Kult-Trainer Gilbert Gress stellte sich während über einer Stunde den Fragen der Blick.ch-Leser im Chat. Dabei kam Erstaunliches ans Licht. So soll Gress vor rund 20 Jahren beinahe beim FC Basel gelandet sein, fühlte sich allerdings zu wohl in Neuenburg bei Xamax. Doch Gress weiss: «Sollte Christian Gross weggehen, wäre ich sicherlich ein Kandidat.»
Auch ohne ein Engagement beim FCB hat Gress eine grosse Karriere hinter sich. «Ich trainierte Fussballgrössen wie Ceulemans, Stielike, Givens», blickt der Fussball-Experte stolz zurück, und möchte mit dem Kapitel Trainer noch nicht abschliessen. «Wenn ein Präsident nicht absteigen oder Meister werden will, kann er gerne bei mir anrufen!»
Natürlich drehte sich der Chat aber auch um die Champions League, wo Gress Barcelona, Manchester United und den FC Liverpool zu den grossen Favoriten zählt.
Ausserdem äusserte sich Gress zu seiner Haarpracht. So würde er seine weisse Mähne sofort für einen guten Zweck abschneiden lassen. Trotzdem ist Gress unsicher: «Ist schon komisch, dass man mit 40 Jahren bereits weisse Haare hat.» Lesen Sie alle Antworten im Chat-Protokoll.
Gilbert Gress nach dem Chat
Vielen Dank, liebe Blick.ch-User. Leider konnte ich nicht alle Fragen beantworten. Ich bin sehr berührt von den Fragen. Kann es wirklich sein, dass ich so positiv wahrgenommen werde? Vielen Dank.
Lesen Sie das gesamte Protokoll zum Chat
Max Schautzer, Zürich: Guten Tag, Herr Gress. Waren die Spieler eigentlich zu Ihrer Zeit neben dem Platz auch so feminin (siehe Cristiano Ronaldo etc.)? Brachten Ihre Mitspieler damals ebenfalls Ihre Louis-Vuitton-Täschchen mit ins Training? Was halten Sie davon?
Gilbert Gress: Es gibt immer Ausnahmespieler, das war auch schon zu meiner Zeit so. Sowohl vom Talent her als auch vom Aussehen. Das ist kein neuer Trend.
Leonardi Carmelo Liechtenstein: Sehr geehrter Herr Gilbert Gress, was denken Sie, wer heute abend in das Champions-League-Viertel-Finale einzieht? Inter Mailand oder Manchester United?
Gilbert Gress: Die Mannschaft, die ins Finale einziehen will, muss an ManU vorbei. Aber: Seit gestern Abend muss ich einen zweiten Verein nennen, das ist Liverpool. Im Moment sehe ich nur eine Mannschaft, die auf diesem Niveau spielt, und das ist Barcelona.
Philipp, Zürich: Guten Tag, Herr Gress. Ich habe mich sehr gefreut, Sie in der witzigen Toto-Goal-Werbung zu sehen. Worum handelt es sich dabei genau?
Gilbert Gress: Für die Anhänger ist es immer interessant, Prognosen abzugeben. Folgende Änderungen gibt es jetzt bei TOTOgoal: Jetzt können die Millionen Experten wirklich beweisen, das sie über Sachverständnis verfügen. Denn jetzt müssen nicht mehr nur 13 Tipps abgegeben, sondern beim 14. Spiel auch das exakte Resultat tippen. Dadurch gibt es einen viel grösseren Gewinn als früher. Für nächstes Wochenende sind es genau 570000 CHF.
Markus Studer, Rüschlikon: Lieber Herr Gress, würden Sie den FC SION nochmals coachen?
Gilbert Gress: Ich war während 18 Spielen Trainer beim FC Sion, wir haben nur ein Spiel verloren, und ich war vom Publikum sehr beeindruckt.
Kohler Sascha, Allschwil: Lieber Gilbert Gress. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann einmal Trainer des FC Basel zu werden? Ich warte schon seit 25 Jahren darauf.
Gilbert Gress: Das wäre vor ungefähr 20 Jahren fast wahr geworden. Aber ich habe mich damals bei Xamax sehr wohl gefühlt. Sollte Christian Gross weggehen, wäre ich aber sicherlich ein Kandidat.
Patrick Hölstein Augst: Wenn Sie Trainer einer Schweizer Nati-A-Mannschaft wären, würden Sie zögern, wenn ein Hakan Yakin auf dem Markt wäre?
