Euro-Abzocke beginnt schon Kaffee-Besitzer wollen keine Fremdpinkler

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Gerd Löhrer

ZÜRICH – Willkommen, Euro-08-Fans! Nehmt schon mal genügend Münz in den Sack. Einmal pinkeln kostet 2 Franken.

Die Geschäftsführerin des Schweizer Cafetier-Verbandes (SCV) hat eine Bieridee. Johanna Bartholdi (56) empfiehlt ihren Mitgliedern, für die Euro08 eine Pinkel-Gebühr einzuführen: Wer an einer der Fan-Meilen die Toilette eines Restaurants oder Cafés aufsucht, soll dafür zwei Franken zahlen.

«Die Gastro-Betriebe könnten sonst zur Toilette der Fan-Meilen werden», warnt Bartholdi.

Noch dauert es ein halbes Jahr bis zur Fussball-EM in unserem Land – aber die Abzocke beginnt schon.

Kommt hinzu, dass wir nächstes Jahr für die Tasse Kaffee 20 bis 40 Rappen mehr bezahlen dürfen. Gestiegene Preise für die Kaffeebohnen und höhere Löhne. So die Begründung des Cafetier-Verbandes.

Und auch das Bier soll teurer werden. Schon im letzten Sommer klagten die Brauer über Missernten. Gleichzeitig kauften Asiaten den Hopfen- und Malz-Markt leer und trieben so die Preise in die Höhe. Die Rede war von 10 Prozent teurerem Gerstensaft.

Und jetzt noch Bartholdis Bieridee. Die Ober-Cafetière rät ihren Mitgliedern, dass sie bei den Fremdpinklern abkassieren sollen, wenn sie diese schon nicht loswerden.

Aber sie sagt nicht wie. Soll man etwa Drehkreuze einrichten, wie im Zürcher Hauptbahnhof die Gaststätten der Candrian Catering? Passanten zahlen zwei Franken für den Gang aufs stille Örtchen. Konsumierende Gäste bekommen einen Jeton oder einen Code, der ihnen gratis Einlass verschafft.

Rund um die Fan-Meilen verfügen die Restaurants nicht über solche Einrichtungen. Sie müssten die Drehkreuze erst installieren lassen oder zusätzliches Personal einstellen, um den Zugang zu kontrollieren. Das kostet.

Die Manager der Fan-Meilen haben sich selbstverständlich auch mit dem WC-Problem befasst. Thomas Dürr von «Act Entertainment» ist für die Basler Fan-Meile zuständig: 3,2 Kilometer vom Barfüsserplatz bis zum Badischen Bahnhof. «Natürlich haben wir ein Toiletten-Konzept. Es wird an vier Plätzen grössere Anlagen geben. Und wir suchen weitere Standorte», sagt Dürr.

Doch damit hapert es laut Dürr gerade bei den Wirten: «Jeder Beizer schreit nach Toiletten; keiner will, dass man ihm in den Hauseingang pinkelt. Aber keiner will eine Toilette vor seinem Haus haben.»

Dabei profitieren auch die Wirte von den Fan-Meilen. In Basel rechnet man an den Spieltagen mit 50000 Besuchern. Die sorgen für Umsatz. Zumal Kaffee und Bier schon jetzt teurer werden. «Und zwar stärker, als durch die Einkaufspreise gerechtfertigt wäre», so Dürr.

Johanna Bartholdi fordert: Wer nicht konsumiert, soll fürs Pinkeln zahlen.- Peter Klaunzer

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