Gefahr in den Fanzonen Machen Hooligans die Euro kaputt?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Thomas Ley
Lebensgefährlich: FCZ-Hooligans werfen Fackeln und Petarden ins Publikum.- Toto Marti

Im Stadion brennts lichterloh – und das einen Monat vor der EM. Die Organisatoren versuchen zu beruhigen: Die Gefahr lauert anderswo.

Basler St. Jakob-Park am Freitagabend: 21 Minuten sind gespielt. Der FCB geht gegen den FCZ 2:0 in Führung – und ist seit ein paar Minuten wieder Tabellenführer. Da rasten ein paar Zürcher Hooligans aus.

Aus dem FCZ-Fanblock auf der Estrade fliegen Petarden. Nicht wie üblich auf den Rasen – sondern mitten in die Fanreihen der Basler.

Tödlicher Leichtsinn, sagt die Polizei: «Dass in die Leute geschossen wird, haben wir noch nicht erlebt», erklärt der Basler Kapo-Sprecher Klaus Mannhardt. «Diese Pyro-Geschosse sind lebensgefährlich.»

Lebensgefährlich. Und im «Joggeli»-Stadion startet in ein paar Wochen die Euro! Müssen sich die EM-Zuschauer jetzt darauf einstellen, von einem Brandgeschoss getroffen zu werden?

Die Verantwortlichen bei Stadion, Uefa und Polizei winken ab: Für Euro-Besucher wirds nicht gefährlich – und wenn doch, dann nicht im Stadion.

Christian Kern, CEO der Stadionbetreiberin Basel United, betont: «Clubfussball lässt sich mit der Euro nicht vergleichen. An der EM sind alle Tickets personifiziert und die Daten der Besitzer hinterlegt.»

Benedikt Weibel, Euro-Delegierter der Schweiz, sagt der Zeitung «Sonntag»: «Heikel wird es dagegen überall dort, wo es sehr viele Menschen und Kameras gibt, zum Beispiel in den Fanzonen.»

Polizeisprecher Mannhardt sieht das genauso: «Wer sich für Hunderte Franken ein Stadion-Ticket ergattert hat, trinkt sich nicht die Hucke voll und verhaut den Nebenmann. Grösser ist die Gefahr beim Public Viewing.»

Problemzone Fanzone. Dort seien die Sicherheitsdienste der Public-Viewing-Veranstalter zuständig. «Die Polizei kommt nur, wenn dieser Dienst völlig überfordert ist», erklärt Mannhardt.

Allerdings sind in den Stadien ebenfalls «nur» Sicherheitsdienste für die Kontrolle der Zuschauer zuständig. So ein Dienst hat es am Freitag nicht geschafft, die FCZ-Hooligans gründlich auf ihre Pyros zu filzen. «Eine totale Kontrolle ist eben unmöglich», sagt Stadionbetreiber Christian Kern (siehe Interview in der gedruckten Ausgabe). Um jeden einzelnen Fan gründlich zu durchsuchen, würde man fünf Minuten pro Kopf brauchen. Zu lange für alle.

Klaus Mannhardt sagt es noch nüchterner: «Mit einer gewissen Fehlerquote muss man rechnen.»

Im gedruckten BLICK

«Das ist eine neue Dimension der Gewalt»

Christian Kern, Chef des Stadions St. Jakob, nimmt im Interwiew Stellung zum Irrsinn von Basel.

Top 3

1 Nackt-Fussball: Sieg für Ösis!bullet
2 Gegen Frauen-Handel: das Video zur EMbullet
3 Alain Sutter, Ex-Fussballprofi und TV-Kommentator «Ich geniesse...bullet

Fussball