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Favre, welch Theater!

BLICK-Sportchef Walter De Gregorio schreibt in seinem Kommentar über die fristlose Entlassung von Lucien Favre bei Hertha.

Aktualisiert um 10:04 | 20.10.2009
Diese Schweizer sind oder waren schon als Trainer in der Bundesliga tätig: Lucien Favre (Ex-Hertha Berlin). (Reuters)
Lucien Favre beim letzten Training bei Hertha BSC. (AP)
Am Donnerstag kommts vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg zu einer Güteverhandlung zwischen Lucien Favre und Hertha Berlin. Sollten sich die Anwälte von Favre und Hertha nicht einigen, muss das Gericht entscheiden. Favre klagt gegen seine fristlose Kündigung im September, weil er in Berlin noch einen Vertrag bis 2011 besass und vor Gericht daher Ansprüche in Millionenhöhe geltend machen dürfte. (Keystone)
Die Hertha-Fans forderten die Entlassung von Favre. (EQ)
Gestern hat Hertha seinen Schweizer Trainer Lucien Favre offiziell entlassen, und zwar fristlos. Favre war vor zwei Wochen freigestellt worden. Den Lohn hätte er noch lange beziehen können. Hätte er nicht zwei grundsätzliche Regeln der Branche missachtet.

Erstens: Trete niemals nach, wenn du noch auf der Payroll deines Arbeitgebers bist. Zweitens: Misstraue den Seiden-Foulards der Branche.

Zum ersten Punkt: Über eine Woche, nachdem er seine Kabine in Berlin geräumt hat, hielt Favre zwei Pressekonferenzen, eine in Deutschland, gleichentags eine zweite in der Schweiz. Vor allem die Berliner Veranstaltung glich einer Muppet-Show. Favre in der Mitte, rechts ein Berater, links ein Berater. Als hätte grad ein Bundesrat den Rücktritt gegeben.

Womit wir bei Punkt zwei wären: den sogenannten Beratern. Ein Seiden-Foulard macht noch keinen Monsieur aus, und schon gar nicht einen scharfen Denker. Was auch immer die beiden Muppets ihrem Klienten geraten haben – es war kreuzfalsch. Favre hat in Berlin seinen Job verloren, in Deutschland sein Gesicht.

Offensichtlich sind es nicht nur Spieler, die ausserhalb des Rasens das Denken anderen überlassen. Neu ist, dass ein Trainer wie Favre sogar dafür bezahlt, ins Fettnäpfchen zu treten. In der Regel gelingt das auch ohne Beratung.
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Walter De Gregorio, Sportchef.
Walter De Gregorio, Sportchef.
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