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Vor dem Spiel machten die Statistiker den Spaniern das Fussballerleben schwer: 24 Jahre ist es her, als die Iberer letztmals ein EM-Halbfinale erreichten. Noch kurioser: Gleich dreimal scheiterte die «Seleccion» an einem 22. Juni im Penaltyschiessen.
Kein normaler 22. Juni
Doch heute war alles anders: Die heroischen Spanier bestimmten das Spieltempo, die ultradefensiven Italiener reagierten nur. Am Ende wäre diese Feigling-Taktik auch beinahe aufgegangen, denn die Squadra Azzurra rettete sich tatsächlich in ein Penalty-Schiessen. Würde der Fluch des 22. Juni die Spanier wieder einholen? Nein! Heute, am 22. Juni 2008, wurde die Geschichte neu geschrieben. Der 22. Juni gilt von nun an als Feiertag in Spanien, denn an jenem Tag wurde nach 88 Jahren erstmals der Weltmeister aus Italien in einem Pflichtspiel besiegt!
Der König langweilt sich trotz flotten Spaniern
Bevor es zum dramatischen Elfmeterkrimi kam, wurde 120 Minuten Fussball erdultet. Doch schon in der ersten Viertelstunde kristallisierte sich heraus, wer den Ton angibt. Die Spanier verbuchten bereits 70 Prozent Ballbesitz, den Italienern fehlte augenscheinlich der gesperrte Spielgestalter Pirlo.
Aus Madrid reiste auch der Spanische König Juan Carlos an. Er nahm die Einladung von UEFA-Präsident Michel Platini dankend an. Doch die erste Halbzeit quittierte der hohe Besuch mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck. Auch er liess sich von der Einschlaftechnik der Italiener anstecken.
Italien verteidigt mit Mann und Maus
Sofort Tempo machen lautete die Devise der quirligen Spanier nach der Pause. Und Silva, der bislang auffälligste Spanier, kam in aussichtsreicher Position zum Abschluss. Doch mit einer gut getimten Grätsche verhinderte Chiellini schlimmeres. In Punkto Torschüssen verzeichneten die Spanier bereits ein klares Plus von 13:2!
Doch zählbares wollte noch nicht herausspringen. Die Italiener standen sattelfest, bildeten eine schier unüberwindbare Abwehrmauer, die Topstürmer Villa und Torres waren der Verzweiflung nahe.
Und so verwunderte es auch nicht, dass die beiden Superstars mit anderen Aktionen auf sich aufmerksam machten. Der deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel zeigte nach einem nicht gewollten Ausrutscher im 16er Vila die gelbe Karte und Torres legte sich gleichzeitig verbal mit Grosso an.
90 grausige Minuten vorbei
Das gab es noch nie an dieser EM: Nach dem Ende der zweiten Halbzeit wurden die Akteure mit einem gellenden Pfeifkonzert von den Fans begleitet. Unser Nati-Stürmer Marco Streller alias Mister Rücktritt-vom-Rücktritt wäre wohl nicht mehr auf dem Platz erschienen, die Spanier und Italiener traten hingegen vollständig zu der 30-minütigen Verlängerung an.
Und auch in dieser agierten die Spanier agiler, nahmen das Spieldiktat in die Hand und stürmten unermüdlich nach vorne.
Der 22. Juni wird zum Feiertag in Spanien
120 Minuten waren gespielt und nun kam es am verfluchten 22. Juni zum Penaltyschiessen. Doch nicht den Spaniern zitterten die Knie, sondern den ideenlosen Anti-Offensivfussballer aus Italien. Am Ende gewann die junge Truppe (Durchschnitt 26 Jahre) aus Spanien die Elfmeter-Glückslotterie hochverdient mit 4:2.
Somit hat sich der Trend bestätigt, dass sich eine offensive Taktik durchsetzt. Das Spiel zwischen Spanien und Russland wird nach den letzten Darbietungen ein vorgezogenes Finale.
Die letzten Spektakel-Miesmacher sind draussen und Donadoni ist wohl seinen Job los. Der bis 2010 dotierte Vertrag des 44-Jährigen verliert nämlich seine Gültigkeit, wenn die Squadra Azzurra das Halbfinale nicht erreicht. Diese Klausel ist nun Tatsache und deshalb heisst es: «Arrivederci Donadoni», grösstenteils auch wegen Null-Tore Toni!