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Es war 18.17 Uhr gestern im Abschlusstraining, als Nati-Trainer Köbi Kuhn auf dem Rasen des St. Jakob-Parks zu Marco Streller ging und das Gespräch suchte. Streller schüttelte den Kopf und Köbi lief enttäuscht davon. Hat der Stürmer ihm da mitgeteilt, dass es für das Spiel heute Abend gegen die Türkei nicht reicht?
BLICK erfuhr: Streller konnte gestern nur mittrainieren, weil er fitgespritzt worden war! Denn seine Verletzung ist schlimmer als angenommen. Bereits jetzt ist klar, dass Streller nach der EM sofort operiert werden muss. Der Basler Stürmer hat einen Bruch an der linken Leiste erlitten – und damit schon beim 0:1 gegen Tschechien gespielt!
Team-Arzt Rudolf Roder hatte also durchaus recht, als er am Montag verkündete, die Leiste von Marco Streller zeige bei Ultraschall-Untersuchungen «keine neuen Aspekte». Kleiner Scherz. Natürlich hatte er recht, wenn Streller schon am Samstag mit dieser Verletzung auflief!
Nur ärgert man sich im Umfeld von Marco Streller über die Kommunikationsarbeit des Verbandes.
Der Hintergrund: Streller spielt im Moment schlecht, der Verband vermittelt aber den Eindruck, als sei die Verletzung von Streller eine Bagatelle. Die Vorgehens-weise des SFV ist ansatzweise erklärbar: Man will nicht alle Karten aufdecken, will dem Gegner was vor-täuschen.
Strellers schlechte Leistungen erscheinen in einem neuen Licht. So sensibel er auf die Pfiffe der St. Galler Fans reagierte und frustriert seinen Rücktritt nach der EM ankündigte, so hart hält er jetzt die Knochen trotz eines Leistenbruchs hin. Doch muss er das?
Erst fiel Blaise Nkufo wegen eines Sehnenanrisses in den Adduktoren aus. Dann verletzte sich Alex Frei letzten Samstag – Innenbandanriss am Knie, sechs Wochen Pause, EM-Aus. Und nun auch noch Marco Streller.
So oder so: Die Chancen auf einen Einsatz von Streller sind heute nicht sehr gross. Und mit dem 19-jährigen Eren Derdiyok steht Nati-Coach Köbi Kuhn nur noch ein fitter, gelernter Stürmer zur Verfügung. Und da sind wir schon bei der grossen Taktikdiskussion.
Denn: Es ist ein grosses Risiko, bei einer EM mit nur halbfitten Spielern aufzulaufen. Deswegen wäre es logisch, wenn der 19-jährige Eren Derdiyok spielen würde. Das ist mehr als nur eine Variante, zieht man den Leistenbruch von Marco Streller in Betracht.
Nicht so gravierend liegt der Fall bei Tranquillo Barnetta. Nur: Der Leverkusener scheint nicht in Topform zu sein. Im Gegensatz zu Johan Vonlanthen , der gegen Tschechien viel Schwung brachte. Trotzdem wird Kuhn es vermutlich anders machen: Barnetta wird spielen. Entweder links im Mittelfeld oder als hängende Spitze für Yakin, der für Frei ganz vorne spielen dürfte.
Aber egal, wer heute auf dem Platz stehen wird: Es müssen drei Punkte her!