Gilbert Gress: Hakan Yakin wäre sicherlich eine Überlegung wert, wenn er keinen festen Kontrakt hätte.
Deniz: Welche Niederlage als Trainer war mit Abstand die schlimmste?
Gilbert Gress: Von der Grössenordnung her war das sicherlich im Europacup gegen Bayern München. Die kamen zu uns mit sechs Weltmeistern, und verloren das Spiel mit 2:1. Im Olympiastadion war es zwei Minuten vor Schluss noch 0:0 – dann geschah das Unglaubliche: Auf der falschen Seite wurde ein Freistoss ausgeübt. Dieser sorgte für das wichtige 1:0 für die Münchner.
Schüpbach Melanie, Dagmersellen: Wer, glauben Sie, wird Schweizermeister: Basel, YB oder Zürich?
Gilbert Gress: Momentan ist der FCZ Favorit. Er spielt einen attraktiven Fussball, aber Basel darf man nie abschreiben. Und warum nicht die grosse Überraschung von YB? Alles ist möglich.
Patrick Hölstein Augst: Würden Sie für einen guten Zweck Ihre Haare abschneiden?
Gilbert Gress: Natürlich, keine Frage.
Widmer, Marc, Luzern: Sehr geehrter Herr Gress, Ihre Kommentare als Fussball-Experte sind toll und das Wetten mit Andy Egli macht Spass, aber wann dürfen wir sie wieder als Trainer einer Klubmannschaft sehen? Ihre Erfahrung fehlt im CH-Fussball.
Gilbert Gress: Danke, danke, danke! Nach meiner tollen Erfahrung beim FC Aarau kann ich nur sagen: Wenn ein Präsident nicht absteigen oder Meister werden will, kann er gerne bei mir anrufen!
Flapao: Bonjour! Was müsste man bei Xamax ändern, damit sie wieder zu einem Titelkandidat werden? Das Stadion wäre ja schon mal da...
Gilbert Gress: Damals (Ende der 80er-Jahre) kamen drei Komponenten zusammen: Kompetenz, Talent und Ambitionen. Im Moment ist Xamax weit entfernt davon.
Heinz Züttel, Teneriffa: Teilen Sie meine Meinung, dass Heinz Hermann der begnadeste Fussballer war, den Sie je trainiert haben.
Gilbert Gress: Das würde ich jetzt nicht so behaupten: Natürlich war Heinz Hermann ein grosses Talent, aber ich trainierte ja auch Fussballgrössen wie Ceulemans, Stielike, Givens.
King Gilbert: Lieber Gilbert. Ich finde deine Frisur einfach genial. Wie heisst dein Coiffeur? Und wie oft gehst du zum Coiffeur?
Gilbert Gress: Mein Coiffeur wohnt in Strassburg und heisst Christian Winz. Und früher ging ich ja nur zweimal, höchstens dreimal pro Jahr zum Coiffeur, heute ist es ein bisschen mehr.
Sir, Wil: Guten Tag. Was meinen Sie, wer steigt direkt auf, St. Gallen oder Lugano?
Gilbert Gress: Ich wünsche beiden, dass sie aufsteigen.
David Inauen, Luzern: Bei uns geht das Gerücht um, sie seien beim FC Aarau im Gespräch. Ist das was dran? Beste Grüsse
Gilbert Gress: Zu früh, wartet doch noch ab bis zum drittletzten Spiel :) Grüsse zurück.
Sharabani, Jechi Winterthur: Guten Tag Herr Gress. Was denken sie ist die wichtigste Voraussetzung für einen jungen Spieler, um Profifussballer zu werden?
Gilbert Gress: Zuerst soll er sich auf seine schulische Ausbildung konzentrieren, und zudem braucht er das Glück beim richtigen Verein zu sein. Auch der Trainer und das ganze Umfeld ist entscheidend. Und als Talent muss er unbedingt auf dem Boden bleiben.
Madame Ka, Aargau: Bonjour Herr Gress. Haben wir eine Chance, uns für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren?
Gilbert Gress: Nach der Niederlage gegen Luxemburg habe ich gedacht, jetzt ist alles vorbei. Nach dem Sieg gegen Griechenland sind die Chancen aber wieder intakt.
Madame Ka, Aargau: Wer ist Ihrer Meinung nach derzeit der beste Schweizer Spieler?
Gilbert Gress: Für mich ist momentan Barnetta in guter Form. Letztes Jahr wäre es Frei gewesen.
