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Wett-Mafia: Hier lacht ein korrupter Goalie

«Du, da ist Geld zu verdienen!»: So kaufte sich die Wett-Mafia die Spieler des FC Gossau.

Von Olivia Guler, Stefan Kreis , Alain Kunz und Adrian Schulthess | Aktualisiert um 13:59 | 23.11.2009
Der Ball ist drin und Darko Damjanovic lacht beim Spiel Gossau–Yverdon. Jetzt scheint klar, warum. (Keystone)
Der FC-Gossau-Spieler Mario Bigoni hat gestanden. (ZVG)
FC-Thun Spieler Omar Faye wurde von der Polizei befragt. Er ist vorbestraft. (Romina Amato)
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Freitagmorgen, 6.45 Uhr, ein Wohnblock in Romanshorn TG: Uniformierte Polizisten klingeln bei Darko Damjanovic (32). Ihr Auftrag kommt aus Bern: Die Bundesanwaltschaft erfüllt ein Rechtshilfegesuch der Staatsanwaltschaft Bochum (D).

Ziel der Operation: Die Trockenlegung des Wettbetrugs-Sumpfs, der sich über ganz Europa erstreckt. Allein 22 Challenge-League-Spiele in der Schweiz sollen manipuliert worden sein.

Dem Fussballer Darko Damjanovic (Spitzname «Digicash») wird vorgeworfen, Spiele manipuliert zu haben. Die internationale Wettmafia soll den ehemalige FC-Gossau-Goalie gekauft haben. Sein Name erscheint auf einem offiziellen Papier der deutschen Behörden. Und er hat einen Komplizen: Gossau-Mittelfeldspieler Mario Bigoni (25). Der ist geständig.

«Bigoni hat mich kurz vor 20 Uhr angerufen», sagt Gossau-Präsident Roland Gnägi gestern Abend zu BLICK. «Er gab zu, dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen sei.» Das 0:4 gegen Lugano am 24. Mai. Korrupte Gossau-Spieler sollen 20 000 Euro (31 000 Franken) kassiert haben.

Vorbestrafter Thuner Spieler soll mitgemischt haben


«Einer seiner Mitspieler habe ihn angegangen mit den Worten: Du, da ist Geld zu verdienen!», so Gnägi. «Dazu bräuchte es nur ein gewisses Resultat. Was ja kein Problem sei, da der FC Gossau ohnehin schon abgestiegen sei. Bigoni sagte mir aber nicht, ober auf das Angebot eingestiegen sei.» 149 400 Euro (231 500 Franken) sollen die Wett-Paten mit diesem Match gemacht haben.

Mario Bigoni ist inzwischen von der Polizei einvernommen worden. «Wir haben ihn deshalb umgehend und mit sofortiger Wirkung suspendiert», so Gnägi. Bigonis Ex-Mitspieler Darko Damjanovic ist seit Donnerstag abgetaucht. Kollegen erzählte er, der Mann einer Cousine daheim in Serbien sei gestorben. Gossau-Trainer Alexander Kern ist bestürzt: «Wir haben letzte Saison oft hoch verloren. Aber Gedanken, dass etwas geschoben sein könnte, sind mir nie gekommen.»

Auch FC-Thun-Stürmer Omar Faye (22) soll ein Handlanger der Wettmafia sein: Am 26. April lieferte er eine 5:1-Auswärts­niederlage gegen Yverdon. Für 15 000 Euro (23 250 Franken). Seine Auftraggeber machten laut Ermittlungsdokumenten 60 000 Euro (93 000 Franken).

«Faye teilte Sportchef Andres Gerber am Freitagnachmittag mit, er sei polizeilich befragt worden», sagt Präsident Markus Stähli. Thun suspendiert Faye für das Cup-Spiel vom Sonntag. Faye ist vorbestraft: Er war in den Sex-Skandal beim FC Thun verwickelt, kassierte im Frühling 2008 eine bedingte Geldstrafe.

Die Wettmafia

Fünf Männer aus Berlin liessen 200 Spiele in neun Ländern türken: Die Strippenzieher im mutmasslich grössten europäischen Wettskandal aller Zeiten sind laut «Welt am Sonntag» eine Handvoll Türken und Südosteuropäer. Seit Anfang 2009 bestachen sie Spieler, Trainer, Schiedsrichter im grossen Stil, so die Dienststelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Bochum (D). Mit an Bord: Der spielsüchtige Ante S.* (33), der mit zweien seiner Brüder schon im «Fall Hoyzer» 2005 aufflog. Er sass dafür zwei Jahre und elf Monate ab. Und sitzt jetzt schon wieder: In Untersuchungshaft.

Das sagen Blick.ch-Leser
emiliano arena, Waldstatt - 02:07 | 24.11.2009
» Der ganze Sport wird mehr und mehr sinnlos. Ein Arzt hat eine Berufsehre, ein Richter hat eine Berufsehre und genauso hat sie der Sportler. Es ist einfach schade... Irgendwie ohrfeige ich mich gerade selbst, dass ich mich für diesen Schwachsinn überhaupt noch interessiere. Es ist eben nicht nur der Fussball in Italien, sondern der Fussball generell. Deshalb wirds auch nie Videobeweis geben, und das zeigt auch die Schiedrichter kennen keine Berufsehre, und wollen auch keine kennen.
dreissig sechs, irgendwo - 20:30 | 23.11.2009
» Auf dieser Welt wäre das Paradies, wenn nur der Mensch nicht wäre. Es geht überall um Geld (Gaddafi-Affäre, Schweinegrippe, Versicherungen, Banken, Parkbussen...). Alles Kriminelle. Die Polizei soll erst wieder Parkbussen und andere Bagatellen welche nur des Geldes wegen geahndet werden einstellen, bis allen gröberen Betrüger das Handwerk gelegt wurde, aber das wäre ja viel zu anstrengend und lohnt sich nicht. Weil es ja nur ums Geld geht. Im Fussball geht es um sehr viel Geld -> Korruption!
skenderbek sadi, st. gallen - 20:29 | 23.11.2009
» Ja ich gebe Simon Binder recht! Es spielt doch keine Rolle welche Nationen die Spieler haben, es sind alle Nationen betroffen und es gibt auch reine CH Spieler, die namen werden noch kommen. Es wird überal betrogen, ich finde es nicht richtig wenn jemand sagt es sind nur die Ausländer
Simon Bindner, S. - 19:59 | 23.11.2009
» Herr Weber aus Bern, Sie haben noch keinen rein schweizerischen Namen gehört der beteiligt sein soll? Ich kann Ihnen leider keine Personen, jedoch sehr wohl andere Institutionen nennen. Was glauben Sie wo die Wettmafia ihre gesammelten Millionen verzinsen lässt? In so einem dreckigen Geschäft hat jeder die Finger im Spiel der auf das schnelle Geld aus ist. Leider auch reine, echte Schweizer Herr Weber!
Peter Schweizer, Region Basel - 17:58 | 23.11.2009
» @roman hasler, muttelen: offenbar ist es doch nicht zu viel Geld, das zur Verfügung steht, oder es ist (einmal mehr) falsch verteilt, ansonsten so ein Angebot von einem Kravattenträger auf taube Ohren stossen würde.. Spass beiseite, es ist so, wie Sie es erwähnen.
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