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Die deutschen Medien beschäftigte vor dem EM-Finale nur eine Frage: Wird Michael Ballack rechtzeitig fit, oder muss er wegen seiner verletzten Wade – auch als «Wade der Nation» bekannt – passen?
Das wäre nicht nur ein herber Schlag für die DFB-Elf, sondern auch für den Chelsea-Star persönlich gewesen. Bereits 2006 musste er nämlich das Spiel um Platz 3 an der Heim-WM wegen der verhärteten rechten Wade von der Tribüne verfolgen. Doch am späten Sonntagnachmittag war klar, es reicht für den deutschen Superstar.
Auf der spanischen Seite fehlte hingegen David Villa. Für den verletzten Topskorer rückte Mittelfeldspieler Cesc Fabregas in die Startformation. Also spielte mit Fernando Torres nur eine nominelle Spitze. Diese taktische Variante kam bei den Spaniern lediglich noch im unbedeutenden Gruppenspiel gegen Griechenland zum Zuge.
Lasst das Spiel beginnen!
Beide Teams waren von Beginn weg hellwach, unattraktives Rasenschach oder Catennacio gehörten glücklicherweise nicht zum taktischen Repertoire der beiden Finalisten. Statt langsamem Abtasten suchten beide Mannschaften vehement den Führungstreffer.
Jedoch stand vermehrt Jens Lehmann im Mittelpunkt: Mit einem tollen Reflex wehrte der 38-Jährige einen abgefälschten Ball von Metzelder bravourös ab. Kurz darauf liess Torres seine Torgefährlichkeit zum ersten Mal aufblitzen: Nach einer butterweichen Flanke vom Disco-Mann Ramos setzte sich der spanische Stier gegen den träge wirkenden Metzelder im Kopfballduell durch. Jedoch rettete das Torgestänge die Deutschen vor dem Rückstand.
Toooooooooooooooooooorres!
Das spanische «Tiki-Taka»-Spiel lief wie am Schnürchen, die Elf von Luis Aragones kombinierte technisch perfekt und spielte die deutschen Ballermänner schwindlig. So zwangen die pfeilschnellen Iberer ihren Gegner zu prekären Stellungsfehlern, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es hinter Lehmann einschlagen würde.
In der 33. Minute war es soweit: Aragones Lieblingsspieler und Ziehsohn Torres überrannte nach einem Zuckerpass von Fabregas den völlig verdutzten Lahm und spitzelte das Leder in lehrbuchmässiger Manier über den chancenlosen Lehmann ins Tor.
Hitzige Duelle
Die heissen Temperaturen machten sich bemerkbar. Beide Teams konnten das hohe Tempo nicht mehr ganz halten und kühlten das Gemüt bei hitzigen Rededuellen und auf anderen unschönen Nebenschauplätzen ab.
Schiedsrichter Roberto Rosetti zeigte in diesen Szenen wie auch sonst im Spiel Schwächen. Der italienische Pfeifenmann sagte einst:«Die Fehler der Unparteiischen gehören zum Fussball wie die Fehler der Spieler!» Diese nicht zur Nachahmung empfohlene Weisheit nahm sich der 41-Jährige wohl zu Herzen. Seine Vorstellung war weiss Gott nicht finalwürdig.
Deutsche Aufholjagd – Fehlanzeige!
Aus der typischen deutschen Aufholjagd wurde heute nichts. Im Gegenteil: Die Spanier spielten am Schluss mit den deutschen Ballermännern regelrecht Katz und Maus und waren dem 2:0 deutlich näher als die Truppe von Jogi Löw dem Ausgleich.
Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Kein Wunder: Die stolzen Spanier wurden nach 44-jähriger Leidenszeit zum zweiten Mal Europameister, erstmals überhaupt seit dem 1980 eingeführten Turniermodus!
Und dieser EM-Titel ist mehr als verdient: Die «Seleccion» marschierte nahezu mühelos ins Finale (das Spiel gegen die Mauertruppe aus Italien ausgenommen) und überzeugte Experten wie Fans gleichermassen mit zielstrebigem und modernem Angriffsfussball der Superlative.
Nach dem mirakulösen 1:0-Finalsieg ist die «Seleccion» seit nunmehr 22 Länderspielen unbesiegt, und selbst Mallorca, das inoffizielle 17. Bundesland Deutschlands, gehört wieder – zumindest für eine Nacht – den Spaniern. Viva España!