Dakulu, Trogen : Seit wann haben sie weisse Haare????
Gilbert Gress: Oh, da haben sie aber gut aufgepasst. Ist schon komisch, dass man mit 40 Jahren bereits weisse Haare hat :)
Lukas, Aargau: Was denken Sie...wer wird dieses Jahr Schweizermeister?: Wie sehen sie die Geschichte mit dem FC Vaduz? Ob der Verein in der Schweizer Liga bleiben soll oder nicht?
Gilbert Gress: Wenn sie sich sportlich gesehen eigentlich qualifizieren, warum nicht. Doch eigentlich bringen sie dem Schweizer Fussball nicht soviel.
michael buttikon: was denken sie über den fall david beckham denken sie, dass er bei milan bleibt und seine karriere dort beendet
Gilbert Gress: Man spricht öfters vom modernen Fussball. Wenn man das schon sagt, bin ich überrascht, dass auch AC Milan dazu gehört. Denn Beckham sieht man mehr in Hollywood, und nicht beim Training.
Meier, Michael Aarau: Welches ist Ihr Lieblingsessen?
Gilbert Gress: Ich sage Ihnen mein Lieblingsrestaurant: Villa Casella, da gibt es immer gutes Essen.
Ingold, Manuel, Unterseen: Erst einmal guten Tag Gilbert Gress, ich finde Sie bereichern den Fussball-Mittwoch auf SF2 enorm. Ich schätze Ihre witzigen kommentare sehr! Mich würde interessieren ob Sie Ihre übergrosse Brille mittlerweile aus reiner Vermarktung tragen oder liegt es an der Gewohnheit/Bequemlichkeit? Es ist ja schon ein markantes Markenzeichen von Ihnen, jedoch rein modisch gesehen läuft man mit dieser Brille schon ein wenig der Zeit hinterher. Was meinen Sie?
Gilbert Gress: Vielen Dank für das Kompliment. Ich bin ein Mensch, der sich nicht gerne ändert, wenn ihm etwas gefällt (und meiner Frau). Deswegen kann ich damit gut leben, und die Brille war auch teuer genug. In 10 Jahren gibt es vielleicht eine neue Brille.
Michele , Trimbach: Herr Gress, Sie sind eine Legende. Ihre Spielanalysen, ihre Kommentare einfach geil! Machen sie bitte weiter so!
Gilbert Gress: Was soll ich dazu sagen, das Gegenteil wohl kaum :) Vielen Dank!
Philipp Grüter luzern: Hallo Herr Gress. Hatten Sie tatsächlich einmal ein Angebot von Real Madrid?
Gilbert Gress: Nein.
Durrer Markus Olten: Was halten Sie von der orangen Karte?
Gilbert Gress: Das ist doch eine Schnapsidee! Was soll das bringen? Wenn ein Spieler dann draussen wäre, würde das Team automatisch defensiv spielen. Dazu möchte ich noch sagen, dass man zu Zehnt oftmals besser spielt als mit 11 Spielern. Kurz: Davon halte ich gar nichts.
Dani Bloch, Härkingen: Fussball ist wie Wein, ein Genuss, welchen mögen Sie lieber, den französischen oder den schweizerischen.
Gilbert Gress: Es gibt gute Weine in Frankreich, und es gibt gute Weine in der Schweiz. Und es gibt von beidem natürlich auch schlechte. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich für die Gesundheit einen guten Bordeaux wählen.
Zur Person
Gilbert Gress stand als Spieler während 16 Profi-Jahren in Diensten von Racing Strasbourg, Stuttgart, Olympique Marseille, und Neuchâtel Xamax. Dabei holte er in Frankreich zwei Meistertitel, einen Pokalsieg und einen Triumph im Ligapokal.
Auch als Trainer feierte der 67-jährige Gress einige Erfolge. Mit Strasbourg wurde er französischer Meister, ehe er in der Schweiz Xamax zu zwei Meistertiteln in Folge führte, und den FC Zürich zum Pokalsieg. Ausserdem wurde er 1978 als französischer Trainer des Jahres geehrt, und trainierte 1997 die Schweizer Nati.
Seit 2006 macht Gress regelmässig in den Medien auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit Assistent Urs Schönenberger trainierte er für die Sendung «Der Match» eine Auswahl von Prominenten. Ausserdem steht er bei Grossanlässen und bei Spielen der Champions League als Experte vor der Kamera. (sme)