Volksfest Euro 08 – das hats uns gebracht

  • Publiziert: 28.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Roman Seiler und Werner Vontobel

Die Euro 08 war ein Erfolg – auch kommerziell. Das meiste Geld haben russische Fans in der Schweiz gelassen.

Ziel erreicht, sagt Benedikt Weibel (61). Rund um die 15 Fussball-Spiele in der Schweiz gab es, so der Delegierte des Bundesrats für die Euro 2008, «ein fröhliches, friedliches und völkerverbindendes Volksfest».

Vor allem die Holländer steckten ihre Schweizer Gastgeber mit «oranjer» Begeisterung an und verwandelten Bern wie Basel in ein Meer von Fussballeuphorie und orangefarbenen Outfits. Nachdem mit der zweiten Turnierhälfte auch der Sommer kam, lief sogar das anfänglich schleppende Geschäft in den Fanzonen besser. Deshalb feiern morgen Hansruedi Wälchli (49) und sein World Barbecue Team Switzerland in der Fanmeile am Zürcher Utoquai einen Barbecue-Weltrekord – sowie einen Gewinn von 20000 Franken. Nach harzigem Start lief das Geschäft – wie bei vielen anderen anfänglich frustrierten Standbetreibern – schliesslich auch bei ihnen.

Ein positives Fazit zieht Intersport-Geschäftsführer Franz Julen (49): «Wir sind bereits Europameister. Besser hätte es für uns nicht laufen können.» Julen hat mit Fussball- und Fanartikeln in fünf Wochen europaweit 300 Millionen Franken erwirtschaftet. Sein Einzelhandelsumsatz stieg gegenüber 2007 um
20 Prozent.

Auch die Sportartikel-Kette Athleticum verzeichnete im Mai und Juni ein Umsatzwachstum in zweistelliger Prozenthöhe im Vergleich zum Vorjahr. Geschäftsführer André Afentoulidis (41): «Aber wir haben höhere Umsätze erwartet.»

Das meistverkaufte Fussball-Trikot war das der Niederlande, auch weil viele Schweizer sich eines überzogen. Die besten Intersport-Kunden hingegen waren die Russen. «Für unsere 20 letzten Euro-Bälle zahlten sie am Halbfinal in Wien über 500 Euro», so Julen. Das entspricht vier Mal dem Originalpreis.

Insgesamt war die Euro in der Schweiz ein wirtschaftlicher Erfolg. Doch nicht alles, was rund um die EM angeboten wurde, war auch ein Renner. Migros-Sprecherin Monika Weibel: «Euro-Produkte wie Küchenaccessoires, Bettwäsche mit Schweizer Wappen, aber auch die Euro-Maskottchen Trix und Flix verkauften sich weniger gut als erwartet.»

Den Schweizern gefiel aber, wie die Migros mit ihrer «M’08» -Fanmeisterschaft die Sponsoring-Vorschriften des europäischen Fussballverbands Uefa elegant umdribbelt hat. Nicht aufgegangen ist hingegen die Rechnung der Migros mit 30 Standbetrieben auf den Basler Fanmeilen. Auch beim Fleischverarbeiter Bell, der die UBS-Arenen versorgte, blieben die Umsätze unter den Erwartungen.

Coop verkaufte seine Autofähnli am besten. 35000 Stück gingen weg wie im Fluge. In der Nähe von Fanzonen und Stadien fand Coop viele Euro-Kunden, insbesondere die Holländer deckten sich hier mit Getränken und Sandwiches ein.

Nicht nur die Schweizer lieben die Holländer. Die Holländer lieben auch die Schweizer. «Das Medienecho in den Niederlanden war phänomenal», so Roger Waber, Sprecher von Schweiz Tourismus. «Mindestens imagemässig sind wir nun Europameister.»  

Top 3

1 OCHSNER SPORT und BLICK präsentieren: Grosse Panini-Tauschbörsebullet
2 Nackt-Fussball: Sieg für Ösis!bullet
3 EM-Game: Jetzt mitmachen!bullet

Fussball