Gilbert Gress (70) analysiert den EM-Final. Analyse oder Banalye?
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Gilbert Gress ist Gast im Blick-Eurotalk.
(Priska Wallimann)Herr Gress, Spanien ist schon wieder Europameister. Langweilig.
Nein, überhaupt nicht. Ich liebe diese Mannschaft seit Jahren. Spanien spielt sehr erfolgreich und gleichzeitig spektakulär. Das ist einmalig. Mir gefällt besonders die Bescheidenheit der spanischen Stars. Sie sind wahre Vorbilder für die Jugend. Spanien ist schlicht ein Phänomen.
Ist es die beste Mannschaft aller Zeiten?
Ich verfolge den Fussball seit Jahrzehnten. Ich habe Ungarn mit Puskás erlebt, Brasilien mit Pelé oder Deutschland mit Netzer. Aber keine Mannschaft hat mich so beeindruckt wie jetzt die Spanier. Sie sind technisch perfekt.
Ich dachte schon, Sie sagen Strasbourg, das Sie 1979 zum Titel führten?
Mein Traum war als Trainer immer, mein Team wie das heutige Spanien spielen zu lassen. Bei Strasbourg spielten wir sehr ähnlich. Mein Mittelstürmer schoss damals vier Treffer, mein Verteidiger sechs Tore. Hauptsache, wir siegten. Wie bei den Spaniern.
Kann man die Spanier trotzdem irgendwie besiegen? Was raten Sie?
Man muss mit 10 Mann im eigenen Strafraum stehen und auf den lieben Gott hoffen. Wenn man Glück hat, gewinnt man 1:0 (lacht). Im Ernst: Die Portugiesen haben es vorgemacht. Hohes Pressing, damit die Spanier nie ins Spiel kommen. Aber trotzdem sind sie fast unschlagbar.
Wer ist für Sie der beste Spieler des Turniers?
Das ist eine schwierige Frage. Alle Spanier sind sehr gut. Aber ich glaube, das Sergio Ramos der beste Spieler der Europameisterschaft war. Er hat hervorragend gespielt. Er war defensiv sehr verlässlich und technisch überragend. Andrea Pirlo hingegen hat im Final versagt.
Und was ist mit Mario Balotelli?
Ein gutes Spiel an einer Europameisterschaft genügt nicht. Balotelli ist zwar begabt, hat aber keine Disziplin. Das ist der grosse Unterschied zu den Spaniern. Ich habe Angst, dass Balotelli ein ewiges Talent bleibt.
Als TV-Experte wurde Ihnen vorgeworfen, mehr banalysiert als analysiert zu haben. Zurecht?
Ich komme sehr gut an bei den Leuten. Viele sprechen mich auf der Strasse an und sagen: Herr Gress, das gefällt mir. Machen Sie weiter so! Die Leute wollen lieber Anekdoten als technisch-taktisches Gerede. Das wäre zu langweilig.
Sehen wir Ihre Banalysen auch an der WM 2014 in Brasilien?
Das ist möglich. Ich bin offen. Eines muss ich aber klarstellen: Ich tippte 2010 auf Spanien als Weltmeister, 2012 auf Spanien als Europameister. Also eine kleine Ahnung habe ich schon vom Fussball (lacht).
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