Heisse Bräute in cooler Bergwelt

  • Publiziert: 02.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012

Bei dem Anblick dürfte sogar das steinige Herz des Wetterhorns getanzt haben: Der stolze Berg diente kurz vor Euro-Beginn als Kulisse für ein Foto-Shooting mit den schönsten Spielerfrauen.

In der sonst so beschaulichen Grindelwaldner Rosenlaui regiert an diesem Morgen die pure Unruhe. Schweiz Tourismus hat es sich wenige Tage vor dem EM-Eröffnungsspiel in Basel zur Aufgabe gemacht, Europas heisseste Fussballer-Bräute ins richtige Licht zu rücken. Klar, dass bei einem solchen Vorhaben bei den Vorbereitungen grösster Wert aufs klitzekleinste Detail gelegt wird.

Schliesslich sollen Sylvie (Herzdame von Hollands Ballstreichler Rafael van der Vaart), Nadège (hochschwangere Gattin von Frankreichs Abwehrrecken William Gallas) und Julia (Freundin von Deutschlands Jungstar Marcell Jansen) von ihrer Schokoladenseite «abgeschossen» werden.

Doch dieser messerscharfe Dreier strapaziert die Nerven der Crew an diesem herrlichen Frühlingstag aufs Äusserste: Obwohl das Shooting laut Marschtabelle um 9 Uhr hätte beginnen sollen, fehlt von den Lederball-Grazien am «Tatort» jede Spur, als die Kirchenglocke bereits 10-mal schlägt.

Das ist für die Stylistinnen am Set zu viel. Die beiden Zicken, die in ihren grauen Mänteln an zwei Polizistinnen aus der ehemaligen DDR erinnern, geisseln jede und jeden, die ihnen zu nahe kommen.

Die Mienen der beiden Galionsfiguren Alice Schwarzers erheitern sich auch dann nicht wirklich, als sich der Grund für den erheblichen Zeit-Rückstand am Shooting-Place herumspricht: Frau Gallas hat am frühen Morgen in ihrer Suite des elitären Hotels «Victoria Jungfrau» zu Interlaken den Wecker nicht gehört. Und jetzt muss sie warten, bis die frisch gewaschene Mähne gefahrlos der frischen Bergluft ausgesetzt werden darf.

Nur die Freundin von Marcell Jansen entpuppt sich als geländegängig

Kurz nach 11 ist es endlich so weit: Sylvie, Julia und Nadège treffen in der Rosenlaui ein. Die Ladys scheinen sich untereinander derart gut zu verstehen, dass jede in einer anderen Limousine vorgefahren wird…

Kaum haben die Chauffeure ihre «Schiffe» am Rand der schmalen Bergstrasse so parkiert, dass garantiert kein landwirtschaftliches Vehikel vorbeifahren kann, müssen die Driver ihr Meisterstück als Bergführer abliefern. Zwischen der Strasse und dem Shooting-Platz müssen die feinen Damen ein kurzes, aber ziemlich steiles Stück zurücklegen.

Nur die Freundin von Jansen entpuppt sich als geländegängig: Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen hat sie neben den hohen Absätzen noch ein paar flache Latschen in der Tasche und meistert die Herausforderung einer klassischen Schweizer Bergblumenwiese glänzend. Ganz im Gegensatz zu Sylvie und Nadège, die mit ihren High Heels hoffnungslos überfordert und deshalb auf die dargebotene Hand ihrer Fahrer angewiesen sind. Nur dank deren Hilfe erreichen auch die im siebten Monat schwangere Frau Gallas und Frau Van der Vaart unfallfrei das ungewöhnlich hoch gelegene Set.

«Wir brauchen keinen goldenen Föhn und Whirlpool»

Für den Fotografen lächelt Sylvie, das holländische Käse-Schnuckelchen, das schon für den renommierten deutschen Otto-Katalog Model stand, zwar auch an diesem Tag zuckersüss.

Doch im Gespräch mit BLICK mag sie nicht verheimlichen, dass es ihr zurzeit gewaltig stinkt. Aber nicht, weil nur ein Steinwurf vom Fotoplatz entfernt ein Kuhstall mit einem mächtigen Miststock steht. Nein, ein Artikel im Revolverblatt «De Telegraaf» ist Hollands zartester Versuchung sauer aufgestossen: «Da wird geschrieben, dass die Frauen der holländischen Nationalspieler übertriebene Forderungen bezüglich Luxus im EM-Quartier an den Verband stellen würden. Dabei stimmt das überhaupt nicht. Meine Kolleginnen und ich brauchen keinen goldenen Föhn und Whirlpool auf dem Zimmer, um glücklich zu sein. Dieser Artikel wirft wieder einmal ein total schiefes Licht auf uns Fussballerfrauen.»

Doch nach dem gelungenen Fotoshooting mit der atemberaubend schönen Berner Oberländer Kulisse verschwendet die Mutter eines zweijährigen Buben namens Damian keinen Gedanken mehr an die imageschädigenden Zeilen des Schmierfinken der heimischen Tageszeitung: «In dieser prächtigen Landschaft vergisst man wirklich alle Sorgen. Hier möchte ich einmal ein paar freie Tage mit meinen beiden Traummännern Rafael und Damian verbringen.»

Die beiden anderen Fussballerfrauen waren nach getaner Arbeit von der Schweiz nicht weniger begeistert. Die leidenschaftliche Turnierreiterin Julia machte sich aber etwas Sorgen wegen der Oberländer Kühe: «Warum muss man diesen armen Tieren bloss so grosse Glocken um den Hals hängen?»

Doch während die Kühe trotz ihrer Glocken zufrieden grasten, sorgten zwei Zicken ohne Glocken für ordentlichen Alarm. Die Stylistinen meckerten bis am Schluss: «Wenn so viele Medienleute in der Umgebung sind, kann man einfach nicht professionell arbeiten.»

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