«Spanien regiert in Europa»

  • Publiziert: 30.06.2008

ZÜRICH – Die deutsche Presse ist traurig – aber voller Respekt für die spanischen Fussball-Zauberer. Spanien dagegen feiert überschwänglich: «Wir sind die Könige von Europa!»

Das deutsche Sommermärchen Teil Zwei endete wie die erste Ausgabe vor zwei Jahren an der Heim-WM: ohne Happyend. Doch so richtig Trübsal blasen mögen die deutschen Journalisten heute nicht. Selbst «Bild.de», normalerweise kein Muster an Demut, lässt keinen Zweifel daran, dass der Sieg von Torres und Co. verdient war: «Aus der Traum. Aber die Spanier waren einfach besser.» Trost gibts trotzdem: «Jungs, lasst den Kopf nicht hängen!»Die «BZ» aus Berlin sieht Deutschland im Tal der Tränen und Spanien im Euro-Rausch. Der Traum vom EM-Triumph sei bitter geplatzt: «Torres Lupfer in der 33. Minute zerstörte alle Träume vom Titel.»Nüchterner tönts beim «Spiegel online», der die Pleite ganz mit der schwachen Leistung des angeschlagenen Captains in Verbindung bringt: «Die deutsche Nationalmannschaft verlor verdient und nach enttäuschender Leistung gegen einen Gegner, der das EM-Finale über 90 Minuten im Griff hatte. Michael Ballack wirkte gehemmt, sein Einsatz hat sich nicht ausgezahlt.»Auch die «FAZ» richtet ihren Fokus auf den Chelsea-Star – und wird dabei gar poetisch: «Ballack bleibt der Unvollendete.» Er habe in der schweren Stunde vor Mitternacht bei den anderen Halt gesucht, die zu seinem Team zählten und genauso verloren wie er in der Gegend herum standen: Lukas Podolski, Christoph Metzelder oder Bastian Schweinsteiger. Neidlos anerkennt die «Süddeutsche Zeitung»: «Die Künstler lassen sich nicht überrumpeln. Nach starkem Beginn geht die Orientierung verloren: Deutschland unterliegt Spanien im Finale der Europameisterschaft hochverdient 0:1.»Während die Deutschen die Wunden lecken, schäumt in Spanien natürlich die passión, die Leidenschaft hoch. «El País» titelt: «Ruhm für den Besten». Spanien habe den Titel mit herrlichem Fussball errungen und die ungeteilte Bewunderung der Fans erweckt.«La Vanguardia» jubiliert: «Spanien regiert in Europa.» Nach einem perfekten Turnier habe sich die Mannschaft von Luis Aragonés alle Preise abgeholt: Die Torschützenkrone für den gestern verletzten David Villa mit vier Toren und den Titel als bester Goalie für Iker Casillas. Auch die «Marca» feiert die «Könige Europas» überschwänglich: «Das Kurzpassspiel der Roten war klar überlegen und einzig der Mangel an Zielgenauigkeit verhinderte, dass sie den Sack schon vor dem Schlusspfiff zumachten.» (hhs/zum)

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