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Alain Sutter: «Ich hatte viele Schmerzen, viel Ärger und Drama» (Goran Basic)
Der eitle Gockel – so denkt die Schweiz über Alain Sutter. Doch dieser oberflächliche Eindruck täuscht. Zum Treffen mit SonntagsBlick erscheint der umstrittene Fussball-Analyst des Schweizer Fernsehens im Tenue leger: augelatschte Flip-Flops, verwaschene Jeans, enge Jacke. Er ist unrasiert. In seinem Bärtchen zeigen sich erste graue Haare. Das Aussehen sei ihm heute nicht mehr so wichtig, sagt er.
Die einen wünschen Sie ins Pfefferland, für die anderen sind Sie der Schweizer David Beckham. Warum polarisieren Sie so?
Alain Sutter: Keine Ahnung. Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Wirklich nicht. Ich bin, wie ich bin. Und zufrieden mit dem, wer ich bin.
TV-Veteran Karl Erb wetterte, Ihre sogenannten Analysen seien voller Plattitüden, nichts als «dumpfes Palaver». So etwas kränkt Sie nicht?
Das ist seine Meinung, und die darf er ruhig vertreten. Ich kann die Wahrnehmung anderer nicht beeinflussen. Darum beschäftige ich mich auch nicht damit, ob ich am TV nun gut oder schlecht rüberkomme. Das Einzige, was mich interessiert, ist meine Freude an der Arbeit. Und beim Schweizer Fernsehen arbeite ich mit grossem Vergnügen.
Wie schafft man es, so immun für Kritik zu werden?
Ich habe erkannt, dass Kritik nichts weiter ist als die subjektive Meinung einer anderen Person, die auf mich projiziert wird. Warum sollte ich etwas, das bloss auf mich projiziert wird, persönlich nehmen? Dasselbe gilt natürlich auch für Lob.
Ihr Ego beeinflusst das alles nicht?
Nicht mehr. Jeder darf von mir denken, was er will. Mir ist bewusst, dass ich die Weisheit nicht mit dem Suppenlöffel gegessen habe. Und mir ist auch völlig klar, dass ich mich in meinen Analysen manchmal wiederhole – aber das ist doch normal, wenn man so oft über das gleiche Thema sprechen muss. Ich versuche nicht, besonders schlau zu sein. Ich will mich selbst sein.
Früher hat Sie Kritik manchmal aus der Bahn geworfen.
Stimmt. Als ich noch Fussball spielte, brauchte ich die Popularität. Sie war mein Lebenselixier. Kritisierte man mich, ging ich fast zugrunde. Das waren Weltuntergänge. Ich habe mich daheim verbunkert, es hat mich aufgefressen. Um Abstand zu gewinnen, ging ich 1997 für sechs Jahre in die USA. In der dortigen Anonymität fand ich Zeit und Ruhe zur Reflexion. Heute muss ich nicht mehr beliebt sein. Und erst, wenn man etwas nicht mehr muss, kann man es unbeschwert geniessen. Heute geniesse ich meine Popularität.
Berühmt waren Sie früher vor allem für Ihre Eitelkeit. Wie eitel sind Sie heute?
Mit den Jahren bin ich weniger eitel geworden. Und ganz sicher bin ich nicht so eitel, wie viele glauben.
Sie sind seit fünf Jahren auf Mallorca. Um anonym leben zu können?
Nein. Vor allem wegen des tollen Klimas. Aber wir kehren nächsten Sommer zurück in die Schweiz. Mein sechsjähriger Sohn soll hier zur Schule gehen. Das spanische Bildungssystem entspricht nicht unseren Vorstellungen.
Wie verbringen Sie Ihre Tage dort?
Momentan widme ich mich einem Haus, das ich selbst entworfen habe und das jetzt fertiggebaut wird. Später will ich es verkaufen.
Die Familie geht Ihnen über alles. Sie sagten mal: «Meine Frau und ich verbringen alle Zeit miteinander». Ist das noch immer so?
Natürlich. Und ich geniesse bis heute jede Minute.
Was ist das Geheimnis einer glücklichen Ehe?
Man kommt allein auf die Welt. Und man verlässt sie allein. Also muss man dem Partner sein eigenes Leben lassen. Man muss ihm komplette Freiheit gewähren. Ich habe meiner Frau gegenüber keine Erwartungen. Und Melanie hat mir gegenüber keine Verpflichtungen. Wahre Liebe bedeutet, das Gegenüber so zu akzeptieren, wie es ist. Jeder muss seine Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche ausleben dürfen. Nur so werden wir glückliche Menschen und eine Bereicherung für die Menschheit.
Ein Leben frei von Verpflichtungen: Sie verschicken wohl nicht mal Weihnachtskarten ...
Nein, tatsächlich nicht. Auch keine zum Geburtstag.
Lesen Sie das vollständige Interview im SonntagsBlick