Poldi: Ein Spassvogel und «Dieb»

  • Publiziert: 23.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Alain Kunz

Eine Medienkonferenz mit Lukas Podolski (23) ist immer ein Riesengaudi. Auch gestern liess es sich der Kölner Spassvogel nicht nehmen, eine kleine Poldi-Show abzuziehen. Fertig mit lustig wars dann beim Thema Bayern München.

Bundestrainer Jogi Löw tritt vom Podium ab. Er hat seinen Part erledigt. Podolski und Per Mertesacker (23) sind nun dran. Der Bayern-Stürmer hält als Erstes eine Akkreditierung vor sich hin wie ein Namenstäfelchen. Und sorgt damit nicht nur bei den Chinesen für Verwirrung. Zuerst klaut Poldi Mediendirektor Harald Stenger die Akkreditierung, danach stellt er ihm permanent das Mikrofon ab. Wohl um ihn besser mit dummen Sprüchen unterhalten zu können.

Sie waren der beste Nachwuchsspieler der WM 2006. Jetzt sind Sie wieder absolut top. Wie sehen Sie die beiden Jahre dazwischen?
Lukas Podolski:
Ich hatte keine einfache Zeit, habe bei den Bayern ja kaum gespielt. In der Vorbereitung auf die EM in Mallorca habe ich aber tüchtig Gas gegeben. Jetzt läufts mir ganz gut. Und so soll es auch weitergehen. Bis in den Final.

Sie liegen in der Euro-Torschützenliste ein Tor hinter Spaniens David Villa. Wie schätzen Sie ihn ein?
Während eines Werbedrehs haben wir uns in Madrid kennen gelernt. Er ist ein netter Kerl. Ich hoffe, wir sehen uns im Final wieder.

Sie wirken im Moment extrem locker und voller Freude. Liegt das an Harald Stenger?
(Gelächter.) Sicher. Mit Harald gehe ich ab und zu in die Sauna. Das hebt die Laune. Na ja, daran liegts aber wohl doch nicht. Ich spüre das Vertrauen des Trainers. Ich spiele regelmässig – und deshalb auch gut.

Sie bestreiten Ihren Halbfinal im Basler St.-Jakob-Park. Ist dieses Stadion ein Glücksbringer für Sie?
Scheint so. Wir haben dort die Schweiz im März 4:0 besiegt. Jetzt Portugal im Viertelfinal geschlagen. Wir mögen dieses Stadion. Von mir aus könnte auch der Final dort stattfinden.

In der Nationalmannschaft ist das Vertrauen in Sie riesig. Sie haben aber einst gesagt, dass es nicht sehr entscheidend sei, wer Trainer ist. Wie stehts da mit Jürgen Klinsmann, dem neuen Bayern-Trainer?
Ich hatte mit Klinsi vor der EM ein Gespräch. Seither hatte ich keinen Kontakt mehr mit dem Verein. Ich konzentriere mich jetzt ausschliesslich auf die Nationalmannschaft. Wir wollen Europameister werden. Alles andere ist derzeit egal.

In der «BILD am Sonntag» hat Poldi mehr zum Thema Bayern und Zukunft gesagt. Hier ein Auszug:

Sie fühlen sich beim FC Bayern nicht gerade wohl?
Ich hatte nicht das Gefühl, dass man mir Vertrauen gibt. Und ich verspüre es auch jetzt nicht.

Warum?
Weil der Verein nach anderen Stürmern schaut.

Ihr Ex-Klub Köln arbeitet an der Rückkehr. Ein Thema für Sie?
Alles ist möglich. Ich habe einen Vertrag beim FC Bayern. Aber jeder weiss, dass ich eine besondere Beziehung zum 1. FC Köln habe. Das ist mein Heimatverein.

Ist Ihnen ein harmonisches Umfeld wichtiger als die Meisterschaft?
Beides wäre optimal.

Harmonie auch im Hause Poldi

Harmonie ist Lukas Podolski nicht nur im Sport wichtig, sondern auch mit seinen Liebsten. Schatz Monika (22) brachte vor zwei Monaten Söhnchen Louis zur Welt. Doch die Familienidylle kann der Nationalstürmer erst nach der Euro richtig geniessen. Aber nicht ohne rundes Leder. Denn Poldi wusste schon vor Louis’ Geburt, was er ihm als Erstes schenkt: einen Fussball.
play Lukas Podolski stellte sich den Journalisten mit der Akkreditierung von Medienchef Harald Stenger – und hatte die Lacher auf seiner Seite. (AP)

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