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Alex Frei, das sind 37 Tore in 63 Länderspielen – aber auch acht zum Teil sehr schwere Verletzungen und drei Operationen in den letzten knapp vier Jahren. Im Februar 2005 begann Freis Seuche. Seit letztem Sonntag ist der beste Schweizer Torschütze wieder ausser Gefecht: Teilabriss eines Aussenbandes am rechten Sprunggelenk.
Erneute Verletzung
Verletzt hat sich der BVB-Angreifer im Spiel gegen Bochum (1:1) bei der Landung nach einem Kopfball – ohne Fremdeinwirkung. Frei fällt laut Borussia Dortmunds behandelndem Arzt Markus Braun für zwei Wochen aus. Das Länderspiel gegen Finnland heute in zwei Wochen wird wohl ohne Ottmar Hitzfelds Tor-Garant über die Bühne gehen.
Warum diese unglaubliche Serie von Verletzungen?
Ist Freis Körper zu schwach für Spitzensport? «Nein», sagt Cuno Wetzel, Nati-Arzt, zu BLICK. «Verletzungen in Kontaktsportarten wie Fussball sind leider häufiger als zum Beispiel beim Schwimmsport. Wenn man Pech hat oder vom Typ her dem Zweikampf nicht aus dem Weg geht und immer 120 Prozent gibt, erhöht sich natürlich auch das Risiko einer Verletzung. Das trifft sicher auch bei Alex zu.»
Ähnlich siehts Chirurg Heinz Bühlmann, ehemaliger Vertrauensarzt der Tennis-Nummer 1 Martina Hingis: «Freis Art, Fussball zu spielen, ist sehr attraktiv. Mit seinem Körper bezahlt er aber die Rechnung für diesen Stil.
Hoher Einsatz – hoher Preis
Er ist ein Power-Spieler, der den Fuss nicht zurückzieht. Wenn einer das Risiko voll auf sich nimmt, steigt auch die Gefahr von Bandverletzungen.»
Nati-Captain Frei weiss sehr wohl, mit welchen Attributen er es an die Spitze des europäischen Fussballs geschafft hat. Der Baselbieter wiederholt gerne: «Ich bin nicht schnell, ich bin nicht gross, ich bin kein Brasilianer.» Was bleibt ihm anderes übrig, als auf seinen exzellenten Torriecher zu setzen – und in den Zweikämpfen im Strafraum volles Risiko auf sich
zu nehmen?
Freis Leidensgeschichte wurde im November 2005 dramatisch: Der damalige Profi von Stade Rennais klagte hinter vorgehaltener Hand erstmals über Schmerzen in der Hüftgegend. Der Torschützenkönig der Ligue 1 von 2004/05 biss monatelang auf
die Zähne. Verständlich, die WM 2006 stand vor der Türe. Doch der Körper liess sich nicht austricksen.
Es folgte im Oktober 2006 ein Muskelfaserriss im Oberschenkel rechts, wohl als Folge der verdrängten Hüftprobleme, die Frei jahrelang mit sich herum trug.
Im Mai 2007 folgte der unausweichliche Eingriff durch Vertrauensarzt Roland Biedert in Biel: Freis Statik war verschoben. Hüftoperation. Sieben Monate Pause.
Verfrühtes Comeback?
Frei drängte aufs Comeback. Forcierte (auch auf Druck seines Arbeitgebers Dortmund) in der Rehabilitation zu stark. Die Folge waren Anfang September und Ende Oktober 2007 zwei Muskelfaserrisse in der Wade rechts.
Nati-Physio Stephan Meyer, der Frei auf seinem Weg zurück während acht Monaten meist in Magglingen betreute, nimmt seinen Patienten in Schutz: «In der Rehabilitation treten immer wieder Nachfolgebeschwerden auf, Verhärtungen, Zerrungen, Muskelfaserrisse. Wenn man so viel trainiert, geht man auch Risiko ein.»
Ist Frei nicht doch verletzungsanfälliger als andere Fussballer? Meyer: «Nein, auf jeden Fall nicht. Früher war er ja nie verletzt. Sonst wäre er gar nie so weit gekommen.»
Liegen die Gründe für die nie enden wollende Verletzungsserie gar woanders? Meyer: «Nein, Alex ist ein Profi in allen Lebenslagen. Und weil ich das weiss, bin ich auch überzeugt, dass diese Anhäufung von Verletzungen einfach nur Pech ist.»
«Pech – oder einfach zu wenig Glück», sagt auch Nati-Doc Wetzel, «das gehört zu seinem Beruf, Alex weiss das.»
Nach dem Tiefschlag an der EM, Teilabriss am Innenband im linken Knie im Startspiel gegen die Tschechen, kehrte Frei bereits am 30. August wieder auf die Plätze zurück. Zu früh?
«Ich wehre mich gegen Aussagen, ich sei verletzungsanfällig», sagte der Rekord-Torschütze der Nati am 6. Oktober, vor seinem Tor beim 2:1 gegen Lettland, zu BLICK, «aber drei Operationen innert einem Jahr steckt man nicht einfach so weg.» Damals war er gesund. Jetzt quält er sich wieder durch die Rehabilitation.
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Aufbau Der Weg zurück auf den Platz ist hart und kostet Substanz. (Reuters)