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Was wurde im Vorfeld des Spiels zwischen Österreich und Deutschland nicht alles geschrieben. Besonders die Boulevardblätter «Österreich» (Ö) und «Bild» (D) lieferten sich eine beispiellose Schlacht vor dem Hauptkampf auf dem grünen Rasen. Und auch einige Spieler machten mit verbalen Blutgrätschen schon vorab auf sich aufmerksam.
Deutsches Team ohne grosse Änderungen
Vor der Partie hatten viele Fussballexperten Veränderungen im Team gefordert. Besonders das bislang torlose Sturmduo Klose und Gomez sollte nicht mehr auflaufen. An DFB-Coach Joachim Löw prasselten aber alle Taktik-Tipps ab, lediglich für den verletzten Marcell Jansen wechselte Philipp Lahm auf die linke Seite. Arne Friedrich rückte als Rechtsverteidiger für den Münchner nach.
Aus rot wird weiss
Nach dem Einmarsch der Fussballgladiatoren war zumindest schon eines klar: Die Mannschaften tragen dieselben Farben wie in Cordoba, Österreich in rot, die Deutschen in weiss. Doch kreidebleich wurden bereits nach fünf Minuten die Ösis: Klose setzt sich auf der rechten Seite kraftvoll durch und serviert Gomez den Ball dank präzisem Zuspiel auf dem Silbertablett. Doch was ist mit dem Stuttgarter nur los! Aus einem Meter (!) lupft der Deutsche mit spanischen Wurzeln die Kugel ungelenkig in die Luft und verpasst die frühe Führung.
Ösis im Spielrausch
Nach der blamablen Aktion von Gomez finden die Deutschen überhaupt nicht mehr ins Spiel. Die Österreicher wittern dagegen ihre einmalige Chance und spielen frisch von der Leber weg. Besonders der quirlige Erwin Hoffer sorgte immer wieder für Unruhe vor Lehmanns Kasten. Doch grosse spielerische Klasse fand man auf beiden Seiten nicht. Immer wieder sorgen unfaire Fouls für Unterbrechungen.
Rote Karte für Löw und Hickersberger
Das Spiel wurde ruppiger, doch richtig Action gab es am Spielfeldrand. Nach einem heftigen Disput wurden die beiden Trainer Löw und Hickersberger vom Schiedsrichter aus der Coachingzone verbannt. Die Streithähne schüttelten sich beim vorzeitigen Abgang die Hand und Löw durfte zudem der Bundeskanzlerin auf der Ehrentribüne die Hand schütteln.
Dieser Zwischenfall wirkte sich auch auf dem Feld auf. Der Spielfluss war vollends versiegt, hektische Zweikämpfe regierten die letzten Minuten.
Deutschland erwacht!
In der zweiten Halbzeit liessen sich die Deutschen nicht mehr von dem überharten Spiel der Österreicher beeinflussen. Allen voran Michael Ballack sorgte für Spielkultur. Und so war es auch dem Captain der Deutschen vergönnt den Wiener Würstchen-Bann zu durchbrechen. Mit einem hammerharten Freistoss in den Winkel sorgte der Chelsea-Legionär für die richtigen Verhältnisse.
Deutsche stopfen Ösis die «Goschn»
Die Österreicher wollten es den Türken gleichmachen und einen scheinbar unaufholbaren Rückstand wieder wett machen. Doch gegen die nervenstarken Deutschen konnte auch das unbändige Kämpferherz der Ösis nichts anrichten. Selbst der Deutsche Goalie Jens Lehmann, der in den ersten Partien sehr unsicher auftrat, spielte fehlerfrei.
So wurde nichts aus dem Wunder von Wien, es gab auch kein zweites Cordoba. Die Österreicher gehen zwar nicht als «schlechtestes Team aller Zeiten» in die Geschichtsbücher ein, trotzdem wurde am Ende aus dem «Jahrhundertspiel» ein Albtraum. Das Auftreten der knüppelharten Österreicher war ideenlos, einseitig und mit spielerischen Fehlern behaftet – Leidenschaft alleine reichte nicht aus. Die am Ende stilsicheren Deutschen stopften den im Vorfeld grossmauligen Österreichern am Ende verdient die «Goschn».
Deutschland steht somit Viertelfinale, gegen die Portugiesen müssen sich Jogis Jungs aber noch in allen Belangen mächtig steigern.