Sommer, Bürki, Hitz, Lichtsteiner, Elvedi, Schär, Widmer, Lang, Lustenberger, Frei, Zuffi, Schwegler, Stocker, Schneuwly, Steffen, Zuber
    • Marc  Burki 25.11.2016
      Herr Huber, das wäre wirklich toll. Bürki im Sturm und Hitz im Mittelfeld.
      Frau Schwegler, schicken wir doch gleich alle ausländischen Spieler in Ihre Heimat zurück. Und wenn wir schon dabei sind, Messi zurück nach Argentinien, Ronaldo zurück nach Portugal, usw.