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Botschafter von Stechow, wie stehen Sie dem Grossereignis EM gegenüber? Freuen Sie sich, gerade zur Zeit der EM in der Schweiz Botschafter zu sein?
Ich bin immer gerne Botschafter in der Schweiz gewesen, eine EM ist natürlich ein Highlight am Schluss meiner Amtszeit, die Ende Juli endet.
Wird Ihre Botschaft EM-Fussballparties veranstalten?
Wir machen auch eigene Fussballparties, nicht nur für die Botschaftsangehörigen, sondern auch für Schweizer und Diplomaten. So veranstalten meine Frau und ich zum Beispiel eine Übertragungsparty für das Spiel Deutschland-Kroatien. Der Botschafter Kroatiens wird dabei sein und viele Schweizer. Ich möchte endlich einmal live erleben, wie die Schweizer der kleineren Mannschaft zujubeln, denn ich habe gelesen, dass man hier in jedem Fall für die Mannschaft jubelt, die gegen Deutschland spielt.
Was wünschen Sie sich von den Schweizern als Ausrichter der EM?
… vor allem gutes Wetter. Wenn es dauernd regnet, kann das zu Frustration beim Publikum führen. Ich bin sicher, die Schweizer werden gute Gastgeber sein, die Schweiz hat ja eine lange Tradition der Gastfreundschaft. Auch deswegen wird die deutsche Mannschaft im Tessin stationiert sein, obwohl sie die meisten Spiele in Österreich bestreitet.
Haben sie Angst vor Vandalen und Randalierern aus Deutschland?
Ich hoffe sehr, dass sich meine Landsleute gut betragen werden. Bei der WM in Deutschland waren die Erfahrungen gut. Einstweilen ist für Deutschland nur ein Spiel in Basel, nämlich das Halbfinale, angesagt, wenn die deutsche Mannschaft so weit kommt. Wird sie Gruppenzweiter, gibt es noch ein zweites Spiel. Wichtig ist natürlich auch, dass alle deeskalierend wirken, sollten Vandalen und Randalierer auftauchen. Es sind aber schon alle erforderlichen und möglichen Vorkehrungen getroffen, um eventuell gewaltbereite Zuschauer bereits an der Grenze abzufangen. Schweizer und deutsche Polizei arbeiten eng zusammen.
Was halten Sie davon, dass Bundesrat Samuel Schmid der Schweizer Nati als Ziel «nur» das Viertelfinale durchgegeben hat?
Es ist doch nur natürlich, dass die Mannschaft eines so viel kleineren Landes wie der Schweiz die Ziele nicht zu hoch steckt. Für Überraschungen ist die Schweizer Nati aber immer gut.
Werden die vielen Deutschen, die wegen der EM in die Schweiz kommen werden, das manchmal angespannte Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen noch anschüren?
Ich hoffe doch, dass die Deutschen, die kommen werden, auch gerne empfangen werden. Schliesslich richten Österreich und die Schweiz doch die EM gemeinsam aus, um sich darüber zu freuen.
Gibt es eigentlich für Ihren Geschmack zu viele Deutsche in der Schweiz?
Das müssen die Schweizer unter sich abmachen. Mit der vor allem durch die Konjunkturentwicklung bedingten deutschen Zuwanderung ist die Schweiz so eine Art zweiter Exportweltmeister in Europa geworden. Mit 100 Milliarden Schweizer Franken bilateralem Handel sind unsere bilateralen Handelsbeziehungen so entwickelt wie noch nie. Dieser auch durch Arbeitnehmerfreizügigkeit bedingte Austausch macht unsere beiden Länder fitter für die Globalisierung. Da werden im jeweiligen Nachbarland viele Erfahrungen ausgetauscht und gesammelt, die uns auf den Weltmärkten zugute kommen.
Wie schätzen Sie die Chancen für die Schweizer Nati und die deutsche Nationalmannschaft ein?
Ich bin kein Fussballexperte. Hoffentlich gewinnen beide Mannschaften so viele Spiele wie möglich und hoffentlich spielt die Deutsche Mannschaft besser als 2004 in Portugal. Der Schweizer Nati wünsche ich Ruhe und Besonnenheit beim Elfmeterschiessen. Beide Mannschaften können es weit bringen und Köbi Kuhn wäre ein gutes Ergebnis zum Abschluss seiner Laufbahn als Nationaltrainer sehr zu gönnen.
Welche EM-Spiele werden Sie persönlich in Stadien mitverfolgen?
Die Karten sind knapp. Falls es für Deutschland bis zum Halbfinale reicht, bekomme ich dafür eine Karte.
Falls die Deutschen ausscheiden, für welche Mannschaft werden Sie mitfiebern?
Das weiss ich noch nicht. Ich fiebere dann für die, die guten Fussball spielt und auch für den «Underdog», wenn es einen gibt.
Die EM kommt für Sie persönlich zum Abschluss Ihrer Dienstzeit in der Schweiz. Wie ist Ihr Resümee über Ihre Zeit in der Schweiz?
Mein dritter Schweizaufenthalt nach 1949 und 1981-85 war für mich sehr bereichernd. Ich bin schon seit meiner Kindheit begeisterter Bergwanderer und auch begeisterter Skifahrer. Die Schweiz ist ideal für beides. Zweifellos bin ich ein noch stärkerer Befürworter des Föderalismus geworden und habe erst jetzt richtig gelernt, wie tief und lange der Kulturaustausch zwischen unseren Ländern schon zurückreicht und wie fruchtbar das war und weiter ist. Da rücken kleine Reibereien, wie sie unter Nachbarn üblich sind, rasch in den Hintergrund und werden unbedeutend. Der Austausch zwischen den Menschen, zwischen der Politik, der Wirtschaft und der Kultur unserer beiden Länder ist enorm und nützt beiden Ländern.
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Deutscher Botschafter Andreas von Stechow (Peter Gerber)