Köbi Kuhn «Diese Gruppe ist absolut machbar»

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Max Kern

LUZERN – Albträume hatte Köbi Kuhn (64) vor der EM-Auslosung keine. Und auch die Nacht auf heute wird der Nati-Coach ruhig geschlafen haben. Die EM-Gruppe mit Tschechien, Portugal und der Türkei lässt die Schweiz mindestens vom Viertelfinal träumen.

Blick: Köbi Kuhn, zufrieden mit dem Los?
Köbi Kuhn: «Beim Probelauf am Samstag gabs noch eine ganze andere Gruppe: Da hatten wir unter anderem Deutschland und Italien... Ich habe angenommen, dass es bei der richtigen Auslosung anders kommen werde. Wir haben eine attraktive Gruppe und mit Tschechien, Portugal und der Türkei drei attraktive Gegner. Es ist gegen diese Teams nicht so wie gegen Deutschland oder Spanien, gegen die wir lange nicht mehr oder noch gar nie gewonnen haben. Alle unsere drei Gruppengegner haben wir in der Schweiz schon geschlagen. Deshalb: Diese Gruppe ist absolut machbar.»

Und dann gehts in den Viertelfinal gegen Deutschland?
«So genau habe ich den Spielplan noch nicht angeschaut ...»

Nach der Schlacht von Istanbul vor zwei Jahren verbinden uns mit der Türkei gemischte Gefühle, nicht wahr?
«Kein Problem für mich. Wir sind zu fest fixiert auf die Dinge, die damals in Istanbul passiert sind. Beim WM-Qualifikationsspiel in Bern – das wir übrigens 2:0 gewonnen haben – gabs mit den türkischen Fans keine Probleme. Und das wird nächstes Jahr auch in Basel so sein. Die türkischen und die Schweizer Zuschauer werden sich auf den Fussball konzentrieren und nicht auf Dinge, die längst vergessen sein sollten.»

Wie wichtig wird das Startspiel gegen Tschechien sein?
«Sehr wichtig. Wir dürfen auf keinen Fall verlieren, sonst sind wir sofort unter Druck. Aber, nicht zu vergessen: Wir spielen zuhause. Der 12. Mann wird uns unterstützen. Und die Schweiz wird eine Mannschaft sehen, die alles geben wird. Es liegt an uns zu zeigen, dass wir wieder das Niveau der letzten WM oder der WM-Qualifikation erreichen können.»

Wie gut kennen Sie Ihre EM-Gegner bereits?
«Meine Trainer-Kollegen haben alle Gegner bereits beobachtet – und zwar in Entscheidungsspielen, wo sie unter Druck waren. Solche Kenntnisse hatten wir vor der WM nicht immer. Die Ukraine hatten wir zum Beispiel nie in einem Entscheidungsspiel beobachtet.»

Wer ist der Gruppenfavorit?
«Die Portugiesen vielleicht. Aber die hatten in der Qualifikation gegen Finnland auch ihre Probleme. Portugal ist sicher keine Mannschaft von einem anderen Planeten.»

Zurzeit sind viele Ihrer Stammspieler verletzt. Beunruhigt Sie das?
«Nicht gross. Ich bin optimistisch, dass nächstes Jahr alle wieder an Bord sein werden. Und ich im Mai aus dem Vollen schöpfen kann.»

Doch Patrick Müller hat sich Samstags wieder verletzt ...
«... ja, leider. Es ist wieder dasselbe Knie. Er wird am Montag untersucht. Es droht ihm eine Operation. Das wäre ein Schlag für uns!»

Das EM-Kader der Schweiz

Torhüter
1 Diego Benaglio
18 Pascal Zuberbühler
21 Eldin Jakupovic

Verteidiger
2 Johan Djourou
3 Ludovic Magnin
4 Philippe Senderos
5 Stephan Lichtsteiner
13 Stéphane Grichting
17 Christoph Spycher
20 Patrick Müller
23 Philipp Degen

Mittelfeldspieler
6 Benjamin Huggel
7 Ricardo Cabanas
8 Gökhan Inler
10 Hakan Yakin
14 Daniel Gygax
15 Gelson Fernandes
16 Tranquillo Barnetta
19 Valon Behrami
22 Johan Vonlanthen

Angreifer
9 Alexander Frei
11 Marco Streller
12 Eren Derdiyok

Das halten die Nati-Spieler von der EM-Gruppe

Pascal Zuberbühler: «Die Tschechen, von denen fast keiner spricht, sind für mich die Stärksten. Das Eröffnungsspiel gegen sie wird für uns sehr, sehr wegweisend sein. Portugal hat gute Einzelspieler, ist aber machbar. Und die Türken können und müssen wir schlagen.»

Ricci Cabanas: «Super! Klar, ist das keine einfache Gruppe, aber es ist sicher eine machbare. Gegen die Türkei können wir Gas geben. Wir haben sie ja vor zwei Jahren schon einmal geschlagen. Mit unserem Heimvorteil sind sie zu packen. Ich freue mich auf die EM!»

Alex Frei: «Das Ziel muss der Viertelfinal sein. Die Tschechen haben eine gute Gruppe. Portugal ist eine Wundertüte. Da ist vom Titel bis zum frühen Ausscheiden alles möglich. Die Türken werden topmotiviert sein und wollen uns bestimmt eins auswischen.»

Daniel Gygax: «Ich habe es gewusst – die Türken! Ich habe am TV gesehen, wie schelmisch Fatih Terim gelacht hat, als er vom Los hörte. Die Türken wollen sich sicher für die vermieste WM revanchieren. Unsere Gruppe ist stark, aber auch interessant.»

Hakan Yakin: «Die Aufgabe ist lösbar. Statt der Türkei wäre mir ein anderer Gegner lieber gewesen. Familie, Freunde – für mich ist das nicht einfach. Die Gruppe mit Italien, Frankreich, Holland und Rumänien ist der Hammer! Da hätte nur noch Deutschland gefehlt!»

Stephan Lichtsteiner: «Schwierig, aber machbar. Wir müssen einfach zu hundert Prozent bereit sein. Es gibt keine andere Gruppe, in der ich lieber wäre. Nein, ich bin ganz glücklich so. Frankreich gönne ich das Los ... Sie haben ein starkes Team, aber es wird schwierig.»

Philipp Degen: «Wir haben Gegner mit viel Potenzial erhalten. Portugal gehört für mich zu den Favoriten und auch Tschechien hat ein starkes Team. Die Türkei haben wir schon geschlagen. Auch wenn die Aufgabe nicht einfach ist, ist sie doch lösbar.»

Marco Streller: «Alle sagen, es sei machbar. Ich sage, der Grat so zu Denken, ist schmal und gefährlich. Es mag abgedroschen klingen, aber an der EM gibt es keine einfache Gruppe. Das Startspiel wird entscheidend sein. Und dann, mit der Euphorie im Rücken, ist alles möglich.»

David Degen: «Das ist doch bei einer
solchen Auslosung egal, wer in deine Gruppe kommt: Für die EM haben sich die besten Teams qualifiziert. Da gibt es keine einfachen Gegner mehr. Wenn wir weiter kommen wollen, müssen wir gegen alle bestehen können.»

Benjamin Huggel: «Eine unangenehme Gruppe. Aber das ist wohl jede an einer EM. Portugal gehört für mich zu den Favoriten. Auch Tschechien hat viel Qualität. Die Geschichte mit der Türkei ist für mich vorbei. Das muss man hinter sich lassen, begraben und vorwärts schauen.»

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