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Aareschwimmen ist in Bern Volkssport. Doch er ist mitnichten ungefährlich: «Bei Hochwasser übt das Wasser eine grosse Kraft aus, die nicht sichtbar ist», sagt Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Rettungsschwimmer.
Als die Stadt Bern erfuhr, dass die Holländer zu zehntausenden aufmarschieren werden, wollte sie ein Badeverbot verhängen. Aus Angst, die Horden von Besoffenen könnten reihenweise untergehen im schönen grünen Fluss. Nun müssen zusätzliche Warnschilder in den Euro-Sprachen genügen. Und es gibt Fleutis Team.
«Wir reden mit den Holländern, sie sind einsichtig»
Täglich von 11 bis 21 Uhr überwachen 25 Freiwillige die gefährlichen Punkte zwischen den Campingplatz Eichholz und dem Marzilibad. Verbieten will man den Gästen das Baden nicht. «Wir reden mit den Leuten, warnen sie vor den Gefahren. Die Holländer sind sehr einsichtig, sie folgen unseren Empfehlungen», so Fleuti.
Gottseidank muss man sagen. Bis jetzt ist nichts passiert, kein Wunder sollte man meinen, die Aare misst gerade einmal 14 Grad. Doch Fleuti warnt: «Die Temperatur spielt keine Rolle. Die Berner springen auch so rein, das animiert die Holländer. Und der Alkohol senkt zusätzlich die Hemmschwelle.» Und dem Alkohol sprechen die orangen Supporter bekanntlich in rauen Mengen zu.
Noch ist es ruhig auf dem Camping
Ein Augenschein auf dem Campingplatz Eichholz am späten Vormittag kann die Rettungsschwimmer ein bisschen beruhigen. Einige wenige Holländer und Italiener verpflegen sich mit kleinen Augen in der Cafeteria. Die Sonne hat sie früh aus den Zelten vertrieben. Doch sie scheinen den mörderischen Kater eher mit Kaffee und fettigen Speisen besiegen zu wollen als mit einem Sprung ins kühle Nass der Aare. Die Mega-Party der vergangenen Nacht zwingt zu ruhigen Zeitvertrieben. Oder man greift gleich wieder zum Bier.
Dann wagen sich drei Anhänger der Oranje doch noch zaghaft in den Fluss. Aber nur bis zu den Knien, es ist ihnen zu kalt. So dürfte es vielen ergehen.
Helfen als Ansporn
Anja Scholl hat am heutigen Dienstag die Einsatzleitung. Die Psychologie- und Pädagogikstudentin gibt seit zwei Jahren Kurse in Lebensrettung und schätzt die Gelegenheit, «einmal an der Front zu stehen». Die Abschlussarbeit muss warten, sie steht drei Wochen lang im freiwilligen Einsatz.
Eine Art Pamela Anderson für die Holländer? Die schöne Retterin winkt ab: «Ich bin froh, ist noch nichts passiert. Das soll auch so bleiben.» Verständlich, wer will schon holländische Alkoholleichen aus dem Fluss ziehen. Man kann nur hoffen, dass die orange Meute die hübsche Einsatzleiterin nicht zu Gesicht bekommt. Sie könnten versucht sein, sich absichtlich in den Fluss zu werfen. Um von ihr gerettet zu werden.
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Die Hinweisschilder hängen entlang der Aare, auch auf holländisch. (Blick Sport online)