Fussballverband baut die Mauer wieder auf

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Karin Baltisberger

BERN – Es war einmal eine hohe Mauer. Sie trennte den Westen vom Ostblock. Seit bald 20 Jahren existiert sie zum Glück nicht mehr – ausser in den Köpfen der Apparatschiks vom Schweizer Fussballverband.

Deutsche Demokratische Republik (DDR). Sowjetunion, Jugoslawien oder die Tschechoslowakei.

Länder, die es längst nicht mehr gibt. Nur der Schweizerische Fussballverband (SFV) hats noch nicht gemerkt.

Die Berner Fussball-Funktionäre verkaufen doch tatsächlich Euro-Tickets an Bürger aus diesen untergegangenen Staaten. Hochoffiziell. Auf «football.ch», der Homepage des Fussballverbands.

Wer Tickets will für die Euro 08, muss dort im Bestellformular seine Personalien angeben. Dazu gehört auch die Nationalität. Damits einfacher geht, gibt der Fussballverband gleich eine Länder-Liste vor.

Für uns Schweizer ist der Fall klar: Wir klicken ganz einfach «Schweiz» an.

Aber was macht jemand aus dem Osten Deutschlands? Er kann wählen zwischen DDR und Westberlin.

Nur: Die DDR gibts seit der Wiedervereinigung von 1990 nicht mehr. Und Westberlin, Brennpunkt des Kalten Kriegs, endete mit dem Mauerfall.

Auch die Russen werden wieder hinter den Eisernen Vorhang geschickt. Als Nationalität können sie die Sowjetunion anklicken – aufgelöst im Jahr 1991.

Haben die SFV-Apparatschiks die letzten 20 Jahre keine Zeitung gelesen?

Die Liste offenbart noch mehr Peinlichkeiten. Länder, die es so gar nie gab.

Etwa die Insel Guam im Westpazifik: ein US-Luftwaffenstützpunkt. Oder Sikim im Himalaja: gehört zu Indien.

Braucht der SFV Nachhilfe in Geschichte und Geografie? «Natürlich wissen wir, dass es diese Länder nicht mehr gibt», rechtfertigt sich SFV-Generalsekretär Peter Gilliéron.

Er weiss noch mehr: Der Fehler sei in der Informatik passiert. «Wir führen eine Liste mit allen Ländern, gegen die wir je gespielt haben», erklärt Gilliéron.

Dazu gehören eben auch die Sowjetunion, DDR und Jugoslawien. «Diese Länder wurden dann mit einer weiteren Liste aus dem Internet kombiniert.» So kamen wohl auch «Staaten» wie Guam und Sikim drauf. «Ein Rätsel ist mir aber, woher wir Westberlin haben. Vielleicht war es mal der Austragungsort eines Länderspiels», sagt Gilliéron.

So schlimm findet er es aber nicht: «Die aktuellen Länder sind ja alle drauf – so sollte jeder sein richtiges Land finden.» Bis jetzt habe es mit der Liste noch keine Probleme gegeben. Denn Deutschland, Russland und alle anderen Nachfolgestaaten sind ebenfalls vertreten.

Trotzdem: «Wir werden die Auswahl der heutigen Zeit anpassen.»

Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass die Euro 08 in der Helvetischen Republik* ein voller Erfolg wird.

*Helvetische Republik bezeichnete die Schweiz von 1798 bis 1803.

BLICK schenkt SFV einen Atlas

Kleine Geografie-Nachhilfe für den Schweizerischen Fussballverband (SFV): BLICK schenkt den Funktionären einen Weltatlas. Dort können sie jederzeit nachschlagen, welche Länder es gibt. Und wo sie liegen.
Tipp: Was nicht im Atlas steht, existiert vielleicht nicht mehr. Wie die DDR. Seit 18 Jahren. Lieber SFV, das Buch ist in der Post.

Schweiz–Portugal: Heiss begehrtes Spiel

Der Ansturm ist riesig. Alle wollen Tickets für die Euro 08.
Bis jetzt sind beim Schweizer Fussballverband über 270 000 Kartenanträge eingegangen. Besonders begehrt sind Plätze für das Spiel Schweiz gegen Portugal.
Da viel mehr Fans ins Stadion wollen, als es Plätze gibt, werden die Tickets verlost. Man kann sich noch bis Samstag, 16. Februar, 12 Uhr, unter www.football.ch darum bewerben. Die Gewinner werden Mitte März bekannt gegeben.

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