Von Bergen und Raffael in Favres Visier Hertha lässt nicht locker

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • VON STEPHAN ROTH, PETER PFLUGSHAUPT UND BRUNO HAYOZ

ZÜRICH – FCZ-Trainer Bernard Challandes (56) ist nervös. Sehr nervös. Und beim Meister glaubt man, dass unmoralische Angebote von Ex-Trainer Lucien Favre (49) der Grund dafür sind.

Das Seilziehen um Raffael (22) und Steve von Bergen (24) wird immer intensiver. Aus Berlin zieht Favre, der jetzt Hertha trainiert, an seinen ehemaligen Schützlingen. Und hier versucht Challandes verzweifelt seine Stars zu halten.

Die möglichen Wechsel beunruhigen Challandes: «Es hängt über allen ein Damoklesschwert. Das ist die Realität im Fussball.»

Dann schockte der aufgewühlte FCZ-Coach mit der gestenreichen Aussage: «Die Chance eines Wechsels ist bei Von Bergen viel grösser als bei Raffael.»

Und auf die Frage, ob der schnelle Innenverteidiger nächsten Mittwoch im wichtigen Qualifikationsspiel zur Champions League gegen Besiktas Istanbul noch dabei sei, sagte er achselzuckend: «Ich weiss es nicht. Es gibt Signale... Und Steve hat eine Ausstiegsklausel.»

Was für eine Aufregung beim FCZ! Präsident Ancillo Canepa, der am Mittwoch ein Angebot von Hertha-Manager Dieter Hoeness für Raffael bekommen hatte, klagte Favre an, FCZ-Stars mit Anrufen den Kopf zu verdrehen. «Das ist ganz schlechter Stil! Favre betreibt ein Intrigenspiel», sagte er im «Tages-Anzeiger».

Challandes gibt sich da verständnisvoller: «Ich kann Lucien verstehen. Er steht in Berlin unter sehr grossem Druck. Ich kann das akzeptieren, auch wenn es mir nicht gefällt.» Kontakt hat er aber mit seinem Vorgänger nicht aufgenommen.

Sportchef Fredy Bickel sagt: «Es wird alles nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Doch Lucien macht uns das Leben nicht leicht.»

Favre weist die Zürcher Vorwürfe energisch zurück. «Das ist total verrückt! Ich hatte alle Spieler angerufen, als ich mich verabschiedet habe. Seither hatte ich keinen Kontakt mehr.»

Der zweifache Meistermacher will sich durch die Giftpfeile aus Zürich nicht verrückt machen lassen. «Ich bin ruhig. Aus meiner Zeit in Zürich behalte ich nur die positiven Erinnerungen.»

Beim FCZ behauptet man hingegen, dass mindestens drei Spieler von Favre kontaktiert wurden. Einer davon soll Von Bergen sein. Der Verteidiger, der bisher einmal für die Schweizer Nati auflaufen durfte, bestreitet dies aber. «Ich hatte seit seinem Abschied keinen Kontakt mehr mit Favre. Und ich habe auch mit niemandem von Hertha gesprochen.»

Von Bergen versichert: «Ja, klar bin ich gegen Besiktas dabei. Ich will mich nur auf das Spiel gegen St. Gallen und auf die Champions-League-Qualifikation konzentrieren.»

Heute gegen St. Gallen sind alle Zürcher noch dabei. Und wohl auch im Hinspiel gegen Besiktas. Doch danach könnte alles sehr schnell gehen. Auch mit Linksfuss-Zauberer Cesar (28). Für den Penalty-Spezialisten gibt es Interessenten aus dem Ausland.

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