Enkes Witwe: «Wenn er depressiv war, war es schwer»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Raphael Fiore

HANNOVER - Was für eine emotionale Pressekonferenz von Hannover 96. Seine Witwe spricht über ihre Gefühle und die Krankheit von Enke - er litt an Depressionen!

Um Punkt 13.01 Uhr startet nach dem gestrigen Selbstmord von Robert Enke die Pressekonferenz in Hannover 96. Die grosse Überraschung: Entgegen allen Erwartungen tritt nicht Sportmanager Jörg Schmadke vor die Journalisten, sondern seine Witwe Teresa sowie Enkes Arzt.

Zuerst spricht Dr. Valentin Markser. Er spricht über Enkes Kranheit – dieser litt unter starken Depressionen, hatte latente Selbstmordgedanken. Es wird ein düsteres Bild von Robert Enkes Innenleben gezeichnet. Erstmals kommt Enke zu Dr. Markser, als er bei Barçelona und Fenerbahçe Istanbul unter Vertrag steht.

Besonders setzt Enke der Eklat in Istanbul zu, als er unter Trainer Daum beim ersten Spiel von den eigenen Fans mit Gegenständen beworfen wird. Er schmeisst den Bettel komplett hin und ist für kurze Zeit ohne Job.

Doch die Familie kämpft sich gemeinsam aus diesem Tief, und selbst der Tod von seiner geliebten Tochter Lara bringt die beiden nicht auseinander.

Ab Oktober dieses Jahres begibt sich Enke erneut in Behandlung, die Depression ist stärker als je zuvor. Den Tränen nahe sagt Enkes Witwe: «Wir haben geglaubt, dass man es mit Liebe schafft. Doch ich habe es nicht geschafft. Robert ist tot.»

Enke hat sein Umfeld getäuscht

Tragischer ist die Tatsache, dass Robert Enke scheinbar seine Frau und auch seinen Arzt täuschte. Am Todestag selbst rief Enke seinen Arzt an und stoppte die Behandlung, die er Oktober dieses Jahres wieder aufgenommen hatte. In seinem Abschiedsbrief entschuldigt sich Enke dafür.

Weshalb aber ging Robert Enke nicht an die Öffentlichkeit? Seine Witwe dazu: «Er hatte Angst. Angst, dass er Leila (seine Adoptivtochter) verliert. Er hatte Angst, dass er seinen Job verliert. Fussball war sein grösster Halt, seine Flucht vor den Depressionen.»

Doch Robert Enke konnte seine Krankheit nicht besiegen. Am Dienstag begeht er Selbstmord. Er hinterlässt Frau und Kind.

Das wurde in der Pressekonferenz angesprochen

++ Hannover-Fans organisieren am Abend einen Trauerzug durch Hannover.

++ Robert Enke litt also an Depressionen. Und er wollte dies unbedingt verheimlichen, damit er den Fussball nicht verliert.

++ Die sehr emotionale Pressekonferenz ist beendet. Direkte Fragen an die Witwe von Enke wird es nicht geben.

++ Sein Arzt spricht erneut über die Depression. Es sei keine typische Depression gewesen, Enke sei nicht völlig antriebslos gewesen. Er habe aber immer wieder latente Selbstmordgedanken gehabt. Es hätte auch nichts gebracht, wenn man die Krankheit veröffentlicht hätte. Robert Enke habe gedacht, dass es so noch zu einer grösseren Krise gekommen wäre.

++ Teresa Enke spricht über Enkes Beziehung zum Fussball: «Als er bei Barça aussortiert wurde, sagte er trotzdem, dass es wunderschön gewesen sei. Das Team, das Training. Fussball war sein Halt in dieser Situation, wenn er nicht spielen konnte.»

++ Wir haben geglaubt, dass man es mit Liebe schafft. Doch ich habe es nicht geschafft. Wollte ihm Perspektive und Hoffnung geben. Sagte ihm, dass es so viele schöne Dinge im Leben gibt. Auch nach dem Tod seiner alles geliebten Tochter Lara. Es gibt immer eine Lösung, wenn man zusammen hält. Ich habe ihn immer begleitet, wollte ihm helfen, das durchzustehen. Doch die Angst war zu gross, dass er auch seine adoptierte Tochter verlieren könnte.

++ Wenn er akut depressiv war, fehlte ihm der Antrieb. Die Hoffnung auf baldige Besserung fehlte. Die Schwere bestand darin, es nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Robert hatte Angst, dass er seine Familie verlieren und seine sportliche Karriere gefährden könnte. Doch es ist unglaublich. Jetzt kommt es trotzdem raus. Er ist tot.

++ Jetzt spricht Teresa, Enkes Frau.

++ In seinem Abschiedsbrief entschuldigt er sich bei seinen Angehörigen und bei seinen behandelnden Ärzten. Er habe alle getäuscht.

++ Danach habe sich alles stabilisiert. Doch in diesem Oktober sei er wegen seiner viralen Erkrankung erneut in einer Krise gewesen. Fussballspielen sei die wichtigste Aktivität gewesen, um von seiner Depression wegzukommen. Er habe danach keine Behandlung mehr gewollt. Noch am Tag des Selbstmordes habe Enke angerufen und gesagt, es gehe ihm besser.

++ Robert Enkes Arzt redet. 2003 habe er ihn zum ersten Mal in seiner Praxis gehabt. Er habe damals, als er bei Barça und Istanbul unter Vertrag stand, unter starken Depressionen gelitten.

++ Die Pressekonferenz beginnt. Und grosse Überraschung: Auch die Witwe von Robert Enke wird sprechen.

Das ist passiert

Der deutsche National-Keeper Robert Enke ist am Dienstagabend gegen 18.25 Uhr an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Es handelt sich um einen Selbstmord. Heute Dienstag ist ein Abschiedsbrief von Enke aufgetaucht.

Robert Enke hinterlässt Ehefrau Teresa und die acht Monate alte Adoptivtochter Leila. Der Fussballer hatte in seinem Leben einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen müssen: Im September 2006 starb seine Tochter Lara im Alter von zwei Jahren. Sie litt an einem schweren Herzfehler.

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